Für manche Bürger kein Märchen aus 1001 Nacht: Die neue Moschee soll ein 25 Meter hohes Minarett bekommen. Foto: privat

Der türkisch-islamische Kulturverein Kornwestheim möchte an der Sigelstraße seine alte Moschee abreißen und eine neue und fast doppelt so große dafür bauen. Da das Areal nahe der Stammheimer Ortsgrenze liegt wurde nun im Bezirksbeirat über das projekt diskutiert.

Stammheim - Der türkisch-islamische Kulturverein Kornwestheim möchte an der Sigelstraße seine alte Moschee abreißen und eine größere bauen. Das 4000 Quadratmeter umfassende Areal befindet sich zwar auf Kornwestheimer Gemarkung, liegt aber nur wenige hundert Meter von Stammheim entfernt. Um den Stammheimer Bezirksbeirat über das Projekt zu informieren, waren Vertreter der Stadt Kornwestheim und des Kulturvereins zur jüngsten Bezirksbeiratssitzung gekommen. Im Laufe der Diskussion zeigte sich, dass die Bezirksbeiräte dem Vorhaben zwar grundsätzlich positiv gegenüberstehen, sich aber vor allem Sorgen um Themen wie Lärm und Parken machen.

„Das neue Gebäude ist ein Kulturhaus und nicht nur eine Gebetsstätte“, sagte Recep Aydin vom türkisch-islamischen Kulturverein Kornwestheim. Die Moschee werde neben dem gut 300 Quadratmeter großen Gebetsraum auch Konferenzsäle, Kursräume, Büros, eine Küche und einen Teeraum haben. Seit fast 20 Jahren nutze man auf dem Grundstück die bisherige Moschee, deren Renovierung wäre aber weitaus teurer als ein Neubau. Dieser, so schätzt Aydin, wird rund drei Millionen Euro kosten. Die Finanzierung erfolge ausschließlich über Mitgliedsbeiträge und Spenden, bisher habe man eine Million Euro gesammelt.

Ein Neubau ist günstiger als eine Sanierung

Der Kornwestheimer Baubürgermeister Daniel Güthler erläuterte, dass das bisherige Gebäude viele funktionale Mängel aufweise und dessen Alter und Zustand hohe Unterhaltskosten verursache. Dann ging er konkret auf einige Sachverhalte ein: Es werde weder Außenlautsprecher noch einen Muezzin geben, da das Minarett nicht begehbar sei. Was das Parken angehe, so könne er seine Hand nicht ins Feuer legen. Immerhin: Statt der 62 baurechtlich geforderten Stellplätze auf dem Grundstück soll es 75 geben (momentan sind es 90), zudem stünden auf der Sigelstraße zusätzliche Plätze zur Verfügung. Sollte das nicht reichen, dann könne eventuell ein direkt in der Nähe liegendes Grundstück, das der Stadt Kornwestheim gehört, ebenfalls zum Abstellen von Autos genutzt werden. Drei Mal sei der Gemeindevollzugsdienst im Juni und Juli zu Zeiten des Freitagsgebets unterwegs gewesen und hätte dabei festgestellt, dass es keinen Verdrängungsverkehr nach Stammheim gegeben habe. Zum Thema Verkehrslärm konnte Güthler noch nichts sagen, man müsse erst ein entsprechendes Gutachten abwarten.

Das Hauptgebäude der Moschee soll zwischen 9,50 und 12,50 Meter hoch werden, das Minarett 25 Meter. Über das Minarett hatte es einige Diskussionen im Kornwestheimer Gemeinderat gegeben, die CDU-Fraktion hatte den Plänen deshalb ihre Zustimmung verweigert. Auch in Stammheim gab es kritische Stimmen: „Ich sehe das nicht so positiv“, sagte CDU-Sprecher Stefan Kulle. Einerseits werde die neue Moschee größer als die bisherige, andererseits gebe es weniger Parkplätze. Zudem werde der Zufahrtsverkehr zur Moschee über Stuttgarter Gemarkung abgewickelt. „Sie machen es sich sehr einfach. Sie setzen eine Moschee auf ihre Gemarkung und der Verkehr interessiert Sie nicht“, sagte Kulle in Richtung Güthler. Eberhard Kries von der SPD betonte, dass „für uns Stammheimer Lärm und Verkehr von zen­traler Bedeutung“ seien. Die Moschee werde ein Anziehungspunkt über Kornwestheim hinaus, man müsse mit mehr Besuchern rechnen. Im Großen und Ganzen sei seine Fraktion aber mit den Plänen einverstanden. FDP-Beirat Lutz-Peter Walz ging ebenfalls auf die Zufahrts- und Parkproblematik ein und betonte, Stammheim sei ohnehin schon stark belastet.

Die Moschee könnte zum überregionalen Anziehungspunkt werden

Harte Worte fand Wolfgang Hasubick von der AfD. Stammheim werde vor vollendete Tatsachen gestellt, das zeuge nicht gerade von einem guten nachbarschaftlichen Verhältnis. „Kornwestheim ignoriert die Bedenken der Bürger“, sagte Hasubick und sprach vom „Sankt-Florians-Prinzip“. Zuerst müsse man die Bürger fragen und dann Fakten schaffen. Hier ergriff Bezirksvorsteherin Susanne Korge das Wort und verwies auf das kommunale Selbstverwaltungsrecht Kornwestheims.

Kritik an der Höhe des Minaretts

Nach den Beiräten hatte auch das Publikum Gelegenheit, Fragen zu stellen. „Warum muss das Minarett so hoch sein?“, wollte Stadtrat Bernd Klingler (Bündnis Zukunft Stuttgart 23) wissen. „Die Menschen sollen sehen, das es eine Moschee ist“, erwiderte Recep Aydin. Das würden Mitglieder und Spender auch so erwarten. Ein Bürger bezeichnete die Moschee als „optisch dominierendes Bauwerk“, dessen Turm höher werde als der Schornstein der Firma Sika – was laut Daniel Güthler nicht der Fall sein wird. In diesem Zusammenhang meldete sich Grünen-Bezirksbeirat Vincent Rieder zu Wort: Das Minarett sei „wichtig und richtig“ und es sei gut, wenn man es sehe. Auf weitere Nachfragen aus dem Publikum erläuterte Güthler, dass Einzelhandel auf dem Areal ausgeschlossen werde und eine Außenbewirtschaftung unzulässig sei.

Abschließend einigten sich die Beiräte auf Anregung von Stefan Kulle einstimmig auf folgende Wünsche: Dass es keine Außenlautsprecher und keine Muezzin-Rufe geben wird, soll ebenso in der Baugenehmigung festgeschrieben werden wie ein nur zu Wartungszwecken begehbares Minarett. Darüber hinaus bitten die Räte um frühzeitige Information, sollte der Bereich der Sigelstraße als Parkplatz oder zu anderen Zwecken entwickelt werden.

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