Nach dem Ende der juristischen Auseinandersetzungen zwischen der Stadt Leinfelden-Echterdingen und den örtlichen Muslimen, hat die Diskussion um die Fildermoschee neue Fahrt aufgenommen.
Der Titel der Veranstaltung könnte nicht passender sein: „Welche Räume braucht der Glaube?“ Am Sonntag, 29. September, bietet sich in Leinfelden-Echterdingen die Möglichkeit, Vorurteile abzubauen und Brücken zwischen Menschen, Religionen und Kulturen aufzubauen – heißt es zumindest im Ankündigungstext der Veranstalter. Der Verein LE Kultur-Point, die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen und der Arbeitskreis Geflüchtete in LE verstehen ihren Beitrag zur interkulturellen Woche der Stadt als einen Beitrag zum gesellschaftlichen Frieden.
Startpunkt der interreligiösen Begegnung ist die Karlsruher Straße 15 bis 17 – also just jener Ort, an dem sich die Mitglieder des muslimische Vereins für Kultur, Bildung und Integration (VKBI), noch immer jeden Freitag zum Gebet treffen. Denn ihr neues Gebetshaus im Oberaichener Gewerbezentrum ist bekanntlich zwar seit einigen Jahren fast fertig gebaut. Ob und wann die Gemeinde dort aber tatsächlich ihre Religion ausüben kann, steht noch immer in den Sternen.
Immerhin hat nach dem Ende der juristischen Auseinandersetzung zwischen der Stadt und den Muslimen und unter der Regie des neuen Rathauschefs Otto Ruppaner nun die kommunalpolitische Diskussion um die Moschee auf den Fildern neue Fahrt aufgenommen. Der neu gewählte Gemeinderat und die Verwaltungsspitze haben sich bei einer nichtöffentlichen Infoveranstaltung – also hinter verschlossenen Türen – ausgetauscht. „Es war ein langer Abend“, ist zu hören, „aber gleichzeitig auch eine sehr informative Veranstaltung“, die es vielleicht schon vor vielen Jahren gebraucht hätte, um mit Ressentiments und falschen Vorstellungen aufzuräumen.
Friedmann Eißler, Islambeauftragter der evangelischen Landeskirche, war bei der nichtöffentlichen Veranstaltung zu Gast und hat dort klarstellt, dass weder der VKBI noch der Kölner Dachverband VIKZ politisch aktiv oder gar gewalttätig seien. Beide hätten auch nichts mit einem islamistischen Gedankengut am Hut. Diese Einschätzung vertritt der Theologe auch in einem Gespräch mit unserer Zeitung. „Der Verein und der Verband, die nicht getrennt voneinander betrachten werden können, pflegen ihre Religiosität“, sagt er. „Sie konzentrieren sich dabei auf innere Themen.“ Der VIKZ und damit auch der VKBI stehe für ein konservatives Weltbild und eine strenge Ausübung des Islams. Bildung sei für die Muslime wichtig, wenn auch dieser Bildungsbegriff nichts damit zu tun habe, wie in Deutschland politische Bildung begriffen werde. Seiner Einschätzung nach hege der VIKZ schon die Hoffnung, dass diese Gesellschaft einmal von muslimischen Werten geprägt sei. Das sei in Deutschland nicht verboten. Dennoch könne man schon unterschiedlicher Meinung sein, ob dies staatlich oder wie im Fall von Leinfelden-Echterdingen kommunal gefördert werden sollte. Für Eißler gelte es, den VKBI mehr in die Stadtgesellschaft einzubinden.
Soviel zu der Infoveranstaltung – zu der auch eine lange Fragerunde der Kommunalpolitiker gehört hat. Wie aber geht es nun weiter? „Wir haben jetzt auch die Schlüsselgewalt über das Gebäude“, sagt Oberbürgermeister Otto Ruppaner unserer Zeitung. Das Gebetshaus wurde besichtigt und festgestellt: „Der Zustand ist ein unfertiger“, wie es der Rathauschef formuliert. Die Stadt hat deshalb ein Gutachten in Auftrag gegeben, das verschiede Fragen beleuchten soll: In welchem Zustand ist das Gebetshaus? Welcher Schaden ist eingetreten über die lange Zeit, in der die Baustelle geruht hat? Ist das Gebäude überhaupt noch fertigstellbar und wenn ja, was würde das kosten? Wenn das Ergebnis des Gutachtens vorliege, werde gemeinsam mit dem Gemeinderat über weitere Schritte beraten.
Otto Ruppaner selbst kann es sich im Lichte der zahlreichen Aufgaben, welche die Stadt zu bewältigen habe und angesichts der aktuellen Haushaltssituation nicht vorstellen, dass die Kommune in der Lage sein werde, sich ein zusätzliches Gebäude aufzulasten, das auch Unterhalt koste. „Ich glaube, dass wir da eine andere Lösung brauchen“, sagt er. Er betont aber auch, dass ein Abriss des Gebetshauses weiter nicht im Raum stehe. „Wir werden uns in naher Zukunft auch mit den Vertretern des VKBI austauschen“, verrät erf. Dieses Gespräch ist dem Vernehmen nach schon für diese Woche geplant.
Zankapfel Schülerwohnheim
Moscheestreit
Der Verein für Kultur, Bildung und Integration (VKBI) hat mit Unterstützung des Kölner Dachverbandes VIKZ im Oberaichener Gewerbegebiet ein Gebetshaus fast fertig gebaut. Die Muslime hatten dort noch weitere Räume für die Gemeinde geplant – darunter ein Schülerwohnheim. Doch die Kommune und der Verein streiten sich seit geraumer Zeit über den Weiterbau des Moscheeprojektes. Zankapfel war das Wohnheim.
Schlüsselgewalt
Drei Gerichte haben sich mit diesem Fall schon beschäftigt. Das Ergebnis: Die Moschee-Baustelle hat jahrelang geruht. Die Stadt ist nun Eigentümerin des von den Muslimen errichteten Gebetshauses. Sie hat die Schlüsselgewalt. Kurz vor der Kommunalwahl hatte die örtliche CDU vorgeschlagen, das Gebäude künftig als Haus der Kulturen für alle Bürger zu nutzen. Teile davon könnte der VKBI zur Ausübung der Religion anmieten, so deren Vorschlag.