In Mühlhausen am Kreisverkehr kontrolliert die Polizei die Geschwindigkeit herankommender Fahrzeuge (Symbolbild). Foto: Phillip Weingand / STZN

Auf einem Parkplatz bei Mühlhausen zieht die Polizei regelmäßig Geschwindigkeitssünder aus dem Verkehr. Das Tückische: Auf der Bundesstraße, die außerorts verläuft, gilt Tempo 50. Aber warum eigentlich?

Mühlhausen im Täle - Viele Autofahrer kennen die Situation nur zu gut: Die Straße ist frei, die Strecke bekannt, die Gedanken schweifen – und der Fuß auf dem Gaspedal wird schwer. Wer auf der Bundesstraße 466 zwischen Bad Ditzenbach-Gosbach und Mühlhausen im Oberen Filstal zu fest aufs Pedal tritt, für den kann es seit einiger Zeit ganz schön teuer werden. Immer wieder kontrolliert die Polizei die Geschwindigkeit der Fahrzeuge, die in Richtung Mühlhausen unterwegs sind.

„Verstärkt seit Anfang November“, schätzt eine Anwohnerin. „Anfangs haben sie immer donnerstag- und freitagabends kontrolliert.“ Dann sei die Polizei in einer Woche fast jeden Tag dort gestanden. Auch die Einträge in der öffentlichen Facebook-Gruppe „Blitzer im Täle und Umgebung“ belegen den Lasermarathon am Mühlhausener Kreisel. Zuletzt warnte ein Mitglied am 19. November vor einer Kontrolle, ähnliche Hinweise hatte es am 14. und am 10. November sowie am 5. Oktober gegeben. Auch am 11. Dezember wurde offenbar am Kreisverkehr gelasert. Einen entsprechenden Eintrag hierzu gibt es in der Facebook- Gruppe indes nicht.

Das Landratsamt führt Verkehrsschauen durch

Das Tückische: Auf der Bundesstraße gilt – obwohl sie außerhalb der Ortschaften verläuft – bereits rund 500 Meter vor dem Kreisel eine Höchstgeschwindigkeit von Tempo 50. Aber warum eigentlich? „Verkehrszeichen werden dort aufgestellt, wo es nötig ist“, sagt Wolfgang Jürgens, ein Sprecher des Polizeipräsidiums Ulm. „Da gehen lange Verkehrsschauen voraus, deren Ziel es ist herauszufinden, wie der Verkehr sicherer gemacht werden kann.“ Dafür sei aber nicht die Polizei, sondern das Landratsamt zuständig.

Tatsächlich hat die Geschwindigkeitsbegrenzung zunächst einmal nichts mit dem im Jahr 2015 fertiggestellten Kreisverkehr zu tun. Die Regelung sei bereits Ende 2014 wegen der neuen Straße, die für den Bau der Schnellbahntrasse eingerichtet wurde, getroffen worden, teilt Manfred Gottwald vom Straßenverkehrsamt des Landratsamts in Göppingen auf Anfrage unserer Zeitung schriftlich mit. Die Baustraße mündet auf der Höhe der Firma Hans-Herrmann Bosch zwischen Gosbach und Mühlhausen in die B 466. An der entsprechenden Stelle wurde eine Ampel eingerichtet. „Damit verbunden wurde auch die Geschwindigkeit beschränkt.“

Ampel und Kreisverkehr liegen eng zusammen

Laut Gottwald ist aber nicht nur im Einmündungsbereich der Baustraße eine Geschwindigkeitsbegrenzung erforderlich, sondern auch vor dem Kreisverkehr. „Vor Außerortskreisverkehren ist die Geschwindigkeit nach den einschlägigen Richtlinien in aller Regel auf 50 Kilometer pro Stunde beschränkt“, erklärt der Amtsleiter. So auch in Mühlhausen. Das entsprechende Verkehrszeichen sei mindestens 50 Meter vor dem Kreisverkehr, bei schlechter Erkennbarkeit der Verkehrsinsel sogar bis zu 150 Meter vorher aufzustellen. In Mühlhausen ist das anders: Weil die Ampel an der Baustraße und der Kreisverkehr räumlich eng zusammenlägen, sei eine gleichbleibende Geschwindigkeitsregelung vorgenommen worden.

Wie schnell die Fahrzeuge im Bereich der Ampel fahren, kann die Polizei mit ihren Geschwindigkeitskontrollen am Kreisverkehr nicht erfassen. Denn: Die Ampel liegt hinter der Autobahnbrücke und damit außerhalb des Sichtfelds. Stattdessen entscheidet die Geschwindigkeit, die zwischen der Ampel und dem Kreisverkehr auf dem Tacho steht, über eine unbehelligte Weiterfahrt oder das Entrichten eines Bußgelds.

Raser werden sofort aus dem Verkehr gezogen

„Rund um die Uhr sind Polizeibeamte im Einsatz. Sie haben den Auftrag, Kontrollen durchzuführen, und machen das auch“, sagt Polizeisprecher Jürgens. Wann und wo das geschehe, entschieden die Kollegen selbst. Laut Jürgens eignet sich die Kon­trolle in Mühlhausen aber nicht nur wegen der Gefahrenstelle Kreisverkehr, sondern auch deshalb, weil die Geschwindigkeitssünder dort sofort aus dem Verkehr gezogen werden können. „Würden wir auf einer schmalen Landstraße kontrollieren und dadurch den Verkehr blockieren, dann würden wir ja selbst eine Gefahrenstelle schaffen“, erklärt er.

Am Mühlhausener Kreisverkehr besteht diese Gefahr nicht. Raser werden direkt nach der Kontrolle an der Ausfahrt des Discounters Netto ausgeleitet und stören den Verkehr nicht.

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