Frauke Tietz (42) aus Karlsruhe hat ihre Leidenschaft zum Beruf­ gemacht: Fembike.de heißt ihr Online-Motorradmagazin­ von und für Frauen. Foto: Harald Wacker

Klar, das Motorradfahren­ ist noch immer eine männliche Domäne. Doch es gibt auch Frauen, die sich gern und oft aufs Bike­ schwingen. Frauke Tietz (42) aus Karlsruhe hat ihre Leidenschaft zum Beruf­ gemacht.

Stuttgart - Klar, das Motorradfahren­ ist noch immer eine männliche Domäne. Doch es gibt auch Frauen, die sich gern und oft aufs Bike­ schwingen. Frauke Tietz (42) aus Karlsruhe hat ihre Leidenschaft zum Beruf­ gemacht: Fembike.de heißt ihr Online-Motorradmagazin­ von und für Frauen. Ein Gespräch über die Faszination Motorradfahren­.

Frau Tietz, seit wann fahren Sie Motorrad? Und was für eine Maschine haben Sie?
Ich habe vor 20 Jahren mit dem Motorradfahren begonnen. Seitdem hat es mich nicht mehr losgelassen. Derzeit habe ich eine BMW R 1200 R, eine Roadster- Maschine­ mit 110 PS.
Das ist ein ganz schönes Geschoss.
Ja, schon. Aber solide Technik – und sehr zuverlässig.
Was macht für Sie die Anziehungskraft des Motorradfahrens aus?
Ich habe Spaß an der Geschwindigkeit, an der Schräglage beim Kurvenfahren. Und es ist schön, mit anderen in der Gruppe unterwegs zu sein. Man spürt die Temperaturunterschiede, nimmt verschiedene Gerüche wahr, ist einfach ganz nah dran am Geschehen. Wenn ich auf dem Motorrad sitze, bin ich eins mit mir selbst.
Wie kamen Sie auf die Idee, ein Online-Motorradmagazin für Frauen ins Leben zu rufen?
Es gibt zwar viele gute Motorradzeitschriften, aber die sind meist sehr technikorientiert. Ich fand einfach viele meiner Fragen nicht ausreichend beantwortet.
Welche zum Beispiel?
Motorradtests werden in der Regel von Männern mit einer Körpergröße von mindestens 1,80 Meter gemacht. Was die für gut befinden, muss nicht automatisch zu einer Frau passen, die nur 1,65 Meter groß ist. Welche Motorrad-Modelle sind also tatsächlich für Frauen geeignet? Männer haben da eine ganz andere Wahrnehmung.
Was machen Sie bei Fembike.de anders?
Wir haben weichere Themen und eine emotionalere Herangehensweise. Bei uns gibt es weniger Technik – und diese wird anders erklärt. Zudem beschäftigen wir uns mit Aspekten wie „Was ist Freiheit?“, „Allein mit dem Motorrad auf Reisen“, aber auch mit Lifestyle, zum Beispiel mit Motorradbekleidung. Wir sind so etwas wie die „Brigitte“ für die Motorradfahrerin – und das mit Leidenschaft.
Also greifen Sie auch Modethemen auf?
Ja, auch das. Sicherheit ist natürlich bei Motorradbekleidung oberste Pflicht. Das Aussehen ist die Kür. Und die spielt bei Frauen ebenfalls eine wichtige Rolle.
Sie haben Fembike.de zu Ihrem Hauptberuf gemacht?
Ja, ich bin gerade dabei. Momentan arbeite ich aber noch an zwei Tagen pro Woche in Festanstellung. Ich bin gelernte Reiseverkehrskauffrau und habe nach der Ausbildung in Worms ein betriebswirtschaftliches Studium mit Schwerpunkt Tourismus absolviert. Bei Fembike.de organisiere ich das meiste selbst. Ich habe versierte Gastautorinnen, zudem bekomme ich auch immer wieder Beiträge von Leserinnen zugeschickt. Ab und an ist auch ein Beitrag eines Autors darunter.
Was gibt es außer frauenspezifischen Geschichten­ und Informationen sonst noch bei Ihrem Portal?
Mit diversen Kooperationspartnern bieten wir unter anderem Sicherheitstrainings- und Schräglagenkurse an, Alpintraining und andere Ausfahrten, aber auch Technikkurse.
Und Sie sind bei Messen präsent.
Ja, Ende Januar waren wir auf der Motorradwelt Bodensee in Friedrichshafen mit einem Stand vertreten. Dort hatte ich eine Ladys-Meile organisiert – mit diversen Ausstellern wie Hein Gericke, Bikerlady und der Bikerschmuck-Designerin by Angela­. Wir haben auch Motorräder verschiedener Hersteller präsentiert, die gerne von Frauen gefahren werden. Diese Idee möchte ich weiter ausbauen.
Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: