Wo bereits Müll liegt, kommt schnell neuer dazu. Die Stadt will dagegen vorgehen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Der Gemeinderat hat für das Konzept „Sauberes Stuttgart“ mehr Geld bewilligt. Die Bezirksvorsteher haben die Schmuddelecken ihrer Stadtteile benannt. Während es für Birkach, Plieningen und Degerloch eine Liste gibt, heißt es aus Sillenbuch: Fehlanzeige. Wie kann das sein?

Filder - Die Stadt soll sauberer werden. Das ist das Ziel des Konzepts „Sauberes Stuttgart“, welches die Verwaltung im August 2017 vorgestellt hatte. Der Gemeinderat hat bei seinen Haushaltsberatungen im Dezember beschlossen, die Ausgaben für die Stadtreinigung deutlich zu erhöhen. Die Stadt wird bis im Jahr 2023 rund 55 Millionen Euro zusätzlich für die Reinigung von Straßen, Gehwegen, Spielplätzen und Grünflächen investieren, also etwa zehn Millionen Euro pro Jahr zusätzlich. Allein beim Eigenbetrieb Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) sollen 99 zusätzliche Stellen geschaffen werden.

Zum Konzept gehören neben der umfangreicheren Stadtreinigung auch eine verstärkte Prävention, mehr Kontrollen und eine wirksame Öffentlichkeitsarbeit. Zudem sollen die Reinigungsintervalle verkürzt, neue Fahrzeuge eingesetzt sowie größere und mehr Abfallkörbe aufgestellt werden – und zwar nicht nur in der Stadtmitte, sondern in allen Stadtbezirken.

Sillenbuch ist frei von Brennpunkten

Bereits von 2018 an soll das Konzept umgesetzt werden. Am 14. Dezember des vergangenen Jahres gab es ein Treffen mit AWS-Geschäftsführer Thomas Heß, bei dem die anwesenden Bezirksvorsteher gebeten wurden, Schwerpunkte und Müll-Hotspots aus ihren jeweiligen Stadtbezirken bis Mitte Januar der AWS zu melden.

Wenig oder vielmehr überhaupt nichts zu berichten, hat dabei das Sillenbucher Bezirksrathaus. Hans Peter Klein, der stellvertretende Bezirksvorsteher, erklärt auf Nachfrage, dass das Bezirksamt der Stadt keine Orte im Bezirk nennen konnte, die häufig vermüllt seien. „Wenn uns selbst etwas auffällt oder wenn wir von den Bürgern hören, dass irgendwo Abfall herumliegt, melden wir das der Verwaltung“, sagt Klein. Aber es sei nicht so, dass es immer dieselben Plätze betreffe, betont er. Woran es liegt, dass Sillenbuch keine bekannten Schmuddelecken hat, darüber könne er nur spekulieren, sagt Klein. „Vielleicht haben wir etwas weniger Durchgangsverkehr als andere Bezirke, und die Anwohner passen besser auf“, sagt Klein.

Die Degerlocher Bezirksvorsteherin Brigitte Kunath-Scheffold bezeichnet ihren Stadtbezirk ebenfalls als sauber. Einige Schwerpunkte, über die häufiger Klagen aus der Bevölkerung kämen, kann sie allerdings durchaus nennen. „Von Anwohnern des Santiago-de-Chile-Platzes hören wir öfter etwas“, sagt sie. Es ist bekannt, dass der beliebte Aussichtspunkt oberhalb des Stuttgarter Kessels nicht nur Spaziergänger anzieht, die den Panoramablick genießen wollen. Einige nutzen den Platz gerne zum sogenannten Vorglühen. Das bedeutet: Sie konsumieren Alkohol, bevor sie in die Clubs in der Innenstadt weiterziehen. Leere Flaschen und anderer Abfall bleiben oft an Ort und Stelle zurück. Und auch an der Haltestelle „Waldau“ und weniger ausgeprägt entlang der Schulwege im Bezirk und am Agnes-Kneher-Platz werde immer wieder achtlos weggeworfener Abfall gesichtet, berichtet die Bezirksvorsteherin.

Flaschen bleiben zurück

Kunath-Scheffold lobt das Ansinnen der Stadt, für mehr Sauberkeit zu sorgen. Für sie steht fest, dass eine solche Kampagne präventiv wirken kann. „Menschen verhalten sich anders im öffentlichen Raum, wenn es sauber ist, als wenn sie an Schmuddelecken vorbeikommen“, sagt sie. Je genauer die Stadt also hinschaue, desto weniger würden Menschen ermutigt, sich gleichgültig zu verhalten, hofft Kunath-Scheffold.

Die Plieninger und Birkacher Bezirksvorsteherin Andrea Lindel übergibt der Verwaltung indes eine umfangreiche Liste mit Orten, die in den Blick genommen werden sollte. Sie ärgert besonders die Verschmutzung der Grünstreifen entlang der Filderhauptstraße, der Aulendorfer Straße oder im Chausseefeld. „Da kurbeln manche beim Autofahren einfach das Fenster herunter und schmeißen Müll ins Gebüsch. Das lernt doch jedes Kind, dass das nicht geht“, sagt sie. In der Nähe des Plieninger Schützenhauses, der Birkheckenstraße und der Alten Post sollten laut der Liste aus dem Bezirksamt die Mülleimer häufiger geleert werden. Auch die Glascontainer Im Wolfer und an der Osumstraße solle die Verwaltung häufiger von abgestelltem Abfall reinigen, wird gefordert. Neue Müllereimer sollte es laut der Liste aus Birkach und Plieningen am Bolzplatz Dürnauer Weg, an der Riedenberger Straße sowie am Birkacher Osthang an der Haltestelle des Büchereibusses geben.

Lindel erhofft sich ebenso wie ihre Degerlocher Kollegin eine präventive Wirkung von der Kampagne. Sie erwähnt in diesem Zusammenhang die Aktion Let’s putz an Birkacher und Plieninger Schulen. „Die Kinder sind da immer ganz erstaunt, wie Erwachsene die Umwelt verschmutzen. Hoffentlich bewahren sie sich das auch, wenn sie einmal älter werden.“

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