Zum Deutschen Mühlentag öffnen neun Mühlen im Schwäbischen Wald ihre Türen. Am Pfingstmontag laden sie zu Führungen und Zeitreisen ein – für Familien, Technikfans und Neugierige.
Wenn sich am Pfingstmontag, 9. Juni, wieder die Mühlräder drehen, ist das kein alltägliches Schauspiel – zumindest nicht für Besucher. Denn der Deutsche Mühlentag lädt zum 30. Mal dazu ein, mehr als 1000 historische Mühlen im ganzen Land zu entdecken. Im Rems-Murr-Kreis beteiligen sich neun Standorte, acht davon liegen entlang der Mühlenwanderwege im Schwäbischen Wald.
Ölmühle Michelau: Historisches Highlight zum Mühlentag
Im Mittelpunkt steht diesmal die Ölmühle Michelau, die 1754 erbaut wurde und als älteste Ölmühle Baden-Württembergs gilt. Dort wird der Mühlentag offiziell um 11 Uhr eröffnet – passend zum 50-jährigen Bestehen der Gemeinde Rudersberg. Technikbegeisterte können das kleine Museum im Erdgeschoss und die Ausstellung zur Leinenherstellung auf dem Dachboden besichtigen. Kinder dürfen sich auf ein buntes Rahmenprogramm rund um Spielplatz und Schaugarten freuen, für Bewirtung sorgt der Mühlenkiosk, parallel läuft das Fleckenfest der Dorfgemeinschaft.
An vier Mühlenstandorten beginnt der Tag bereits um 10 Uhr mit einem ökumenischen Freiluft-Gottesdienst. Um 11 Uhr öffnen alle Mühlen ihre Türen für Führungen, Vorführungen und kulinarische Angebote.
Das bietet jede Mühle:
Brandhofer Öl- und Sägmühle (Gschwend): Technik in Aktion
Die 1836 erbaute Mühle kombiniert Sägewerk, Haferstampfe und Ölpresse – alles wird am Mühlentag in Betrieb gezeigt. Führungen durch die Mühle, Vorführungen von Sägegatter, Haferstampfe und Ölpressstock. Bewirtung durch die Schlepperfreunde Gschwend mit Steak, Roter Wurst, Currywurst, Pommes sowie Kaffee und Kuchen.
Hagmühle (Pfahlbronn): Backkunst aus dem Holzofen
Erstmals 1417 erwähnt, war die Hagmühle in Pfahlbronn bis 1975 als Getreidemühle in Betrieb. Heute bewahrt sie ihr historisches Flair. Ökumenischer Gottesdienst im Grünen um 10 Uhr. Im historischen Holzbackofen werden traditionell gebackene Salzkuchen (Blooz) angeboten. Außerdem gibt es hauchdünn belegte Pizzen mit verschiedenen Zutaten.
Heinlesmühle (Alfdorf): Zwei Wasserräder, ein Ensemble
Die im 12. Jahrhundert erbaute Heinlesmühle in Alfdorf ist eine kombinierte Mahl- und Sägemühle. Der imposante Fachwerkbau besitzt als einzige Mühle am Mühlenwanderweg noch zwei Wasserräder. Das erforderliche Wasser wird über einen langen Mühlkanal von der Schwarzen Rot herangeführt. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war die Mühle zeitweise Schultheißerei für Vordersteinenberg und außerdem renommierte Schildwirtschaft. Bewirtung durch die Mühleneigentümer.
Hummelgautsche (Vordersteinenberg): Mittelalterliche Sägetechnik
Die mittelalterliche Sägemühle wurde 1973 renoviert und zeigt heute traditionelle Holzbearbeitung. Programm: Führung und Vorführung der Sägemühle. Bewirtung durch den Kindergarten Vordersteinenberg mit Wildwürsten, Roten Würsten, Broten mit verschiedenen Aufstrichen, Getränken, Kuchen und Kaffee. Kinderspielplatz, bei schönem Wetter ist Spielen im Bach möglich.
Menzlesmühle (Kaisersbach): Geschichtsträchtiges Kleinod
Die Menzlesmühle zwischen Kaisersbach und Gschwend wurde einst von vier Wasserrädern angetrieben. 1305 wurde sie erstmals als „Cronmühle“ erwähnt und nach einem Brand 1721 neu aufgebaut. Programm: Führungen durch die Mahlstube. Ökumenischer Gottesdienst im Grünen um 10 Uhr. Bewirtung.
Meuschenmühle (Rienharz): Größtes Wasserrad im Schwäbischen Wald
Die Meuschenmühle in Rienharz besitzt das größte Wasserrad im Schwäbischen Wald (7,87 Meter) und wurde 1553 als „Nibelgaumühle“ erwähnt. Programm: Führungen durch die Mahlstube mit originaler Technik. Bewirtung durch die Mühleneigentümer mit Fränkischen Bratwürsten, Schmalz- und Frischkäse-Schnittlauch-Brot sowie mit im eigenen Holzbackofen gebackenem Brot, Getränke, Eis, Kuchen und Kaffee. Kinderprogramm mit Bastelangebot und Lagerfeuer mit Stockbrot.
Ölmühle Michelau (Rudersberg): Die älteste Ölmühle des Landes
Die Ölmühle Michelau ist die älteste Ölmühle Baden-Württembergs, sie wurde 1754 erbaut und in den 1980er Jahren renoviert. Programm: Eröffnung des Mühlentags um 11 Uhr. Besichtigung der Ölmühle, Museum zur Leinenherstellung, Schaugarten, Kinderspielplatz. Bewirtung durch Mühlenkiosk und parallel laufendes Fleckenfest.
Seemühle (Unterweissach): Vom Fischweiher zur Familienmühle
Die heutige Seemühle in Weissach im Tal kann auf eine Tradition blicken, die bis in die Jahre zwischen 1230 und 1245 zurückreicht. Ihren Namen hat sie von einem See, der schon längst nicht mehr existiert. Heute liefert die Seemühle keinen Fisch mehr, aber Mehle von bester Weizenqualität, die im Mühlenladen verkauft werden. Programm: Führungen, der Mühlenladen ist geöffnet und es gibt Bewirtung durch Mühleneigentümer sowie den Backnanger Karnevals-Club mit Roter Wurst, Currywurst, Pommes, Steak, Burger. Programm: Ponyreiten, Kinderschminken und Hüpfburg, altertümliche Vorführungen durch Veteranen-Club Bretzenacker. Bereits am Samstagabend: Livemusik mit der Partyband „Sicherheitshalbe“, Sonntag ist Familientag mit 90er-Party (DJ) am Abend.
Voggenbergmühle (Alfdorf): Tradition trifft moderne Technik
Die ursprüngliche Mahlmühle wurde mit dem Wasser der Rot betrieben. Spätestens im Jahr 1524 gehörten die Mühle und der Weiler Voggenberg dem Kloster Adelberg. Heute ist die Mühle noch immer als Getreidemühle in Betrieb. Das Mühlrad fehlt jedoch, diese Arbeit übernimmt eine moderne Turbine. Programm: Mühlenbesichtigung. Ökumenischer Gottesdienst im Grünen um 10 Uhr. Bewirtung.
Ergänzend lohnt sich ein Besuch im Museum Welzheim an der Pfarrstraße 8 (www.museumwelzheim.de) mit seiner Mühlenausstellung. Wanderfreunde finden auf mehreren Rundwegen passende Routen zu den Mühlen, darunter auch kinderwagentaugliche Strecken. Weitere Infos gibt es unter www.schwaebischerwald.com.