Moritz Bleibtreu findet, dass man in Zeiten wie diesen etwas zum Lachen braucht, sucht aber in Komödien auch nach Wahrhaftigkeit und ist jetzt in der Serie „Viktor bringt’s“ bei Amazon Prime zu sehen.
Moritz Bleibtreu spielt in der Amazon-Prime-Comedyserie „Viktor bringt’s“ einen Mann, der zusammen mit seinem Sohn Mika in Berlin Kaffeemaschinen, Fernseher oder Mähroboter ausliefert. Noch skurriler als dieses sehr ungleiche Vater-Sohn-Gespann sind nur die Menschen, die die beiden in den Wohnungen erwarten.
Herr Bleibtreu, sind Komödien wie „Viktor bringt’s“ in so schlimmen Zeiten wie diesen besonders wichtig?
Für mich schon. Vieles, was ich sonst so sehe, ist mir zu grau und zu dunkel.
Die Serie ist dagegen schrill und bunt. Ist „Viktor bringt’s“ tatsächlich so etwas wie eine Variante von „Tatortreiniger“ – nur ohne Tote, wie Philip Pratt, der Chef der deutschen Originale der Amazon Studios, behauptet?
Ich habe immer Schwierigkeiten mit solchen Vergleichen. Ich schaue auch gar nicht so viele Serien und kenne den „Tatortreiniger“ nicht gut genug, um das beurteilen zu können.
Wie würden Sie dann selbst die Idee der Serie beschreiben?
Das ist erst einmal eine Vater-Sohn-Geschichte. Da ist der Vater, der so tut, als ob er eine Art Selfmade-Millionär wäre. Und da ist der Sohn, der eigentlich bei der Mutter lebt, aber jetzt beim Unternehmen seines Vaters anpackt. Es ist ein Kammerspiel, jede Episode spielt in einer anderen Kunden-Wohnung. Und es ist ein Schauspielfest, weil in diesen Wohnungen immer wieder ganz großartige Schauspieler auf uns warten.
Zum Beispiel Heino Ferch, Caroline Peters, Jasna Fritzi Bauer, Jacob Matschenz oder David Kross zum Beispiel. Welche Begegnung war für Sie am spannendsten?
Jeder für sich war spannend. Heino Ferch zum Beispiel, den ich noch nie in so einer Rolle gesehen habe. Das war unheimlich witzig. Jeder bringt was anderes an den Tisch. Ich kam mir vor wie bei der Muppet Show: Jede Woche eine neue Geschichte, jede Woche darf Kermit einen neuen Gaststar begrüßen. Das war auch für die Gäste praktisch: Man arbeitet eine Woche am Stück, dreht chronologisch, und dann geht’s weiter. Ich mache schon bei allen meinen Kollegen Werbung, dass sie mitmachen sollen, falls es eine weitere Staffel gibt.
Und die sollte es Ihrer Meinung nach unbedingt geben?
Ja, die Show traut sich auf der einen Seite unheimlich albern zu sein, gleichzeitig gelingt es ihr aber auch, den einzelnen Figuren eine großartige Wahrhaftigkeit mitzugeben. So etwas passiert meiner Meinung nach in diesem Genre eher selten. Diese Wahrhaftigkeit ist mir wichtig, wenn man eine Serie macht, geht man ja davon aus, dass man ein bisschen länger mit der Figur, die man spielt, zu tun haben könnte.
Und in welchem Job ist Viktor besser: als Service-Techniker oder als Vater?
Er ist in beiden Jobs eine totale Katastrophe. Aber auch deshalb wäre es gut, noch ein paar weitere Staffeln zu bekommen, dann hat er die Chance etwas dazu zu lernen.
Viktor sieht das anders. Er sagt: „Ich mache keine Fehler!“ Erkennen Sie sich manchmal trotzdem in der Rolle wieder?
Ich kann mich ihm über sein Temperament und seinen Humor nähern. Er hat aber einen ganz anderen Charakter als ich. Er trägt so eine Dualität mit sich herum, denkt immer in Schwarz und Weiß. Vieles in der Welt befindet sich aber irgendwo dazwischen. Da bin ich schon ganz anders als Viktor.
Ein bisschen lernt er aber schon in der ersten Staffel dazu.
Im wirklichen Leben wird der Generationskonflikt ja gerade mit einer enormen Schärfe ausgetragen. Und ich finde, das macht die Serie sehr gut: Sie verhandelt diesen Konflikt anhand von zwei Menschen, von Vater und Sohn, die sich in ihren Herzen wirklich mögen. Und beide lernen voneinander, erkennen, wie wichtig das Miteinander und das Nebeneinander von unterschiedlichen Gesellschaftsentwürfen ist.
Die Chemie zwischen ihnen und Enzo Brumm, der Viktors Sohn Mika spielt, funktioniert wunderbar. War es harte Arbeit, das hinzubekommen oder ging das ganz selbstverständlich?
Das Erste, was ich gedacht habe, als ich zu dem Projekt gestoßen bin, war: Es wird nicht leicht sein, den Jungen zu finden. Und das Erste, was ich gedacht habe, als Enzo in den Raum kam und die gesagt haben „Das ist jetzt dein Sohn!“, war: Der sieht ja überhaupt nicht so aus wie ich! Doch Enzo hat sich diese Rolle erspielt. So eine Chemie kann man nicht künstlich herstellen. Das ist zwar eine Vater-Sohn-Story, aber letztlich auch eine Buddy-Komödie. Und zwischen uns beiden hat das gut funktioniert. Das ist auch deshalb wichtig, weil wir bei den Dreharbeiten zwei Monate jeden Tag sehr viel Zeit miteinander verbringen mussten.
Moritz Bleibtreu und „Viktor bringt’s“
Person
Moritz Bleibtreu, 1971 in München geboren, wurde durch Filme wie „Knockin’ on Heaven’s Door“ (1997) und „Lola rennt“ (1998) bekannt, und spielte bisher in über 90 Kino- und TV-Produktionen mit.
Serie
Die achtteilige Comedyserie „Viktor bringt’s“ startet am Donnerstag, 30. Mai, bei Prime Video. Moritz Bleibtreu spielt den Service-Techniker Viktor Kudinski, der zusammen mit seinem Philosophie studierenden Sohn Mika (Enzo Brumm) Elektrogeräte in Berlin ausliefert und dabei auf exzentrische Berliner Kundinnen und Kunden treffen, die von Gaststars wie Heino Ferch, David Cross, Caroline Peters oder Caro Cult dargestellt werden.