Der Sendergarten von Nonnenmann Garten- und Landschaftsbau mit einer Plastik von Chong-Im Neukamm. Foto: Bross-Winkler Foto:  

Wir schaffen Platz für Freud und Leid im Garten und der Natur. Heute empfiehlt Ihnen Barbara Bross-Winkler wärmstens, einmal die Gartenschau in Mühlacker zu besuchen. Es lohnt sich wirklich! -

Mühlacker - Mir hat das Sitzkissen gefallen, und das Muster auch“, schwärmt eine gewisse Jana, während Julian schreibt: „Der Elefant war toll“. Ich schließe mich dem Gästebucheintrag von Renninger Besuchern an, die die Gartenschau „sehr schön, sehr beeindruckend, sehr informativ“ fanden oder „Gabi & Co.“, die feststellen: „Viel zu schön für einen Tag!“

Bis Mitte September lädt Mühlacker Besucher ein, die Gartenschau „Enzgärten“ zu besuchen. Wenn das Großereignis am 13. September mit einer Abschlussparty im Stil von Dieter Thomas Kuhn zu Ende geht, liegt ein 128 Tage währendes Gartenfest hinter der Stadt an der Enz. Wie alle Städte, die Gartenschauen veranstaltet haben, wird auch die 25 000-Einwohner-Stadt Mühlacker langfristig davon profitieren: Die neue, zehn Hektar große grüne Mitte, die Freizeit- und Grünanlagen, die hier zwischen Mühlacker und Dürrmenz entstanden sind, verbinden beide Stadtteile auch in Zukunft und werten sie enorm auf.

Lebensqualität soll verbessert werden

Bis vor wenigen Jahren dachte ich ja ganz naiv, Gartenschauen seien vor allem dazu da, tolles Geblümel, wundervolle Beete, besondere Stauden und ein paar sensationelle Gartenbeispiele oder so zu zeigen – all das gibt es zuhauf in Mühlacker. Spätestens seit dem vergangenen Jahr, als ich Ihnen von der Landesgartenschau in Schwäbisch Gmünd berichtet hatte, weiß ich es besser: Durch Gartenschauen soll die Lebensqualität in den ausrichtenden Städten dauerhaft verbessert werden – weswegen Gartenschauen gar nicht unbedingt in eh schon tollen Städten stattfinden, sondern auch und gerade in Orten, die entwicklungsbedürftig sind.

Die Mühlacker Schau ist deutlich überschaubarer und kleiner als jene in Schwäbisch Gmünd. Doch das, belehrte mich die Gartenschau-Mitarbeiterin Stefanie Hauler, liegt schlicht daran, dass seit 2000 in Baden-Württemberg große Landesgartenschauen wie jene in Schwäbisch Gmünd nur noch alle zwei Jahre stattfinden. In den Jahren dazwischen gibt es die kleineren „Grünprojekte“. Mit dem Wort „Grünprojekt“ war man in Mühlacker aber nicht glücklich. „Bei dem Wort denken die Leute doch, man habe vor dem Rathaus eben mal ein Beet bepflanzt“, erklärt die Gartenschau-Pressesprecherin Sabine Klotzbücher.

Den Besuchern kann all das egal sein, denn die Mühlacker-Schau bietet definitiv mehr, als man an einem Tag wirklich anschauen könnte. Natürlich haben mich wieder wundervoll bepflanzte Beete beeindruckt. Zwei der Superstars sind heuer die duftig-flirrende Gaura lindheimeri und die violette, „hochbeinige“ Verbena bonariensis. Aber ich habe auch Neuentdeckungen gemacht. Das Blaue Halskraut (Trachelium caeruleum) etwa habe ich noch nie bewusst irgendwo gesehen und konnte mein frisch erworbenes Wissen gleich an eine andere Halskraut-Bewunderin weitergeben.

Ausgezeichnet gefallen haben mir auch die Kakteenterrassen. Wo einst eine Zierpflanzengärtnerei stand, sind nun Teufelsstachel und Keulenkaktus sowie Sukkulenten wie Agaven in schillernden blauen Glaskugeln untergebracht. Eindrucksvoll auch der Recyclinggarten. In dem kann man es sich auf zersägten und neu zusammengesetzten Paletten-Gartenmöbeln bequem machen und von dort aus die ungewöhnliche Deko aus bunten Flaschen auf Biegestahl betrachten.

Wo anfangen, wo aufhören? In der Gartenschau locken Spielplätze und ein Skaterpark, es gibt einen Rosengarten und auf der renaturierten Enz sind Floristen-Kunstwerke vor Anker gegangen. Man kann sich über die einheimischen Fische, die Honigbiene, Hochbeete, aber auch Grabbepflanzungen informieren. Auf einem Experimentierfeld alten und neuen Kulturpflanzen wie dem Schwarzen Emmer beim Wachsen zusehen. Sich im Eichenreich über die rund 1000 Insekten wundern, die in diesem Baum leben können. Sich an wunderschönen, perfekten Naturfotografien von Fröschen, Libellen oder Blüten erfreuen.

Eine einzige große Familienattraktion

Oder, wie ich, dreimal die sensationellen Schaugärten umrunden und sich dabei fragen, welchen der Gärten man am liebsten geschenkt hätte – alle. Kinder können in der Enz planschen oder das feuchte Element am Fontänenplatz genießen. Überhaupt scheint die Mühlacker Gartenschau eine einzige große Familienattraktion zu sein. Jeden Tag locken zig Veranstaltungen, von der Schnitzeljagd übers Brötchen backen für Kinder, Konzerte, Vorträge, Qi Gong bis hin zu Autorenlesungen, Tanzabenden, Musicals. Alle Informationen dazu findet man auf www.gartenschau-muehlacker.de.

Mein Tipp: unbedingt hingehen. Das Wetter wird nicht besser. Hier locken ganz in der Nähe Flora und Fauna, Kunst und Kultur, Schönheit und Unterhaltung – und abends eine ganz besondere Stimmung, sagt die Gartenschau-Mitarbeiterin Stefanie Hertel. Bis Montag hatten all das schon 340 000 Besucher kapiert. Die Gartenschau „Enzgärten“ verdient aber mehr. Sie ist richtig seh-enz-wert!

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