Johann Werschall mit seinem geliebten Opel C-Kadett GTE. Foto: Sascha Sauer

Johann Werschall hat 1971 den Motorsportverein RTC Fellbach gegründet. Das Rallye-Urgestein ist viele Jahre über Asphalt und Schotter gedonnert. Jetzt hat er sein Amt als Vorsitzender freiwillig abgegeben.

Fellbach - Den Opel C-Kadett GTE hat er gefahren, bis er ihm unter dem Hintern weggerostet ist, erzählt Johann Werschall. Kein Wunder, schließlich hatte das 115 PS starke Auto dem früheren Rallyefahrer viele Pokale beschert.

Werschall ist der Vereinsgründer vom RTC Fellbach. Viele Jahre ist er über Asphalt und Schotter gedonnert. Seinen ersten Pokal hat er 1963 geholt, den letzten 1995. „Samstags sind wir Rallye gefahren, und wenn das Auto sonntags noch ganz war, dann auch Slalom“, sagt der 70-Jährige. Damals sei man noch mit dem selben Wagen an den Start gegangen, mit dem man unter der Woche zur Arbeit fuhr. Heute ist das anders. „90 Prozent der Leute bringen ihr Auto mit dem Hänger zu den Rennen.“

Die Vereinsgründung in Fellbach ist ein Zufall

Werschall lebt schon immer in Esslingen. Dass der Verein in Fellbach gegründet wurde, ist ein Zufall. Wie es dazu kam, erzählt der Senior in einer Geschichte. In dieser fahren er und seine Kumpels auf Kreidler-Mopeds durchs Stuttgarter Umland. Ihr Treffpunkt ist eine Kneipe in Untertürkheim. Dort kommt Werschall eines Tages mit dem Vorsitzenden des Motorsportclubs Obertürkheim ins Gespräch. Kurz darauf sind er und 17 seiner Kumpels Mitglieder in dem Verein.

Doch bald gibt es Knatsch. „Wir wollten Slaloms veranstalten, die älteren Mitglieder aber nicht“, erzählt der Esslinger. „Da haben wir beschlossen, unseren eigenen Verein zu gründen.“ Und weil Fellbach der einzige größere Ort im näheren Umkreis von Stuttgart war, der noch keinen Motorsportclub hatte, fiel das Los auf die Stadt unter dem Kappelberg.

Eine Schürfwunde ist die schlimmste Verletzung

Der RTC Fellbach wurde am 28. Januar 1971 unter dem Dachverband ADAC gegründet. Zu dieser Zeit war Werschall mit seinem geliebten Opel C-Kadett am Start. Er hatte sogar extra einen Käfig einbauen lassen, damit das Dach heil bleibt, wenn sich das Auto mal überschlagen sollte. „Gott sei Dank gab es bei uns nie einen schweren Unfall“, sagt der Vereinsgründer. Seine schlimmste Verletzung? Eine Schürfwunde am Finger.

In den ersten Jahren legten die Rallyefahrer ihre Autos tiefer und verpassten ihnen härtere Stoßdämpfer. „Meist haben wir abgefahrene Reifen aufgezogen, um die neueren zu schonen“, erzählt Werschall. Seit den 1990er-Jahren werden die Fahrzeuge auch zusätzlich frisiert, und statt Einspritzer werden Vergaser eingebaut.

Immer einen Tick zu vorsichtig

Am erfolgreichsten sei er aber als Beifahrer gewesen, sagt Werschall. Das habe auch daran gelegen, dass er immer einen Tick zu vorsichtig gefahren sei. „Ich konnte meine Autos nicht selbst reparieren, da wurden Dellen schnell eine teure Angelegenheit für mich.“ Weil heute kaum noch Rallyes in der Region genehmigt werden, gehen die RTC-Mitglieder nur noch in Calw, Schwäbisch Gmünd und Öhringen an den Start. Trainiert wird auf dem ADAC-Übungsplatz in Asperg bei Ludwigsburg. In Fellbach finden nur die Clubabende statt.

Nach 45 Jahren hat Johann Werschall sein Amt als Vorsitzender freiwillig abgegeben. Der Verein, den er vor ebenso vielen Jahren in Leben gerufen hat, zählt mittlerweile 65 Mitglieder. Jetzt möchte sich der 70-Jährige anderen Dingen wie seinen Briefmarken stärker widmen. Doch die Zeit mit seinem Opel C-Kadett GTE ist ihm unvergesslich. Heute erinnert noch ein Miniaturmodell hinter Plexiglas im Maßstab 1:24 an seine Zeit als Rallyefahrer.

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