Wo eine Mühle war, ist für 27,5 Millionen Euro ein Bau für das Leben im Alter entstanden. Erste Bewohner können bald einziehen. Pflegekosten? „Vergleichbar mit anderen Einrichtungen“.
Nach jahrelangen Planungen, Vorarbeiten und Bautätigkeiten werden in wenigen Wochen erste Bewohner in die Mühlen-Residenz einziehen. Einige feiern vielleicht sogar schon Weihnachten im neuen Zuhause. Wo früher die Sessler-Mühle stand, bei der die Landwirte ihr Getreide mahlen ließen, und ein Mühlenladen samt Café viele Besucher anlockte, leben künftig in einem großen, neuen Gebäudekomplex Senioren und Menschen mit Pflegebedarf.
Der Betreiber, die MeVita Pflegedienst GmbH mit Sitz in Baden-Baden, sowie der Investor und Bauträger, die Firma Schweizer Immoprojekt aus Gerlingen, stellten jetzt zusammen mit der Bürgermeisterin Melanie Hettmer das neue Angebot für ein Leben im Alter vor.
Alle Wohnungen sind barrierefrei und haben Notrufsysteme
An der Mühlgasse zwischen Rankbach, Friedhof und Aussiedlerhof am Stadtrand gelegen, ist anstelle der 2021 abgerissenen Mühle ein fünfstöckiges Gebäude mit 4700 Quadratmeter Wohnfläche und 49 Tiefgaragen-Stellplätzen entstanden. 27,5 Millionen Euro hat der Gerlinger Bauträger dafür investiert. Der Komplex bietet Platz für 55 Wohnungen – davon 47 Mehrzimmerwohnungen und acht Ein-Zimmer-Appartements. Alle sind barrierefrei und mit Notrufsystemen ausgestattet. Einziehen kann, wer mindestens 60 Jahre ist oder einen Pflegegrad hat.
Wie groß das Interesse an dem neuen Angebot ist, zeigt, dass bereits 2023 der Großteil der Wohnungen verkauft war. Lediglich einige Ein-Zimmer-Wohnungen sind laut Marcus Ziegler, Geschäftsführer der Schweizer Immoprojekt, noch zu haben.
Mühlen-Residenz: Das alltägliche Leben soll im Vordergrund stehen
„Unser Angebot soll die bestehende Versorgungsstruktur in der Kommune ergänzen und stärken“, sagte Paul Hnas, der Geschäftsführer von MeVita Pflegedienst. „Bei uns liegt der Fokus auf Wohnen und Leben, die Pflege ist eine Ergänzung.“ So gibt es in einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft Platz für acht pflegebedürftige Menschen mit Rund-um-die-Uhr-Betreuung, wobei die Bewohner jeweils in einem eigenen, 34 Quadratmeter großen Appartement leben. Dort soll das alltägliche Leben und nicht die Pflege im Vordergrund stehen.
Dieses Angebot als Alternative zum klassischen Pflegeheim schließe in Renningen ebenso eine Lücke wie die neue Tagespflege von Montag bis Freitag, für die 15 Plätze in der Mühlen-Residenz vorgesehen sind und die ganz oben auf der Wunschliste der Stadt Renningen gestanden sei. Ergänzt werden die Wohnmöglichkeiten durch Gemeinschaftsräume und eine Caféteria.
Der MeVita Pflegedienst rechnet damit, dass für den Betrieb der Mühlen-Residenz etwa 18 bis 22 Vollzeitstellen benötigt werden, von denen allerdings Pflegefachkräfte den kleineren Teil ausmachen. Gleichzeitig wird die enge Zusammenarbeit mit der Sozialstation der Stadt Renningen betont. „Wir sind eine der wenigen Kommunen, die eine rein kommunale Sozialstation haben“, erklärte die städtische Abteilungsleiterin Soziales und Senioren, Melanie Peragine. „Wir versorgen mit 28 Mitarbeitenden täglich etwa 200 Kundinnen und Kunden.“ Dies könne auch fortgeführt werden, wenn die Kunden in die Mühlen-Residenz ziehen oder in die dortige Tagespflege gehen.
Bürgermeisterin zur Residenz: „Ein rundes, sehr attraktives Angebot“
Noch bis Ende dieses Jahres will der Pflegedienstleister, der bereits ähnliche Einrichtungen in Waldenbuch, Tuttlingen und Gailingen betreibt, die gemeinschaftlich genutzten Räume möblieren. Dann können in den ersten Wochen des neuen Jahres die Bewohner nach und nach einziehen. „Wir wollen ein Teil der Gemeinde sein“, sagte Paul Hnas, der auch die künftige Hausleiterin Sonja Duhatschek vorstellte. Bei Anfragen würde man erst einmal schauen, ob jemand aus der Stadt dabei sei.
Für die Bürgermeisterin Melanie Hettmer, die dieses Projekt von ihrem Vorgänger Wolfgang Faißt übernommen hat, ist die Mühlen-Residenz „in der Summe ein rundes, sehr attraktives Angebot“. Man erwarte eine gute Zusammenarbeit, auch mit der Sozialstation der Stadt, so Hettmer. In der Stadt gibt es bereits zwei vom Roten Kreuz betriebene Pflegeeinrichtungen: das Haus am Rankbach in Renningen und das Haus am Pfarrgarten in Malmsheim mit zusammen 110 Plätzen.
Wie sieht es mit den Kosten für die Pflege aus?
Auf die Frage nach den Kosten für die Bewohner in der großzügig gestalteten Mühlen-Residenz versicherte Paul Hnas, die Aufwendungen für die Pflege seien vergleichbar mit anderen Einrichtungen. Alle Preise seien mit der Heimaufsicht und dem Dachverband abgestimmt. Zu konkreten Kosten für das Wohnen wurden aber keine Angaben gemacht.