Der Profi-Rennfahrer aus Wernau hat in diesem Jahr schon seinen ersten Triumph gefeiert, einen Schreckmoment erlebt – und freut sich auf die USA.
Auch daheim in Wernau werden sie aufgeschreckt sein, denn die bewegten Bilder waren weltweit zu verfolgen und sie sahen heftig aus: Max Hesse konnte in seinem neuen BMW M4 GT3 Evo, durch sein fahrerisches Können und Unterstützung über Funk, dem Unfall direkt vor ihm ausweichen. Die brenzliche Situation schien schon überstanden, als ihn Kollege Jordan Pepper mit seinem Lamborghini heftig an der Seite rammte. Hesse stieg unbeschadet aus, die anschließende medizinische Untersuchung war nur Routine. Aber das Auto war kaputt, der Traum vom Sieg jäh ausgeträumt. Es wäre ein Triumph nicht irgendwo gewesen, sondern bei Hesses Premiere auf der legendären Strecke in Daytona, deren Name nicht nur in den Ohren von Chris-Rea-Fans wohl klingt.
„Ich war schon überrascht, weil ich in diesem Moment nicht mehr damit gerechnet habe. Aber mir ist überhaupt nichts passiert“, erzählt der 23-jährige Rennfahrer aus Wernau, „es war natürlich schade.“ Denn nachdem das Auto während der Vorbereitung noch recht langsam gewesen war, legten Fahrer, Ingenieure und Mechaniker einige Zusatzschichten ein. Beim Start des 24-Stunden-Rennens stand der BMW auf Position drei – und lag zur Zeit des Crashs in der 250. Runde mit Hesse am Steuer in Führung.
„Traumstart“ in Dubai
Was wäre das für ein Start ins Jahr gewesen für Hesse? Denn während andere noch im verlängerten Weihnachtsurlaub waren, holte der junge Mann, der seit dem Jahr 2023 Werksfahrer bei BWM ist, Anfang Januar in Dubai seinen ersten Sieg bei einem 24-Stunden-Rennen in der GT3-Klasse. „Ich bin sehr happy darüber“, sagt er, „Dubai hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Langstreckenklassiker entwickelt. Es war mit dem neuen Auto ein Traumstart ins Jahr.“
In Dubai startete Hesse für das Team WRT, das er bereits aus dem vergangenen Jahr kannte. Im Verlauf von 2025 wird er viel Zeit in den USA verbringen und dort für Paul-Miller-Racing die IMSA-Serie fahren. Es ist der nächste Schritt in seiner Karriere. In den kommenden Tagen geht es von seinem neuen Wohnort München schon wieder los nach Sebring in Florida zur Vorbereitung auf das nächste Rennen Mitte März. Es folgen unter anderem die Stationen Long Beach, Detroit und Indianapolis – auch so eine legendäre Strecke. „BMW will sein Engagement in den USA verstärken. Dass ich für das Programm ausgesucht wurde, sagt etwas über mein Standing im Team. Es ist eine tolle Herausforderung“, erklärt Hesse. Zudem freut ihn, dass er weiterhin mit dem Briten Dan Harper zusammenarbeiten kann, mit dem er bereits für das damals wiederbelebte BWM-Junior-Team fuhr und mit dem gemeinsam er den Sprung zum Werksfahrer und damit Profi schaffte: „Wir wollen so lange wie möglich in einem Auto fahren.“
Der Nürburgring fällt weg
Ein Wermutstropfen angesichts der Chance in den USA ist, dass Hesse aufgrund von Terminüberschneidungen einige prestigeträchtige Rennen in Europa verpassen wird – vor allem das auf seiner Lieblingsstrecke. Im vergangenen Jahr hatte er auf dem Nürburgring als jüngster Rennfahrer aller Zeiten die Pole-Position beim Langstreckenklassiker herausgefahren. Beim Rennen selbst hatten er und sein Team Pech, dass es aufgrund von starkem Nebel vorzeitig beendet wurde und es so „nur“ zu Platz drei reichte. „Dass der Nürburgring dieses Jahr wegfällt, ist sehr, sehr schade“, sagt Hesse, der jedoch versuchen will, abseits der USA einige Rennen zu fahren. Dazu kommen Einsätze in Teams mit Kunden, die sich den knapp 580 000 Euro teuren BMW leisten können und gemeinsam mit einem Werksfahrer wie Hesse Rennen fahren. So erweitert er nebenbei seine Erfahrungen auf verschiedenen Strecken.
Es läuft bei Max Hesse. Er hat sich bei BMW etabliert, auch immer mehr Sponsoren interessieren sich für ihn. „Das Jahr in den USA wird mich auf jeden Fall weiterbringen“, sagt er und sieht trotz des Pechs beim Auftakt in Daytona Chancen, mit seinem Team ein ernstes Wort bei der Vergabe des Gesamtsieges mitzureden. Und was den Nürburgring und andere Klassiker in Europa betrifft, so hat er ja noch ein bisschen Zeit. Denn die Profikarriere des 23-Jährigen hat erst so richtig begonnen. Daheim in Wernau werden sie es verfolgen.