Der Angeklagte ließ von seinen Anwälten eine Erklärung verlesen – darüber hinaus sagt er nichts. Foto: Gottfried Stoppel

Beim Auftakt hat der angeklagte Exfreund gestanden, eine junge Frau aus Backnang getötet zu haben. Er spricht nun jedoch von Drogensucht – und von einem Mittel gegen Pickel. Was es damit auf sich hat:

Backnang/Stuttgart - Von Drogen war in dem Prozess um den Tod der jungen Backnangerin Katharina K., der wegen Verfahrensfehlern jetzt am Landgericht Stuttgart neu aufgerollt worden ist, bislang nie eine Rede gewesen. Gegenüber der Richterin, die ihn damals in U-Haft schickte, hatte der Angeklagte Daniel E. jegliche Drogen- und Alkoholprobleme verneint. Zum Beginn des zweiten Prozesses behauptete der Ex-Freund des Opfers dann aber, er habe Aufputschmittel und Kokain konsumiert – und zudem seit dem Jahr 2012 missbräuchlich Aknemittel genommen, die eine „deutlich erhöhte Aggressivität“ bei ihm bewirkt hätten. Die Tötung von K. hat er zugegeben – er stellte die Geschehnisse als eskalierten Streit dar.

Drogensucht lässt sich nach all der Zeit schwer beweisen

Aggressiv durch ein Aknemittel – kann das sein? Die Rede ist von dem Wirkstoff Isotretinoin. Entsprechende Medikamente sind verschreibungspflichtig. Das unabhängige wissenschaftliche Netzwerk Cochrane hat 31 Studien zum Thema verglichen und fand keine belastbaren Hinweise auf schwere Nebenwirkungen. Das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte warnt allerdings tatsächlich, dass der Wirkstoff in Tablettenform zu Stimmungsschwankungen, selten auch zu Depressionen und Selbstmordversuchen und sehr selten zu „anormalem Verhalten“ und psychotischen Störungen führen könne.

Ob E. und seine Anwälte eine Drogen- oder Medikamentensucht zur zentralen Säule ihrer neuen Verteidigungsstrategie machen wollen, ist noch unklar: Mit dem psychiatrischen Gutachter will der Angeklagte nicht reden. Und Drogenkonsum nach mehr als zwei Jahren nachzuweisen, wird nur schwer – und wohl nur durch Zeugenaussagen, nicht durch medizinische Tests – möglich sein.

Lesen Sie hier unsere Chronik zum Mordfall Katharina K.

Die meisten Prozessbeteiligten dürften auch die neue Version der Geschehnisse, die E. am Mittwoch geschildert hat, bezweifeln. Denn im ersten Prozess hatten Zeugen – und auch er selbst – einen Menschen präsentiert, der für alles eine Erklärung hatte. Vermeintliche Würgemale während der On-Off-Beziehung mit ihm seien Knutschflecke von anderen Männern gewesen. Wenn das Jobcenter wegen mutmaßlich erschwindelter Leistungen Ärger machte, wurden ärztliche Bescheinigungen gefälscht. Und wenn die Familie seiner Freundin sich in das Leben des Paares einmischte, soll E. im Namen seiner Freundin kränkende Kurznachrichten an deren resolute Schwester verschickt haben, um den Kontakt mit Katharina K. zu sabotieren.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: