Vor allem die Mülleimer in der Esslinger Altstadt sind zu klein und laufen regelmäßig über. Foto: Ines Rudel

Die meisten Bürger haben es vermutlich selbst schon gemerkt. Die Straßen und Plätze werden immer dreckiger, obwohl immer mehr geputzt wird. Am Montag zog das Grünflächenamt eine niederschmetternde Bilanz.

Esslingen - Der Frust ist groß, nichts hat geholfen. Statt sauberer zu werden, wird Esslingen immer dreckiger. Diese bittere Bilanz musste nun das Grünflächenamt der Stadt ziehen.

Viel hat man versucht. Es wurden Hundekotbehälter aufgestellt und Reinigungsstrecken verbessert, es wurden vermehrt Kehrmaschinen in den Grünanlagen eingesetzt und die Touren optimiert, die Unterführungen wurden öfter gereinigt und die Papierkörbe dort abgebaut, wo sie für Hausmüll benutzt wurden. Natürlich wurde auch mehr kontrolliert. Genützt hat es nichts. Jetzt hat Gebhard Räcke, der Abteilungsleiter im Grünflächenamt im Technischen Ausschuss der Stadt Esslingen, eine niederschmetternde Bilanz gezogen. Seitdem die Aktion „Saubere Stadt“ im Jahr 2010 begonnen hat, ist es immer dreckiger geworden.

Einzig in der Maille wurde es nicht schlimmer

Einzig in der Maille, dem zentralen Park der Stadt, ist der Verschmutzungsgrad zwar nicht geringer geworden,aber immerhin gleich geblieben. Räcke macht dafür den freiwilligen Ordnungsdienst verantwortlich, den der Kultur- und Ordnungsbürgermeister Markus Raab vor einigen Jahren ins Leben gerufen hatte, und der nicht nur nachts die Straßen sicherer macht, sondern auch vielerorts die nächtlichen Partys im Freien mit ihren Müllablagerungen verhindert.

Die Zahl der Reinigungsstunden ist von rund 26 000 Stunden im Jahr 2010 auf rund 31 000 Stunden im Jahr 2017 gestiegen. Weit höher gestiegen sind allerdings die Reinigungskosten, sie kletterten von 1,7 auf 2,3 Millionen Euro, ein Anstieg um 67 Prozent. Gebhard Räcke machte hierfür nicht nur die Lohnkosten und die Inflation verantwortlich, sondern vor allem die steigenden Entsorgungskosten.

Das Grünflächenamt hat allerdings nicht nur quantitative Daten, sondern auch qualitative. Auf einer Skala von 1 bis 20 wird der Verschmutzungsgrad gemessen, und es zeigt sich, dass in Esslingen der Verschmutzungsgrad von 12 Punkten 2010 auf 18 Schmutzpunkte im Jahr 2017 ans untere Ende der Skala gerückt ist. Ein besonderes Problem ist auch der Bahnhofsvorplatz mit seinem hellen Belag.

Größere Mülleimer anschaffen

Die Resignation, die ein Stück weit beim Grünflächenamt zu spüren war, zeigten auch die Stadträte, vor allem bei dem Thema Bewusstseinsbildung: Wer glaube, dass man mit Appellen an die Bürger weiterkomme, die Stadt sauber zu halten, der neige zur Gutgläubigkeit, kommentierte Ulrich Fehrlen, FDP. Dennoch hat das Grünflächenamt Pläne, wie man das Steuer vielleicht doch noch herumreißen kann. Gebhard Räcke schlug vor, für die Altstadt größere Mülleimer anzuschaffen und sie öfter zu leeren. Außerdem müsste wieder verstärkt am Samstag und am Sonntag gekehrt werden. Doch diese neue Sauberkeit gibt es nicht umsonst.

Um all diese Maßnahmen zu verwirklichen, braucht Gebhard Räcke fünf zusätzliche Mitarbeiter. Wilfried Wallbrecht, der Esslinger Baubürgermeister, will nun die Vorschläge aufnehmen und dem Gemeinderat einen Plan vorlegen.

Ein erster kleiner Schritt zur Müllvermeidung soll von März an die Einführung von Pfand-Kaffee-Bechern in der Innenstadt sein. Denn, und da war sich die Ratsrunde einig: Sauberkeit ist ein Stück Lebensqualität.

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