Fast alle Rennen im Land sind ausgefallen. Das Finale in Reutlingen stemmen die Clubs jetzt gemeinsam.
Stuttgart - Württemberg ist eine Hochburg des Motocross, doch im Pandemiejahr 2021 sieht es mau aus. Kein Rennen in Gaildorf, keines in Aichwald, Rudersberg oder Holzgerlingen. Auch das Supercross in der Stuttgarter Schleyerhalle findet nicht statt. „Wenn wir nicht alle blauäugig durch die Gegend laufen, dann fällt uns auf, dass die Inzidenzen und die Coronazahlen wieder im Steigflug sind. Deshalb stellt es ein unabwägbares Risiko dar, sich auf solch eine Veranstaltung einzulassen“, sagt Michael Saur, Sportvorstand des Veranstalters ADAC Württemberg.
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Etwa 90 Prozent der Piloten kommen aus dem Ausland – überwiegend aus Italien, Spanien, Frankreich und den USA. Sie alle in Coronazeiten nach Stuttgart zu lotsen, wäre unverantwortlich und mit einem enormen Aufwand verbunden gewesen. Außerdem ist Hallencross mit null oder nur der Hälfte der üblichen 7000 Zuschauer pro Abend ein kaum zu stemmendes Zuschussgeschäft.
Aber warum konnte unter freiem Himmel – etwa in Aichwald oder Gaildorf – nicht gefahren werden? Ein paar Hundert Zuschauer hätte man trotz Corona ja um die Strecke verteilen können, das ist es nicht. Doch an diesen Standorten hätte erst die ganze Infrastruktur aufgebaut werden müssen – vor allem die Strecke, die so nicht existent ist. „Da hätten dann zu viele Menschen auf engem Raum zusammenarbeiten müssen“, sagt Manuel Dorn, der Vorsitzende des MSC Aichwald. Die Coronavorschriften Anfang des Jahres hätten das nicht zugelassen, deshalb musste man sich schon früh gegen eine Austragung entscheiden. Das Gleiche gilt für Gaildorf. Deshalb besteht die Serie ADAC MX Masters 2021 nur aus fünf statt acht Rennen.
Bevor alles den Bach runter geht in diesem Jahr, haben sich die Motorsportclubs aus Aichwald, Gaildorf, Reutlingen und ein paar kleinere Vereine jedoch zusammengetan, um mit vereinten Kräften wenigstens das Saisonfinale der Serie stattfinden zu lassen – und zwar in Reutlingen am 11. und 12. September. „Diese Strecke ist wie ein Tor, dass ich aufschließe, und dann kann ich Rennen fahren“, sagt Michael Saur, der auch Vorstand des Reutlinger Motorsportclubs ist.
Alle ziehen an einem Strang. Ein Verein kümmert sich in Reutlingen dann um die Strecke, ein anderer um das Fahrerlager, der nächste um die Verpflegung. Ob dieses „Finale der vereinten Kräfte“ vor Publikum stattfinden wird, ist allerdings noch nicht sicher. „Wir wollen jetzt noch einmal, dass es ein ordentliches Finale der Masters-Serie in Baden-Württemberg gibt – mit oder ohne Zuschauer“, sagt Michael Saur und hofft, dass der Coronaspuk 2022 vorbei ist.