Der Motocross-Fahrer präsentiert sich beim ADAC MX Masters in Reutlingen in Topform – obwohl er Schmerzen hat. Mit 34 Jahren denkt er zudem ans Karriereende.
Reutlingen - Beim Training in Holland warf es Max Nagl von seiner Motocrossmaschine. Nur ein kleiner Fahrfehler war ihm unterlaufen, nichts Schlimmes, aber dort, wo er gelandet war, lag eine Betonplatte. „Und da bin ich dann natürlich draufgeknallt, sonst wäre nichts passiert“, ärgert sich Nagl noch heute über diesen blöden Zufall. Drei Rippen brach er sich – gewann aber nur drei Wochen später wieder ein Rennen des ADAC MX Masters.
Beim Finale dieser Serie in Reutlingen war Max Nagl am Wochenende abermals am Start. Wegen des Sturzes musste er ein Rennen aussetzen und verspielte damit seine Chancen auf die Meisterschaft. Doch nach drei Wochen wieder auf der Maschine zu hocken, wo Rippenbrüche eigentlich sechs bis acht Wochen benötigen, um auszuheilen, ist mutig. „Du brauchst halt ziemlich viele Schmerzmittel, damit du es aushältst“, sagt Nagl mit einem Lächeln. Wenn er auf der Maschine sitzt, hat er im Brustbereich fiese Schmerzen. „Die Rippen sind ja immer noch gebrochen“ – und durch die ständigen Belastungen beim Fahren könne so eine Verletzung auch nicht heilen.
Schon oft verletzt
Er habe solche Rippenbrüche schon öfter gehabt, sagt Nagl, der seit 15 Jahren einer der besten deutschen Motocrossfahrer ist. Er kennt sich damit aus. Sein Team Kretek-Haas hätte ihm eine zweimonatige Auszeit natürlich zugestanden, aber einen wie Nagl, den befördert man nicht einfach so in den Krankenstand. „Es ist mein Job“, sagt er, „ich kann nicht einfach zu Hause bleiben. Es ist zwar nicht gut, aber es geht nicht anders.“
Motocrossfahrer sind in Unfallkliniken Dauergäste. Sie fliegen so oft von ihren Kisten, dass sie mit dem Zählen nicht mehr hinterherkommen. Der ehemalige Pilot Collin Dugmore präsentierte seine Knochenbrüche immer ganz gerne wie Trophäen, es müssen so um die 30 gewesen sein. „Bei mir“, sagt Nagl, „sind es auch über 20, das ist leider zu viel. Aber es gibt Leute, denen passiert eben mehr, und Leute, denen passiert wenig.“
Dabei stuft sich der Deutsche eher als vorsichtig ein. „Ich war nie ein Risikofahrer und bin auf Sicherheit aus gewesen – und trotzdem ist viel passiert“, sagt Nagl, der in Reutlingen beide Rennen gewann. Gesamtsieger wurde der Franzose Jordi Trixie, Nagl Dritter.
Er kann es immer noch
Er kann es noch immer. Doch der Pilot aus dem bayerischen Weilheim ist schon 34 Jahre alt, da neigt sich die Karriere dem Ende zu. Eigentlich wollte er nach 2021 aufhören, doch fühlt er sich so wohl in dem Team Krettek-Haas, dass er auf jeden Fall noch ein Jahr dranhängen will – vielleicht werden es auch zwei. Nagl brennt noch, hat Spaß, daran ändern auch drei gebrochene Rippen nichts.
Es gibt aber auch schon Pläne für die Zeit danach. Zwar hat er eine Ausbildung zum Bürokaufmann absolviert, aber das nur, weil die jungen Leute ja zur Sicherheit irgendetwas machen müssen. In einem Büro sieht sich Nagl natürlich nicht, da gehört er nicht hin. Seit längerem beschäftigt er sich bereits mit Fahrercoaching im Nachwuchsbereich. „Das baue ich seit zwei Jahren immer weiter aus, und wenn ich aufhöre, wird das mein neuer Schwerpunkt sein“, sagt Nagl, der im Leben nach dem Sport auf keinen Fall auf die übliche Campingplatz-Atmosphäre, den Geruch nach Grillwürsten und Benzin vermissen will. „Ich bin so aufgewachsen, seit ich sechs Jahre alt bin. Da wird so ein Dasein zur Sucht.“
Der Belgier
Max Nagl hat alles erlebt, viel erreicht, er ist mit sich im Reinen. Seine Erfahrungen möchte er nun weitergeben, der Mann, der 2009 Vizeweltmeister war, 2012 Weltmeister mit dem Team Deutschland, dazwischen gab es noch dritte, vierte oder fünfte WM-Plätze. Auch das ADAC MX Masters gewann er öfter, „also meine Karriere war schon nicht so schlecht“, sagt der Bayer, der in Belgien lebt und für dem MSC Aichwald fährt.
In Belgien, wo es viele attraktive Motocross-Strecken gibt und zahlreiche Teams ihren Sitz haben, sieht er auch die besten Möglichkeiten für seinen künftigen Nachwuchsjob – in dem Beneluxstaat will er auf jeden Fall bleiben. Auch weil die Belgier etwas ruhiger und entspannter seien als die Deutschen – und Max Nagl sich „fast schon wie ein kleiner Belgier“ fühlt.