Das Landgericht Stuttgart rollt den Prozess um den Tod einer Backnangerin teilweise neu auf (Symbolbild). Foto: Weingand/STZN

In der Neuauflage des Prozesses drehen sich die meisten Fragen um das Motiv und möglichen Drogenkonsum des Angeklagten. Unter anderem sagte eine enge Freundin des 23-Jährigen aus.

Backnang/Stuttgart - Zweieinhalb Jahre sind seit dem gewaltsamen Tod der 22-jährigen Backnangerin Katharina K. verstrichen. Doch auch in der Wiederauflage des Prozesses vor dem Landgericht Stuttgart ist zu spüren, wie sehr die Ereignisse viele der Betroffenen noch mitnehmen. Am Mittwoch sagte unter anderem eine enge Freundin des Täters aus.

Im ersten Prozess, vor der erfolgreichen Revision, war sie noch in den Verdacht der Mittäterschaft geraten. Davon war nun keine Rede mehr, dennoch setzte der 28-Jährigen die Vernehmung sichtlich zu. Immerhin hatte der Angeklagte Daniel E. sie in der Tatnacht dazu überredet, für ihn eine Paketlieferung vom Stuttgarter Flughafen nach Kassel zu fahren – obwohl sie keinen Führerschein besaß. Als Ausrede soll er vorgebracht haben, auf die Kinder aufpassen zu müssen. In Wahrheit war er damit beschäftigt, die Leiche seiner Exfreundin im Keller eines Backnanger Wohnhauses zu verstecken.

Das Motiv und Drogen sind nun strittig

Was die Zeugen in der Neuauflage des Prozesses aussagen, unterscheidet sich meist nicht von dem, was sie schon im vergangenen Prozess erzählt hatten. Die Fragen von Anklage und Verteidigung zielen indes auf andere Details ab. Denn relevant sind diesmal vor allem die Fragen nach dem Drogenkonsum des Angeklagten und nach seinem Motiv.

Lesen Sie hier unsere Chronik zum Tod der jungen Backnangerin

Ihrer Anwältin hatte Katharina K. zum Beispiel kurz vor ihrem Tod erzählt, dass sie glaube, dass ihr Ex-Freund das gemeinsame Sorgerecht für den kleinen Sohn nur anstrebe, um einer drohenden Haftstrafe wegen Betrugs zu entgehen. Diese Vermutung hatte das Landgericht Stuttgart in seinem ersten Urteil aufgegriffen und daraus auf das Mordmerkmal „niedrige Beweggründe“ geschlossen.

Keine Indizien für Kokainkonsum

In der Neuauflage des Prozesses hatte E. erstmals behauptet, ein Drogenproblem gehabt zu haben. Von Rauschgift will bei ihm allerdings nie jemand etwas bemerkt haben. Weder Fachleute von den Ämtern, die mit ihm zu tun hatten, noch seine enge Freundin, bei der er wochenlang gewohnt hatte, bemerkten bei ihm übermäßigen Alkoholkonsum. „Hatte er in jener Nacht ein gesteigertes Mitteilungsbedürfnis?“, wollte der psychiatrische Sachverständige von der jungen Frau wissen. Dies hätte ein Hinweis auf Kokainkonsum sein können. Die 28-Jährige verneinte. E. habe sie mit dem Paket-Transporter zu einem Zwischenstopp nach Backnang zitiert, dabei „ganz normal“ gewirkt und einen Schlüssel aus dem Auto geholt – den Kellerschlüssel, den er brauchte, um die sterblichen Überreste K.s zu verbergen.

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