Der Angeklagte beim Prozessauftakt am Landgericht Foto: Sebastian Steegmüller

Wegen Mordes angeklagter 54-Jähriger gesteht auch am Landgericht, seine Ehefrau getötet zu haben. Nach einer weiteren Schimpftirade habe er einen Blackout gehabt. Anschließend lag die Leiche drei Monate in der gemeinsamen Wohnung.

Gegenüber der Polizei hatte der 54 Jahre alte Angeklagte bereits kurz nach seiner Festnahme eingeräumt, dass er seine Ehefrau am 28. November 2023 in der gemeinsamen Wohnung in Stuttgart-Ost mit einem Kissen erstickt hat, am zweiten Prozesstag folgte nun auch das Geständnis am Landgericht Stuttgart. „Ich habe einen Blackout gehabt, wollte nur, dass sie einen Moment ruhig ist“, hieß es in der Erklärung, die seine Verteidigerin am Freitagvormittag in Saal 1 in seinem Namen vorgelesen hat.

 

Liebe auf den ersten Blick

In der Einlassung wurde geschildert, was aus seiner Sicht in den Monaten vor der Tat geschehen ist. „Als wir uns das erste Mal nach dem Klassentreffen wieder sahen, war es für uns beide wie Liebe auf den ersten Blick.“ Er habe „innige Vertrautheit“ gespürt, das Zusammenleben sei nahezu perfekt gewesen. „Uns war ziemlich schnell klar, dass wir heiraten wollen.“ Nach der kirchlichen Trauung soll sich seine Frau aber sehr verändert haben. „Es war, als hätte jemand den Schalter bei ihr umgelegt.“ Nach außen hin sei sie immer noch die gleiche tolle Frau gewesen, zu Hause jedoch nicht mehr. Dort habe sie meist am Tablet oder Handy gehangen. Darüber hinaus sollen sich Beleidigungen gehäuft haben. Unter anderem habe sie dem arbeitslosen Koch vorgeworfen, dass die von ihm zubereiteten Speisen nicht schmecken würden und er sie sexuell nicht befriedigen könne. Auch am Tattag habe er wieder eine Schimpftirade über sich ergehen lassen müssen, ehe es zum bereits erwähnten Blackout gekommen sei.

Zum Tötungsdelikt machte der Angeklagte keine Angaben, ebensowenig zum Geschehen danach. Nach bisherigen Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft hat sich der 135 Kilo schwere Mann im Schlafzimmer auf den Oberkörper der 52-Jährigen gesetzt und sie mit einem Kissen erstickt. Dann soll er die Leiche mit Decken und Kissen bedeckt und die Fenster und Türen des Raumes mit Folien abgeklebt haben, um zu verhindern, dass Geruch nach draußen dringt.

Die Frau wurde bei der Arbeit zunächst nicht vermisst, weil er sie laut Anklage telefonisch krankgemeldet hatte. Offenbar hat er auch im Anschluss in ihrem Namen Nachrichten verschickt, um keinen Verdacht zu erwecken. Anfang März wurde die Leiche jedoch entdeckt, drei Wochen später der Mann wegen Mordverdachts festgenommen. Bis dahin soll der 54-Jährige viel gereist sein, meist nach Österreich. Er kehrte aber wohl auch immer wieder in die Wohnung zurück.