Gruppenbild mit Moderator: Rolf Gerlach, Roland Single, Lisbeth Hoid, Harald Fischer, Wolfgang Wulz und Helmut Mattern (von rechts) Foto: Susanne Müller-Baji

In der Zehntscheuer maßen sich am Samstag fünf Mundartdichter beim Zuffenhäuser Bürgerverein im Wettstreit. Vorjahressieger Rolf Gerlach gewann den Publikumspreis, Neuling Roland Single überzeugte die Jury.

Stuttgart-Zuffenhausen - Vor einigen Jahren konnte man noch mit dem Slogan punkten, dass man im Ländle alles kann, nur nicht Hochdeutsch. Beim 21. Mundartdichterwettbewerb am Samstag war man da schon weiter: Muss man das können, wenn auf Schwäbisch scho älles g’sagt isch? Fragten sich auch die fünf Mundartdichter, die in der Zuffenhäuser Zehntscheuer zum Wettstreit antraten. Am Ende zog ausgerechnet ein Neuzugang am Teilnehmerfeld vorbei.

Fünf Mundartdichter, zwei Durchgänge, der Zuffenhäuser Bürgerverein und eine voll besetzte Zehntscheuer – das waren die Eckpfeiler, auf dem nun das Spiel mit dem schwäbischen Idiom ruhte. Der vormalige Zuffenhäuser Hirt Helmut Mattern führte charmant durch das Programm, und es wurde ein spannender Nachmittag, denn es gab so viele Sprachebenen und Ansätze wie hoffnungsvolle Bewerber. Wenn man mal nicht alles verstand, konnte das auch andere Gründe haben.

Das zeigte Roland Single: Er haute den Gästen Sätze um die Ohren, dass sie nur so staunen konnten. Selbst Christina Kolb, Vorsitzende des ausrichtenden Zuffenhäuser Bürgervereins gab zu: „Ich hab das net verstande.“ Dann klärte der Mundartdichter auf: Er sei auf die Reaktion auf das Quasi-Schwäbisch gespannt gewesen, eine Bekannte habe verstört gesagt: „Ihr auf der Alb schwätzet halt a bissle anders als mir en Biberach.“ Auch sonst war Singles Ansatz kreativ, als er von Sohnemanns Zungenpiercing erzählte: Jetzt „triale“ dieser und beantworte die Frage nach dem Berufswunsch nur noch mit Schulterzucken – wo er doch „Sahnmedisin“ studieren wolle.

Den nächsten Wettstreit können vielleicht mehr Zuschauer verfolgen

Durchaus philosophische Fragen stellte dann Harald Fischer: Wann man endlich mal Zeit habe, „net für des, was Du zom Leben brauchsch, sondern fürs Leben selber“? Wolfgang Wulz nahm sich die Komik des Alltags vor, erzählte von der nervtötenden S-Bahn-Fahrt inmitten einer quietschfidelen Seniorenausflugsgruppe. Und Lisbeth Hoid war womöglich die nachdenklichste der Runde, als sie über das Witwendasein und ein geschenktes Lächeln sinnierte.

Der Vorjahressieger Rolf Gerlach hatte die Lacher auf seiner Seite, als er den neuen Pfarrer mit einer Ziege verglich, „zumindescht von der Stimm’ her“. Dann machte er seiner Ehefrau noch eine Liebeserklärung vom Lesepult herunter. „Wie soll i des toppe?“, fragte sich da nicht nur Moderator Helmut Mattern und fügte an, er wolle nun nicht in der Haut der Jurymitglieder stecken. Wohl wahr, die Bewertung war, als vergleiche man Äpfel und Birnen.

Gut, dass dieses Mal zwei erste Preise vergeben wurden: Das Publikum kürte Rolf Gerlach zum Sieger. Die Jury, bestehend aus der Volksbank-Aufsichtsrätin Adelheid Raff, der stellvertretenden Bezirksvorsteherin Karin Buschkühl und dem Besenwirt Jürgen Krug würdigte den spielerischen Ansatz Roland Singles; der Winterlinger nahm übrigens zum ersten Mal in Zuffenhausen teil und rollte das Feld gleich von hinten auf. Einen Preis bekamen aber alle – und das völlig zu Recht.

Die beiden Organisatoren vom Bürgerverein, Christina Kolb und Helmut Müller, machten sich nach der erfolgreichen Veranstaltung schon mal Gedanken über den nächsten Mundartdichterwettbewerb in zwei Jahren. Nachdem die Zehntscheuer voll belegt war, erwäge man, den Wettstreit in die Hohenstein-Turnhalle zu verlegen. Ond damit isch jetzt wirklich älles g’sagt.

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