Ein Boot mit etwa 100 Menschen, die aus der überfluteten Region Búzi in Mosambik gerettet wurden, legt am Strand an. Das Schiff hatte zuvor den Hafen von Beira wegen der rauen See nicht erreichen können. Foto: Kate Bartlett/dpa

Babys sterben im Krankenhaus, weil der Strom ausfällt. Es drohen schwere Epidemien. Das berichten Helfer aus dem Katastrophengebiet in Mosambik.

Beira/Stuttgart - Nach dem verheerenden Wirbelsturm Idai befürchten Hilfsorganisationen den Ausbruch lebensgefährlicher Krankheiten in den betroffenen Ländern Mosambik, Simbabwe und Malawi. „Wir sitzen auf einer tickenden Zeitbombe“, sagt der Präsident der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRK), Elhadj As Sy, in Genf.

„Wir bereiten uns schon auf das Schlimmste vor“

Hunderttausende Menschen seien dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen, betonte der IFRK-Präsident. Besonderes Augenmerk müsse dabei auf Hygiene-Einrichtungen und sauberes Wasser gelegt werden. Es bestehe ein „hohes Risiko für durch Wasser übertragbare Krankheiten“ wie Cholera oder Typhus. Die Regierung in Mosambik habe bereits Cholera-Verdachtsfälle registriert. „Wir bereiten uns schon auf das Schlimmste vor.“

Wir sprachen mit Jennifer Bose, Mitarbeiterin der Hilfsorganisation Care, die vor drei Tagen in Beira eingetroffen ist, um die Kommunikation mit Care Deutschland und die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Die 500 000-Einwohner Hafenstadt Beira liegt im Zentrum Mosambiks, rund 1100 Kilometer nördlich der Hauptstadt Maputo. In und um Beira hat der Zyklon Idai besonders schwere Schäden angerichtet.

„Die Situation in Mosambik ist katastrophal“

Frau Bose, wie ist die derzeitige Lage in Mosambik und vor allem in Beira?

Die Situation in Mosambik ist weiterhin katastrophal. Die Menschen kämpfen immer noch mit den Folgen des Wirbelsturms Idai und den Überschwemmungen. Rund um Beira haben sich Binnenmeere gebildet. Die Wassermassen standen bis vor kurzem acht Meter hoch. Inzwischen ist das Wasser etwas zurückgegangen. Aber wir befinden uns immer noch in der Regenzeit. Weiterhin besteht das Risiko von neuen Wirbelstürmen und Regenfällen.

Wie kommen die Helfer angesichts der zusammengebrochenen Infrastruktur voran und bringen die Hilfsgüter zu den Betroffenen?

Wir kämpfen mit großen logistischen Herausforderungen, um die Menschen zu erreichen. Wir brauchen Boote und Hubschrauber. Das ist nicht nur teuer, sondern auch extrem aufwendig. Es bedeutet, dass wir pro Flug nur eine begrenzte Menge an Hilfsmittel liefern können.

Sind ausreichend Hilfsgüter vor Ort oder sind alle gelagerten Reserven bereits erschöpft?

Bisher konnten wir tatsächlich unsere eignen Hilfsmittel, die in Mosambik lagern, nutzen. Aber unsere Ressourcen sind nahezu erschöpft. Wir brauchen unbedingt Hilfsgüter aus dem Ausland und die finanziellen Mittel, damit wir weitere Hilfe leisten können.

Wie viele Helfer hat Care in Beira?

Derzeit sind es rund 70 Personen. Fast alle sind Einheimische. Aber es kommen auch immer mehr Helfer aus dem Ausland zur Unterstützung.

Wie groß ist die Gefahr von Seuchen?

Durch die Fluten besteht akute Seuchengefahr. Durchfallerkrankungen wie Cholera und Fieber wie Malarai könne sich sehr schnell ausbreiten. Erste Fälle von Cholera sind schon gemeldet worden. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, um die Menschen schnellstmöglich mit Hilfe zu versorgen.

Wie lange wird es dauern, bis die Nothilfe im großen Stil greifen wird?

In den vergangenen Tagen haben wir vor allem mit logistischen Hürden kämpfen müssen. Inzwischen ist die Koordination schon sehr viel besser und schneller. Unsere Hilfsleistungen laufen seit dem einigen Tagen auf Hochdruck. Die Hilfsgüter sind in Beira inzwischen angekommen und werden mit Helikoptern und Lkws weitertransportiert. Zusätzlich sind mehrere Hubschrauber aus dem Ausland eingetroffen. Auch die Straßen werden derzeit wieder aufgebaut.

Info: Die Lage in Mosambik

Nach UN-Angaben sind durch den Zyklon Idai rund 600 000 Häuser zerstört worden, mehr als 2,6 Millionen Menschen brauchen dringend Hilfe zum Überleben.

Das Katastrophengebiet erstreckt sich über hunderte Kilometer in Südostafrika von der Küste Mosambiks ins Binnenland nach Simbabwe und Malawi. 15. März hatte der tropische Wirbelsturm Mosambik, Malawi und Simbabwe verwüstet und weite Landstriche unter Wasser gesetzt.

Die Region um die Hafenstadt Beira im Zentrum des südostafrikanischen Landes ist besonders schwer betroffen. Mehr als 600 Menschen sind laut Regierungsangaben ums Leben gekommen. Die wahre Zahl dürfte deutlich höher liegen.

In Beira kommen zu den rund 500 000 Einwohnern noch Zehntausende Vertriebene aus der Umgebung, die bei dem verheerenden Unwetter alles verloren haben. Allein in Beira sind 11 000 Häuser völlig zerstört, ebenso fast alle Schulen und Gesundheitszentren.

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