Foto: Malte Klein

Der Verein VKBI zeigt Interessierten die alte und die neue Moschee. Für die Moslems geht es um viel. Denn sie bauen gerade an der Wilhelm-Haas-Straße in Oberaichen eine neue Moschee. Wenn alles nach Plan geht, soll sie im Frühjahr fertig sein

Leinfelden-Echterdingen - Um 16.40 Uhr beginnt am Samstag in der Moschee an der Echterdinger Karlsruher Straße ein gemeinsames Gebet. In Reihen stehen die muslimischen Männer auf dem grün-rot-gestreiften Teppich und blicken in Richtung Südosten – gen Mekka in Saudi-Arabien. Das ist die heiligste Stadt im Islam, da sie der Geburtsort des Propheten Mohammed ist. Vorne vor der Gebetsnische in der Mitte steht Bilal Yilmaz, der stellvertretende Imam, mit dem Rücken zu den Gläubigen und betet. Die 22 Männer beugen sich vor und richten sich wieder auf. Einen Moment später knien sie sich hin und beugen ihre Oberkörper gen Boden. Einen Moment lang verharren sie so.

Muhammet Güçlü, der 38-jährige Vorsitzende des Vereins für Kultur, Bildung und Integration (VKBI), ordnet das Gebet später ein: „Wir beten jeden Tag fünf Mal. Für uns sind das jedes Mal Termine mit unserem Schöpfer.“ Güçlü ist seit September im Amt und hat das Fest der Nachbarschaft initiiert. Denn die muslimische Gemeinde möchte mit Bürgern der Stadt ins Gespräch kommen, mögliche Missverständnisse ausräumen und Vertrauen aufbauen. „Wir haben uns reorganisiert und intensivieren den Dialog“, sagt Güçlü. Ein Teil davon ist das Nachbarschaftsfest an diesem Wochenende. „Wir profitieren vom Leben hier und sind auch bereit, etwas zurück zu geben“, sagt der Vorsitzende.

Während des Freitagsgebets reicht der Raum nicht aus

Für Güçlü und die Gemeinde geht es um viel. Denn sie bauen gerade an der Wilhelm-Haas-Straße in Oberaichen eine neue Moschee. Wenn alles nach Plan geht, soll sie im Frühjahr fertig sein. Doch es kann auch anders kommen. Denn der Gemeinderat entscheidet wohl Mitte Dezember darüber, ob die Muslime auf dem Grundstück, das der VKBI inzwischen gekauft hat, weiter bauen dürfen. Der für sie ungünstigste Fall wäre, wenn die Stadt ihr Wiederkaufsrecht für das früher gepachtete Grundstück ausübt und damit den im September ausgesprochenen Heimfall umsetzt. Dann müsste die Stadt den Kaufpreis zurückzahlen und würde mit dem VKBI neu verhandeln.

Im Gebetsraum im Keller der Moschee an der Karlsruher Straße knien die Männer nun auf dem Boden und beten jeder für sich. „Fünf Durchgänge des Bewegens haben wir bei diesem Gebet“, sagt Güçlü später und schiebt hinterher: „Am Ende betet jeder für das, was ihm wichtig ist.“

Während des Freitagsgebets reicht der Raum nicht aus. Dann kommen 200 bis 300 Männer vorbei. Doch nicht alle finden einen Platz, so dass die Predigt in Nebenräume übertragen wird. Seit 1977 nutzen die Muslime diesen Raum fürs Beten.

Auch der evangelische Pfarrer Eckhard Schärer ist dabei

Einer der Gläubigen ist Savas Serin, der in Echterdingen lebt. „Für uns ist das alte Gebäude kein Zustand, in dem wir unsere Religion ausüben und in dem Integration stattfinden kann“, sagt er. Denn der VKBI bildet Kinder und Jugendliche in den Fragen der Religion aus. „Dafür haben wir hier aber gar nicht die Räume“, sagt er. Hinzu kämen Parkplatzprobleme.

Salih Gebreci lebt seit 1974 in Echterdingen und geht freitags dort beten. „Wir haben in Echterdingen keine andere Möglichkeit, darum beten wir dort“, sagt er. Doch die Kellerräume seien uralt und eng.

Am Sonntag zeigen Güçlü und der Imam Yilmaz, der auch Bauleiter ist, die Baustelle für die neue Moschee gut fünf Kilometer von Echterdingen entfernt. Interesse gibt es durchaus: Die beiden führen eine Gruppe von 20 Personen durch den Rohbau der Moschee. Auch der evangelische Pfarrer Eckhard Schärer ist dabei. Der katholische Pfarrer Hans Stehle war bereits am Samstag da, sagt Güçlü.

Oben im zweiten Stock steht Helga Koeppe aus Musberg im künftigen Gebetsraum der Männer. „Hier ist es ja hell“, sagt sie. Durch große Fensteröffnungen fallen Sonnenstrahlen hinein. Die Scheiben fehlen noch. Koeppe hat mal ein Modell der Moschee gesehen und ist neugierig auf das Gebäude. „Sie wird fast eine neue Sehenswürdigkeit für die Stadt“, sagt sie.

Unten zeigt Yildiz auf eine Bodenplatte: „Dort soll unser Gemeindezentrum entstehen.“ Gerhard Elsäßer, der an der Führung teilnimmt, hält das für wichtig. „Es hat ja auch jede Kirche ein Gemeindehaus.“ Das Hickhack um den Moscheebau stört ihn massiv. „Das ist ein Theater. Wir haben in Deutschland die Religionsfreiheit und den Verein gibt es seit 40 Jahren und man hat nichts Negatives darüber gehört.“ Seine Ehefrau Sabine Seebacher ergänzt: „Wir kennen die Muslime seit Jahrzehnten. Sie sind keine Fremden für uns.“

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