Die Zeichnung von Anne Gyrite Schütt zeigt den Angeklagten Peter Madsen (links) und den Staatsanwalt Jakob Buch-Jepsen (rechts) am ersten Verhandlungstag des Mord-Prozesses gegen dänischen U-Boot-Bauer. Foto: dpa

Der U-Boot-Konstrukteur Peter Madsen soll im vergangenen August die schwedische Journalistin Kim Wall umgebracht haben. Der Angeklagte beteuert, es habe sich um einen Unfall gehandelt. Die Prozessbesucher erfahren ein herzzerreißendes Detail.

Kopenhagen - Es war kein gewöhnlicher Prozess, der an diesem grau-kalten Tag im Gerichtssaal Nr. 60 des Amtsgerichts in Kopenhagen begann. Denn seit Donnerstag muss sich Peter Madsen (47) vor Gericht verantworten. Dem Raketen- und U-Boot-Bauer wird vorgeworfen, im August vergangenen Jahres die 30-jährige schwedische Journalistin Kim Wall an Bord seines U-Bootes Nautilus UC 3 gefoltert und umgebracht zu haben. Er bestreitet das und spricht von einem Unfall.

Als Peter Madsen den Gerichtssaal betritt, richten sich die Blicke der 36 Zuhörer, unter ihnen Angehörige von Kim Wall, auf den schmächtigen Mann. Seine Augen versteckt er an diesem Donnerstag Vormittag hinter einer dunklen Brille. Die Richterin Anette Burkø fragt Madsen gleich zu Beginn der Verhandlungen, ob er den Mord an Kim Wall zugibt. „Nein“, sagt der Angeklagte kurz, gibt aber zu, die Leiche von Wall zerstückelt und im Meer versenkt zu haben.

Staatsanwalt Jakob Buch-Jepsen benötigt den gesamten Vormittag, um Details der Untersuchungen vorzutragen. Vieles war zuvor bekannt, einiges nicht. Unter anderem, dass Kim Wall vom U-Boot aus noch vier SMS an ihren Freund schickte. „Ich lebe übrigens noch“, hieß es in einer der in englisch verfassten Kurznachrichten. „Wir tauchen jetzt ab“, „Ich liebe Dich“, „Er hat sogar Kaffee und Kekse mitgebracht“ in den anderen.

Madsen erzählt im Gerichtssaal seine Version der Vorgänge

Peter Madsen schaut während der Anklageverlesung nur kurz in den Zuschauerraum, meist ist sein Blick nach unten gerichtet. Am frühen Nachmittag gibt der U-Boot-Konstrukteur seine Version der Geschehnisse an Bord der 18 Meter langen und über 30 Tonnen schweren Nautilus ab. Durch einen Fehler, der schon früher einmal aufgetreten ist, sei nach dem Start der Motoren und Kompressoren Unterdruck im Inneren des U-Bootes entstanden. Während sich die Journalistin im U-Boot aufhielt, habe er sich zu dem Zeitpunkt an Deck befunden.

Wegen des Unterdrucks sei es unmöglich gewesen, die Luken von außen zu öffnen. Als es ihm schließlich gelang, habe er die leblose Wall unter Deck aufgefunden. Dass er zunächst andere Ursachen für ihren Tod angegeben hat, erklärte Madsen mit Rücksichtnahme auf die Eltern der Journalistin. „Wäre eine Luke auf ihren Kopf gefallen, hätte sie direkt das Bewusstsein verloren. Fällt der Luftdruck und Auspuffgase gelangen ins Innere ist das nicht so“, erklärte er. Nach dem Tod der Journalistin habe er nicht mehr rational handeln können, erklärte Madsen auf die Frage, warum er die Leiche zerstückelt habe.

Die junge Journalistin wollte eine Reportage über den Mann schreiben

Der Fall der getöteten Kim Wall hatte im vergangenen Sommer für weltweite Schlagzeilen gesorgt. Kim Wall war am 10. August an Bord von Madsens U-Boot gestiegen U-Boot gegangen. Die junge Journalistin wollte eine Reportage über den Mann schreiben, der mit seiner Nautilus und seinen Entwicklungen einer kostengünstigen Rakete auch weltweit für Aufsehen gesorgt hatte.

Als Wall in der Nacht nicht von dem Ausflug zurückkam, meldete sie ihr Freund bei der Polizei als vermisst. Kurz darauf nahm Madsen selbst Kontakt mit der Polizei auf und berichtete von technischen Problemen mit seinem U-Boot. Kurz darauf wurde er von einem Boot gerettet, die Nautilus sank.

Schon früh zweifelte die dänische Polizei an der Aussage von Madsen, er habe Kim Wall noch am Abend wieder an Land abgesetzt. Der 46-Jährige wurde festgenommen. Der Verdacht gegen den Erfinder erhärtete sich, als er seine ursprüngliche Aussage mehrfach änderte und zuletzt von einem tödlichen Unfall an Bord der Nautilus sprach.

Die Polizei spricht von mindestens 15 Messerstichen

Nach Madsens letzter Version der Hergänge an Bord der Nautilus starb Wall an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung. Er streitet aber weiterhin ab, die Journalistin ermordet zu haben, obwohl sich nach Angaben der Polizei mindestens 15 Messerstiche im Torso der Schwedin befanden. Obwohl die dänische Polizei alle Leichenteile gefunden hat, ergab die Obduktion keine eindeutigen Aufschlüsse über die Todesursache. Die Staatsanwaltschaft wirft Madsen außer Mord auch schweren sexuellen Missbrauch und Leichenschändung vor.

Staatsanwalt Buch-Jepsen erklärte, man habe Hinrichtungsvideos auf einem Computer von Madsen gefunden. Außerdem habe der Tüftler im Internet nach Foltervideos gegoogelt. Immer wieder fragt Buch-Jepsen nach den sexuellen Vorlieben von Madsen. „Der menschliche Geist schlägt manchmal seltsame Haken“, erklärt Madsen, der zugibt, ein großes sexuelles Interesse an Frauen zu haben.

Ein Rechtspsychiater bescheinigte Madsen vor Prozessbeginn „schwere sexuelle Störungen“. Er sei aber nicht psychisch krank, heißt es in dem Gutachten. Während des insgesamt auf zwölf Verhandlungstage angesetzten Prozesses hat die Staatsanwaltschaft insgesamt 29 Zeugen berufen, die Verteidigung acht. Ob am 25. April, dem letzten Gerichtstag, bereits ein Urteil fallen wird, ist noch unklar. Die Staatsanwaltschaft hat eine lebenslange Haftstrafe beantragt.

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