Die Welt der Computer besteht aus Einsen und Nullen – bald auch Kleidung? Foto: imago/Ralph Peters

Designermode zum Preis eines T-Shirts? Was den Modehändler Carlings und die hochpreisigen Labels Moschino und Balenciaga eint, ist der Versuch, die Mode mit der digitalen Welt zu verbinden.

Stuttgart - Recycelte PET-Flaschen, Lkw-Planen, sogar Algen: Mode ist auf kein bestimmtes Material beschränkt. Doch das Internet macht es möglich, jetzt auch Kleidung zu kaufen, die lediglich aus Einsen und Nullen besteht. Klar, werden manche jetzt sagen. Denn in Computerspielen wie „Fortnite“ gibt es sogenannte „Skins“ schon lange, die teilweise über 20 Euro kosten. Bis auf den optischen Effekt bringen sie keinerlei Vorteil für den Spieler.

Mittlerweile springen aber auch traditionelle Modelabels auf den Trend auf. Die italienische Designermarke Moschino etwa bietet in „Sims 4“ eigens für das Spiel designte Kleidungsstücke an, die für mehrere hundert Euro auch im echten Leben erhältlich sind.

Das spanische Label Balenciaga, bekannt geworden durch unförmige Sneaker und häufiges Auftauchen in Rap-Texten, stellte Ende 2018 seine neue Kollektion mithilfe eines Videokünstlers vor. Yilmaz Sen sorgte für ein leicht verstörendes Video, in dem sich die Proportionen der Models zum Unmöglichen hin verändern.

Während die Kooperation zwischen Spielehersteller EA und Moschino und das Video von Balenciaga wohl eher als geschickte Marketing-Aktion zu sehen sind, versucht der Modehändler Carlings einen anderen Ansatz zu etablieren. Kunden laden ein Foto von sich hoch und suchen sich ein Kleidungsstück aus der eigens entworfenen digitalen Kollektion zu Preisen von zehn bis 30 Euro aus. Anschließend schneidern Grafikdesigner die Kleidungsstücke genau auf den Leib des Nutzers zu.

So soll nicht nur eine perfekte Passform erreicht werden, auch der Aspekt der Nachhaltigkeit wird angesprochen. Denn die Modeindustrie ist laut den Vereinten Nationen für rund zehn Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Die schwedische Fashion Week wurde in diesem Jahr daher bereits abgesagt. Der deutsche Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hat sogar ein deutsches Textilsiegel angekündigt, um die Einhaltung sozialer und ökologischer Standards für Konsumenten sichtbar zu machen. Bei einer Jacke, die nur zum Posen in sozialen Medien getragen wird, reicht es daher vielleicht, sie nur virtuell zu besitzen. Vor allem, wenn sie nicht mehr kostet als ein T-Shirt.

Modehändler Carlings scheint mit seinem Ansatz erfolgreich gewesen zu sein und sorgt für Exklusivität: Die erste Kollektion ist bereits nicht mehr erhältlich, eine zweite soll bald folgen. Fraglich ist allerdings, was passiert, wenn wir Mode nur noch virtuell besitzen. Das Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ scheint aktueller denn je zu sein.

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