Auf dem anspruchsvollen Kurs in Rudersberg mit Sprüngen bis vier Meter Höhe beherrschte Nils Weinmann seine Konkurrenten nach Belieben. Foto: Heiko Potthoff

Der Bernhausener Motocrossfahrer Nils Weinmann gewinnt zum dritten Mal die Gesamtwertung des Baden-Württemberg-Cups. Ein Besuch beim Renntag in Rudersberg.

Rudersberg - Es war eine fahrerische Demonstration, die am Samstag ihresgleichen suchte. Mit zwei souveränen Start-Ziel-Siegen beim Finale um den Baden-Württemberg-Cup kürte der Bernhausener Nils Weinmann sich zum überhaupt großen Gewinner: Auf dem Motocross-Rundkurs in Rudersberg gewann er zum bereits dritten Mal nach 2018 und 2019 auch die Gesamtwertung der Wettbewerbsserie, erstmals indes auf einer schwereren Maschine mit 125 Kubikzentimetern. „Es hätte nicht besser laufen können. Jeweils Erster – mehr geht nicht“, sagte der vor dreieinhalb Wochen 18 Jahre alt gewordene Youngster, der für den MSC Betra startet und als eines der größten Talente der Branche gilt.

 

Im Fahrerlager drängt sich ein Wohnmobil ans andere

Rückblende. Ein Blick auf den Fahrertross und ein typisches Rennwochenende. Mit seinem Vater Michael und der zwei Jahre jüngeren Schwester Ronja ist Nils Weinmann schon am Freitagnachmittag angereist, wie viele der Konkurrenten auch. „Man kennt sich. Das ist hier wie eine große Familie“, sagt Michael Weinmann. Im Fahrerlager drängt sich ein Wohnmobil ans andere, dazwischen zig Motorräder unterschiedlicher Größen. Einer werkelt immer daran.

Der Boden ist perfekt, da kann man Vollgas geben

Am Samstag ist die Nacht dann bereits um 7.20 Uhr vorbei. Dem freien Training um 8.30 Uhr folgt um 10.15 Uhr das Zeittraining. Und schon da ist klar, dass Nils Weinmann der 1550 Meter lange und durchaus anspruchsvolle Rundkurs liegt. Lediglich der Holzgerlinger Jona Katz (1. RMC Reutlingen), der vor den beiden Finalläufen die Gesamtwertung noch anführt, legt eine schnellere Rundenzeit hin und darf sich deshalb später als Erster einen Platz am Startgatter aussuchen. Für Nils Weinmann jedoch kein Grund, nervös zu werden. „Der Boden ist perfekt für Nils. Der ist wie Knet und hält alles. Da rutscht man in der Kurve nicht unkontrolliert weg, da kann man Vollgas geben“, sagt Michael Weinmann.

Wer zu spät zum Start kommt, darf nicht mitfahren

Die Weinmanns sind ein eingespieltes Team. Zwischen den Rennen ist der Vater unter anderem für das Auftanken des Motorrads zuständig, während Tochter Ronja die ausnahmsweise daheim gebliebene Mutter via sozialer Medien auf dem Laufenden hält, dem Bruder ein Süppchen kocht und schaut, dass dieser auch rechtzeitig wieder am Startgatter steht. „Wer zu spät kommt, darf nicht mitfahren“, weiß Michael Weinmann. Deshalb steht auch eine riesige Uhr auf dem Tisch vor dem Wohnmobil. Hektik kommt an diesem Nachmittag jedoch nicht auf. Jeder weiß, wann und was zu tun ist. Auch der „Zaubertrank“, der Ausdauer und Konzentration im Rennen ein bisschen länger hochhalten soll, wird dem Filius rechtzeitig gereicht. „Das ist ein kleines Ritual bei uns“, sagt Michael Weinmann, der früher selbst Rennen gefahren ist, mit einem Augenzwinkern.

Auch in den nächsten drei Jahren will der Teenager vorn mitfahren

Zum ersten Mal hat er seinen Sohn auf eine Motocrossmaschine gesetzt, als jener vier Jahre alt war. Rennen fährt Nils Weinmann seit elf Jahren. Wohin der Weg führen soll? Mit der 125er will der Erfolgreiche, der für den normalen Straßenalltag gerade seinen Autoführerschein erworben hat, in den nächsten drei Jahren weiter ganz vorn mitmischen – das Alterslimit liegt bei 21 Jahren. Und zudem möchte er 2022 mit einem 250er-Motorrad bei den deutschen Meisterschaftsrennen gute Ergebnisse erzielen. Dort ist der größere Motor für 18-Jährige Pflicht.

Schon am Start fährt das Fliegengewicht allen davon

Aktuell läuft für den Bernhausener am Start dann alles nach Plan. Von der Körperstatur her hat er gegenüber der Konkurrenz eh Vorteile. Nils Weinmann ist das Fliegengewicht. Bei nur 1,60 Metern Körpergröße bringt er gerade einmal 55 Kilogramm auf die Waage. Gute Sprung- und Flugvoraussetzungen. Teilweise schanzen die Fahrer in bis zu vier Metern Höhe durch die Luft. Weil er mit den Füßen allerdings nicht auf den Boden kommt, steht Weinmann als Einziger mit dem rechten Fuß auf einem Metallblock. Sein fahrerisches Können tut ein Übriges, sodass der Youngster, der im Beruf Fliesenleger lernt, schon nach der ersten Runde einen deutlichen Vorsprung auf die besten Gegner hat. Ein einsames Rennen fährt er auf dem Kurs mit den vielen Sprüngen (Nils Weinmann: „Einfach geil.“) dennoch nicht. Der Grund: mehrere Konkurrenten werden von ihm überrundet. Und da zeigt sich dann auch schon mal der Papa am Streckenrand leicht angespannt. Wird es gut gehen mit den Hindernissen? Und hält die Technik?

Fahrerisch konnte Weinmann in Rudersberg keiner das Wasser reichen

In Rudersberg ja, auch im zweiten Lauf. „Fahrerisch hat Nils heute keiner das Wasser reichen können“, sagt denn auch Michael Saur, der Sportleiter des ADAC in Württemberg. Hinzu kommt, dass der Rivale Katz zuletzt zu hoch gepokert hat. Er war ein bisschen zu früh auf dem Gaspedal, berührte somit das Gatter und musste als Letzter auf die Strecke. Die Mutter kämpfte mit den Tränen, während ihr Sohn versuchte, sein Missgeschick auf der Strecke wettzumachen. Am Ende wurde er Gesamtzweiter.

Am Ende die Mutter fast vergessen

Und bei den Weinmanns? Die haben vor lauter Freude über den eigenen Erfolg die zuhause mitfiebernde Mutter fast vergessen. „Jetzt muss ich schnell mal anrufen; sie hat es schon dreimal versucht“, sagt Ronja Weinmann und lacht.