Tatort Murkenbachweg in Böblingen: Der Tatverdächtige wird abgeführt Foto: SDMG

Das Gebiet am Murkenbach gilt als seit jeher als beste Wohnlage. Doch seit Mittwoch macht sich in diesem Idyll Fassungslosigkeit breit: In einem Mehrfamilienhaus ist ein 74-Jähriger mit mehreren Messerstichen getötet worden. Als Tatverdächtiger wurde - ebenfalls blutüberströmt - sein Mieter festgenommen.

Böblingen - Das Gebiet am Murkenbach gilt als seit jeher als beste Wohnlage. Wer hier an Berghang und Waldrand im Süden Böblingens lebt, so sagt man, gehört eher zur gehobenen Schicht. Doch seit Mittwoch macht sich in diesem Idyll Fassungslosigkeit breit: In einem Mehrfamilienhaus ist ein 74-Jähriger mit mehreren Messerstichen getötet worden. Als Tatverdächtiger wurde ein 39-Jähriger festgenommen – sein Mieter.

Die Bluttat ereignete sich am Ende des Murkenbachwegs, am Waldrand Richtung Schönaich gelegen. Gegen 9.40 Uhr ging bei der Polizei ein Notruf ein – am Apparat war ein Mann, der den Beamten in der Einsatzzentrale erklärte, dass er seinen Vermieter getötet habe. Polizei, Notarzt und Rettungsdienste rückten zu dem weißen Wohnhaus aus – doch für den 74-jährigen Eigentümer kam jede Hilfe zu spät. Seine Verletzungen waren tödlich.

Der Mann, der die Polizei verständigt hatte, ließ sich widerstandslos im Hausflur festnehmen. Er selbst war ebenfalls blutüberströmt. Offenbar hatte er sich bei der Attacke mit einem Messer selbst verletzt. Er wurde vom Rettungskräften versorgt und später mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht. Abgeführt wurde er in weißer Schutzkleidung, wie sie Kriminaltechniker bei der Spurensuche verwenden.

„Über die Hintergründe der Tat liegen noch keine Erkenntnisse vor“, sagt Polizeisprecherin Tatjana Wimmer. Das vor allem auch deshalb, weil der 39-Jährige wegen seiner Verletzungen zunächst noch nicht intensiv polizeilich vernommen worden sei. Nach bisherigen Erkenntnissen spielte sich die Bluttat in der Wohnung des 39-jährigen Mieters ab.

Dort befand sich auch das Messer, mit dem der 74-Jährige mit mehreren Stichen getötet wurde. Der Tatverdächtige, bei dem es sich nach Angaben aus Polizeikreisen um einen Deutschen italienischer Herkunft handeln soll, war wegen Gewaltdelikten nicht aufgefallen – und polizeilich gesehen bisher ein unbeschriebenes Blatt.

Der 74-jährige Vermieter lebte selbst in dem Wohnhaus. Um was es ging, als er am Morgen die Wohnung des 39-jährigen Mieters aufsuchte, ist noch unklar. Der bloße Streit um eine womöglich erhöhte Miete oder eine Kündigung dürfte wohl kaum allein zu der Eskalation geführt haben. Die mehrfachen Messerstiche, die den Tatverdächtigen auch selbst trafen, dürften eher für eine psychische Ausnahmesituation sprechen.

Bei den jüngsten Tötungsdelikten im vergangenen Jahr in Göppingen, Steinheim (Kreis Ludwigsburg), Esslingen, Nürtingen, Köngen (Kreis Esslingen) und Stuttgart-Ost spielte eine psychische Erkrankung der Tatverdächtigen eine wesentliche Rolle. Die Ermittlungen hierzu dauern an.

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