Die Plakataktion des Rems-Murr-Kreises setzt auf Einsicht bei den Motorradfahrern. Foto: © C) Gottfried Stoppel

Das Landratsamt in Waiblingen und die Polizei erteilen einem Vorstoß aus dem Weinstädter Gemeinderat, um dem Motorradlärm in Schnait Herr zu werden, klare Absagen. Vor allem die Anwohner an der Auffahrt nach Manolzweiler sind betroffen.

Weinstadt - Die Situation an der Weinstraße in Schnait ist ein Dauerthema. Bald 20 Jahre müht man sich schon eine Lösung für die lärmgeplagten Anwohner zu finden. Denn die kurvenreiche Steigungsstrecke in dem Weinstädter Stadtteil in Richtung Winterbach-Manolzweiler ist beliebt bei Motorradfahrern und Autofahrern, die gerne zeigen was ihre Motoren so hergeben – laut Anwohnern vor allem wochenends, aber auch nachts. Versuche, Fahrer mit Plakataktionen und Lärmdisplays zu sensibilisieren brachten keine Erfolge, ebenso ein Pilotversuch nicht, bei dem die Geschwindigkeit vorübergehend an Wochenenden und Feiertagen auf 40 Kilometer pro Stunde begrenzt wurde. Nun hat die Grünen-Gemeinderats-Fraktion einen neuen Anlauf unternommen, um den Lärm einzudämmen. Auf der Grundlage eines Verkehrsgutachtens aus 2017, das die Stadt in Auftrag gegeben hatte, beantragte sie 30 Stundenkilometer innerorts und 50 außerorts in Richtung Manolzweiler bis zur ersten Haarnadelkurve.

Tempolimits könnten gefährlich sein

Bei einem Vororttermin prüfte die Stadtverwaltung gemeinsam mit Vertretern des Landratsamts und der Polizei, ob diese umsetzbar sind. Das Ergebnis: Solch ein regelnder Eingriff sei nicht nur nicht notwendig, wie die Kreisbehörde urteilte, sondern gar gefährlich – sowohl innerorts als auch außerorts. Denn damit würde Fahrern der Eindruck vermittelt, dass die engen Kurven mit 30 beziehungsweise 50 Kilometern pro Stunde durchfahren werden könnten, und entbinde sie davon, ihr Tempo selbst entsprechend niedriger anzupassen. Zudem habe es weder bei Geschwindigkeits- noch bei Lärmmessungen auffällige Überschreitungen gegeben.

Ebenso sieht es die Polizei, die außerdem darauf verweist, dass der genannte Abschnitt außerorts keine Unfallhäufungsstelle sei. Lediglich sechs Unfälle hätten sich in zehn Jahren dort ereignet. Eine erhebliche Gefahrensituation, die ein Limit rechtfertigen würde, sei auch innerorts nicht vorhanden – obwohl die Gehwege teilweise schmal und beidseitig nicht durchgängig sind.

Stadt schließt sich einer Initiative gegen Lärm an

Die Stadt sucht derweil auf andere Weise nach einer neuen Lösung für das Lärmproblem in der Schnaiter Weinstraße. Dazu ist Weinstadt der Initiative Motorradlärm beigetreten, der nach Angaben des Verkehrsministeriums von Anfang August weitere rund 30 baden-württembergische Kommunen angehören. Darunter sind aus dem Rems-Murr-Kreis: Berglen, Mainhardt, Rudersberg und Waiblingen. Des Weiteren haben sich aus Region Stuttgart der Initiative angeschlossen: Göppingen, Beuren (Kreis Esslingen) sowie Gerlingen und Vaihingen an der Enz (beide Kreis Ludwigsburg).

Bis zum Frühjahr soll gemeinsam mit dem Land ein Forderungskatalog aufgestellt werden, um auf politische Entscheidungsträger beim Bund und der Europäischen Union zuzugehen. Erste Ideen für Ansatzpunkte gegen das Problem Motorradlärm gibt es bereits wie das Ministerium auf seiner Homepage informiert: etwa der Bau leiserer Maschinen durch Hersteller, veränderte Genehmigungs- und Zulassungsregelungen, härtere Strafen bei Manipulationen an den Gefährten, neue Messverfahren, Lärmmessungen bei Polizeikontrollen, andere Grenzwertdefinitionen, Frontkennzeichen für Motorräder oder auch eine allgemeine Halterhaftung.

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