Ein Aktivist auf einer illegalen Mülldeponie in Malaysia: Auch deutscher Plastikmüll findet sich hier Foto: Melanie Maier

Kunststoffabfälle aus Deutschland landen immer wieder auf illegalen Deponien im Ausland, zum Beispiel in Südostasien. Warum wird Plastik überhaupt exportiert – und nicht einfach in Deutschland recycelt oder verbrannt?

Stuttgart - Etwa eine Million Tonnen Kunststoffabfälle werden pro Jahr aus Deutschland ins Ausland exportiert. Doch viele der Zielländer scheinen mit dem Müll überfordert zu sein – das hat vor einigen Monaten etwa ein Bericht der Umweltorganisation Greenpeace gezeigt. Schwer verwertbare Materialien werden mitunter nicht wie angenommen recycelt: Sie landen im schlimmsten Falle auf illegalen Deponien, etwa in Malaysia – und tragen dort zur Umweltverschmutzung bei. Warum aber wird Plastikmüll überhaupt exportiert?

Der Grund sei schlicht ein ökonomischer, sagt Henning Wilts, Abfallexperte am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie. „Unternehmen in Asien sind bereit, mehr für unsere Abfälle zu bezahlen als ihre inländische Konkurrenz. Die Transportkosten sind vergleichsweise niedrig, dazu sind die Umweltstandards in Ländern wie Malaysia auch deutlich anders als bei uns – von daher rechnet es sich leider einfach.“

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Für rund 700 Euro pro Tonne wird sortenreiner Kunststoff auf dem Weltmarkt derzeit gehandelt. Nach EU-Recht ist dies legal, solange der Müll nicht auf Deponien landet. Es könne sein, hieß es dazu jüngst vom Umweltministerium, dass deutsche Unternehmen zwar legal handelten, die Vertragspartner sich aber nicht an Vereinbarungen hielten. Die Ströme zu kontrollieren sei flächendeckend kaum möglich. Und: Die internationalen Müllströme verlagern sich Greenpeace zufolge schnell: Zwar haben Malaysia, Vietnam und Thailand zwischenzeitlich Importbeschränkungen für Kunststoffabfälle verhängt, für andere Länder wie die Türkei oder Indien gelten noch keine Beschränkungen.

Die Kosten für eine Verbrennung in Deutschland sind hoch

Recycelt wird etwa 38 Prozent der Plastikabfälle aus deutschen Haushalten. Mit dazu zählt auch der exportierte Müll, weil angenommen wird, dass er im Ausland wiederverwertet wird. Der Rest der Kunststoffabfälle wird thermisch verwertet – landet also in der Verbrennung oder wird als Ersatzbrennstoff in der Industrie eingesetzt.

Doch die Kosten für eine Verbrennung in Deutschland seien hoch, sagt Abfallexperte Wilts – das böte Anreize für Exporte. Viele Anlagen seien stillgelegt worden, weil sie vor drei oder vier Jahren nicht ausgelastet waren. Seither seien die Abfallmengen gestiegen, die Anlagen heute „randvoll“. „Von daher ist es aktuell ziemlich teuer, speziell kurzfristig angefallene Mengen verbrennen zu lassen“, so Wilts. Bei anderen Abfallströmen wie Elektroschrott seien etwa die hier sehr hohen Lohnkosten Grund für Exporte.

Auch die privaten Entsorger in Deutschland wollen mehr Kunststoffe wiederverwerten. Grundsätzlich stünden Exporte diesem Ziel nicht im Wege, so Bernhard Schodrowski, Sprecher des Branchenverbands BDE: „Meist werden die exportierten Materialien ja sortiert und wiederverwertet. Diese Materialien decken in diesen Ländern einen Bedarf an Rohstoffen.“ Ob der Müll illegal exportiert werde, müsse von den Vollzugsbehörden besser kontrolliert werden. Schodrowski sieht die Verantwortung für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft aber auch in der Produktion: „Es geht auch darum, mehr recyceltes Material – Recyclate – in die Produktion zu bringen“, sagt er. Damit die Nachfrage danach etwa für die Herstellung von Verpackungen steige, müsse es neue Anreize geben, auch politisch. „Außerdem müssen die Hersteller besser als bislang darauf achten, gut recycelbare Materialien einzusetzen.“

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