Seit 2021 werben Freizeitsportler für legale Mountainbike-Strecken durch den Filderstädter Wald. Lange Zeit wurde geprüft, nun aber ist das Projekt gescheitert.
Janick Neundorf mag nicht mehr. Die Luft ist raus. „Mein privates Engagement habe ich jetzt eingestellt. Mir als privater Bürger fehlen die Hebel“, sagt der 33-Jährige aus Bonlanden. Gut zwei Jahre lang hat er sich fürs Thema Mountainbike-Trails in Filderstadt starkgemacht, eine Petition gestartet, mit dem Jugendgemeinderat eng kooperiert und der Verwaltung einen ganzen Schwung an potenziellen Routen vorgeschlagen, die Freizeitsportler nehmen könnten. Nun aber, nach mehreren Prüfungsrunden, ist das Thema gescheitert. In Filderstadt wird es in absehbarer Zeit keine Strecke geben, auf der Mountainbiker legal querfeldein durch den Wald fahren können. Die Stadtverwaltung habe ihm mitgeteilt, dass sie ein angedachtes Gutachten zum Thema gar nicht erst in Auftrag geben werde – mangels Erfolgsaussichten. „Frustration ist sicherlich dabei. Ich finde es schade, man hätte als Stadt mit den Mountainbikern etwas schaffen können“, sagt Janick Neundorf.
Im Mai war das Thema noch mal im Technischen Gemeinderatsausschuss aufgeschlagen. Anlass: ein Antrag des Jugendgemeinderats auf Einrichtung eines Trails. Schon da war aber angeklungen, dass alles unter keinem guten Stern steht, denn von sieben möglichen Routenführungen auf Filderstädter Gemarkung, die Janick Neundorf einst vorgeschlagen hatte, war nur noch eine übrig gewesen, und zwar von der Gutenhalde bis zum Bombachtal. Die anderen waren eine nach der anderen aus naturschutz- und forstrechtlichen Gründen aussortiert worden, und auch von der letzten verbliebenen Strecke versprach man sich wenig. Zum einen, weil sie wegen fehlender Attraktivität wohl kaum angenommen würde, und zum anderen auch hier wieder wegen drohender naturschutzrechtlicher Konflikte, erklärt Sandra Gmehling, die Leiterin des Baurechts- und Bauverwaltungsamts. Eine Expertin aus dem Stadtplanungsamt habe eine Voreinschätzung vorgenommen und ein hohes Schutzpotenzial von Tieren und Pflanzen identifiziert. Sprich: Nähere Untersuchungen, die schnell mal ein paar Tausend Euro kosten können, spart man sich tatsächlich. Janick Neundorf wiederum findet, dass sich die Stadt „zu einfach aus der Misere“ zieht.
Die großen Hürden sind die naturschutzrechtlichen Belange
Sandra Gmehling hat dem Jugendgemeinderat im Juni ihre Sicht der Dinge erläutert. Auch in ihren Augen ist das Thema Mountainbike-Trails erst mal passé. Sie betont zwar, Janick Neundorf könne jederzeit neue Alternativen vorschlagen, sie bezweifelt aber, dass es überhaupt noch Potenzial gibt. „Sieben Flächen im Filderstädter Wald zu finden, ist schon eine Menge gewesen“, sagt sie. „Die großen Hürden sind die naturschutzrechtlichen Belange. Wir stoßen halt an unsere Grenzen.“ Auch sie ist mit dem Scheitern des Projekts nicht glücklich. „Wir verstehen das Anliegen und wollen das positiv begleiten.“ Bei der Stadt habe man sich durch die Ausweisung einer legalen Strecke zudem erhofft, den illegalen Mountainbike-Verkehr kanalisieren zu können. Den gibt es nach ihrer Aussage zuhauf. „Es fahren viele illegal“, sagt sie, der Revierförster sei regelmäßig damit beschäftigt, Schanzen wieder abzubauen. „Wenn da was passiert“, gibt Sandra Gmehling zu denken.
Was weiterhin besteht, ist die Möglichkeit des Anschlusses der Stadt an ein kreisweites Trail-Netz. Zwischenzeitlich wurde nämlich auf Landkreisebene von der Wirtschaftsförderung ein Projekt initiiert, das zum Ziel hat, ein attraktives überregionales Streckenangebot zu schaffen und bestehende Angebote zu vernetzen. Die Kommunen sind in die Planungen eingebunden, und Sandra Gmehling betont, dass Filderstadt sich daran weiterhin beteiligen wird. Gleichzeitig spricht sie aber von Zukunftsmusik. Das letzte Treffen habe im Winter stattgefunden, „seither hat man nichts mehr gehört“, stellt sie klar. Wenn sich da etwas tue, dann allenfalls langfristig.
Trails in der Region
Stuttgart
Rund um Filderstadt gibt es legale Mountainbike-Trails beziehungsweise Planungen. In Stuttgart wurden im Frühjahr drei Pfade in Botnang und Kaltental geöffnet. Vereine haben Patenschaften übernommen. Zudem gibt es den gut einen Kilometer langen Woodpecker-Trail in Degerloch mit 27 Hindernissen.
Region
In Leinfelden-Echterdingen wird das Thema im Stettener Forst vorangetrieben. Eine Arbeitsgruppe wurde gebildet, in der Biker, Forst, Naturschutz, Jagd oder auch Albverein kooperieren. Die Vorabstimmungen mit den Genehmigungs- und Naturschutzbehörden laufen, an einem Betreiberkonzept wird gearbeitet. In Waldenbuch wiederum gibt es seit Anfang des Jahres die Genehmigung zum Anlegen eines Trails im Gebiet „Am Weilerberg“. Erste Arbeiten haben begonnen. Mit der Fertigstellung wird bis Herbst/Winter, spätestens Frühjahr 2024 gerechnet.