Knisterndes Feuer, gutes Essen und viel Wald: Das ist die Mühlenweihnacht. Foto: Michael Steinert

Die Mühlenweihnacht in der Glattenzainbachmühle ist ein Adventsmarkt der besonderen Art. Vorweihnachtsstress und Shoppingwahn sucht man vergebens – dafür findet man hier etwas anderes.

Murrhardt - Autofahren ist nicht: Wer zur Mühlenweihnacht in Murrhardt-Kirchenkirnberg will, muss die letzten paar hundert Meter zu Fuß gehen. Aber schon der Spaziergang lohnt sich: Gesäumt von unzähligen Lichtern, führt der Weg scheinbar ins Nirgendwo. Doch am Ziel, der Glattenzainbachmühle, tobt das Adventsleben. Zwischen den Ständen hört man Stimmengewirr, in Feuertöpfen lodern Flammen und verbreiten urige Stimmung.

Die Mühle selbst, die im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt wurde, beherbergt heute unter anderem die „Naturwerkstatt“, in der seit 2016 die beiden Floristinnen Anja Hübner und Nadja Voß arbeiten. Im Inneren warten ausgefallene Dekoartikel aus Holz und Reisig, selbst gemachte Liköre und Ohrringe im Weihnachtskugel-Look.

Bewusst wenige Einkaufsmöglichkeiten bei der Waldweihnacht

Mittendrin, mit grüner Nikolausmütze auf dem Kopf, steht Nadja Voß. Geduldig wartet sie ab, wie eine kleine, mit Deko-Objekten beladene Kundin kupferne Münzen aus ihrem Portemonnaie zusammenkratzt. Die freilich nicht reichen. „Opa, hast du mir 13 Euro?“, ruft das Mädchen. Hat er angesichts solcher Unikate natürlich, die Menschen in der Warteschlange hinter dem Mädchen schmunzeln. Von Vorweihnachtshektik keine Spur hier im Wald.

Die Werkstatt ist die einzige Einkaufsmöglichkeit bei der Waldweihnacht. Das sei bewusst so, erklärt einer der Organisatoren, der Naturparkführer Walter Hieber: „Wir wollen hier ein Gegengewicht zum Kommerz bilden.“ Die Mühlenweihnacht, die es seit vier Jahren gibt, sei kein klassischer Weihnachtsmarkt: So gebe es nur regionale Speisen wie das Murrhardter Galloway-Gulasch.

Viel weihnachtlicher kann es beim Weihnachtsmann zuhause auch nicht sein

Und außerdem können Kinder an jeder Ecke bei irgendetwas mitmachen. Über dem Feuer Stockbrot backen hier, Weihnachtsmannkegeln und Sterne filzen dort. Abends gibt es unter anderem Lesungen und Alphornbläser, eine Feuershow und eine Gutsleswanderung. Die Schwäbische Waldfee Mariel Knödler, offizielle Botschafterin der Fremdenverkehrsgemeinschaft, schaut ebenso vorbei wie ihr inoffizielles, von einer Facebook-Gruppe gewähltes männliches Pendant, der „Waldschrat“ Sven Vollbrecht.

Das Einzige, was am Samstag noch fehlt, ist ein Rentierschlitten – und natürlich Schnee. Zumindest mit letzterem wird es dann am Sonntag etwas. Und wer weiß, vielleicht hat auch der Weinachtsmann inkognito­ vorbeigeschaut. Viel weihnachtlicher kann es bei ihm zuhause eigentlich auch nicht zugehen.

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