Der Mann in der Lederjacke hat es noch drauf: Lenny Kravitz hat am Samstagabend die Schleyer-Halle in Stuttgart gerockt. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Lenny Kravitz war der Star der 1990er zwischen Rock und Soul. Nun ist der frisch gebackene "Mann des Jahres" 50 Jahre alt und reißt die 9000 Fans in der Stuttgarter Schleyer-Halle immer noch mit.

Stuttgart - Er hält seine Gitarre hoch, ein Mann mit Lederjackett und Sonnenbrille in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle, er spielt die alten Stücke, er spielt die neuen, lässt sie lange, tanzbar ausufern: Lenny Kravitz war der Star der 1990er zwischen Rock und Soul, er ist nun 50 Jahre alt, trägt auf T-Shirts noch immer gerne Waschbrettbauch und reißt zuletzt 9000 Menschen am Samstagabend mit..

Sein neues Album „Strut“ erschien im September, es schließt ganz an seine erfolgreichen Vorgänger an, ist gespickt mit knackigen Gitarrenriffs – auf der Bühne fügt sich bruchlos eines zum andren. Für Kravitz' Fans kehren die alten Zeiten wieder, als der als der New Yorker gleich zu Beginn seine Brücke schlägt von der Gegenwart in die Vergangenheit und hin zu seinen Vorbildern: „Dirty white Boots“ vom neuen Album kommt schmutzig, lasziv daher, „American Woman“ ist die Coverversion des Abends, im Original von „The Guess Who“ - und „It ain't over till it's over“ ist sein eigener Superhit aus dem Jahr 1991.

Lenny Kravitz spielt auf einer Bühne, die halbrund in die Hanns-Martin-Schleyer-Halle hineinreicht, in seinem Rücken eine leicht gewölbte Wand, die in sattem Rot strahlen oder ein Spielplatz irrlichternder Farbspiele sein kann, zu den Seiten, am Boden und weit droben Batterien aus weißem Licht – eine dezente, stilbewusste Show, ein genau kalkulierter, ausgefeilter Auftritt.

In Kavitz' Band spielen Saxofone, eine Trompete, ein hervorragender Gitarrist – allmählich erst treten die Musiker aus dem diskreten Dunkel hervor, Mittelpunkt der Dramaturgie bleibt aber stets der Mann in Schwarz, der zu fast jedem Song sein eigenes kühles Solo beisteuert. „Sister“ beginnt mit Kravitz, der alleine mit seiner akustischen Gitarre im Lichtkegel steht, und wächst sich aus zu einer emotionalen Soul-Oper, aus „Always on the Run“ wird ein langes Gefecht der Instrumente, bei „Let Love Rule“ bringt Lenny Kravitz Stuttgart den Gesang bei – ein Abend, der noch etwas distanziert begann, kommt näher, nun wird gefeiert.

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