Am fünften Tag im Sindelfinger Mordprozess haben weitere Zeugen ausgesagt. Sie beschreiben auch die Beziehung zwischen dem Angeklagten und der toten Frau.
Die Richter der 1. Großen Strafkammer des Stuttgarter Landgerichts haben am fünften Tag im Sindelfinger Mordprozess versucht, anhand von Zeugenaussagen von Freunden und Bekannten das Verhältnis des Angeklagten zum späteren Mordopfer zu erhellen. Bisher hat sich der 46-jährige Angeklagte nicht zu den Tatvorwürfen geäußert.
Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, seine ehemalige 38-jährige Bekannte am 23. Februar vergangenen Jahres im Wald in der Nähe des Sindelfinger Mönchbrunnens heimtückisch ermordet zu haben und die Leiche in einem 46 Zentimeter breiten und 50 Zentimeter hohen Amphibiendurchlass versteckt zu haben. Er habe die Frau auf ihrem Heimweg von der Arbeit im Restaurant der Sindelfinger Schützengilde abgepasst, sie von ihrem E-Scooter gezogen und durch Gewalt gegen den Hals getötet. Ihre Leiche wurde erst drei Monate später von Waldarbeitern gefunden.
Keine Erinnerung oder keine gute
Ein Bauarbeiter, der den Angeklagten von der gemeinsamen Ausbildung in der Ukraine kannte und mit ihm in derselben Firma in der Nähe des Bodensees arbeitete, erklärte, er sei grundsätzlich gut mit dem Angeklagten ausgekommen. Es sei allerdings vorgekommen, dass sie nach einem Streit um die Lagerung von Abfall einige Monate lang nicht miteinander gesprochen hätten.
Richtig sei, dass er auf eine Frage der Freundin des Angeklagten, ob dieser am 23. Februar zu Hause gewesen sei, mit Ja geantwortet habe. Er habe dem Angeklagten diese Nachricht in seinem Handy gezeigt, dieser habe darauf aufgebracht gefragt, was das mit ihm zu tun habe. Aus eigener Erinnerung wisse er dies aber nicht mehr.
Alkohol habe der 46-Jährige nur in Maßen getrunken, aggressiv habe er ihn nie erlebt. Vor seiner polizeilichen Vernehmung habe er nie etwas von den Gerüchten gehört, dass der Angeklagte bei der Fremdenlegion gewesen sei oder eine Wohnung in Moskau angezündet habe. Er habe ihm nur einmal erzählt, dass er Opa geworden sei.
Eine 36-jährige Bekannte des Opfers berichtete, der Angeklagte sei ihr bei einem Gespräch, bei dem sie am Telefon gedolmetscht hatte, merkwürdig vorgekommen. Bei diesem Gespräch zwischen den Kindern der getöteten 38-Jährigen und einigen Freunden habe der Angeklagte „massiv auf die Töchter eingewirkt“. Er habe mehrfach nach dem Telefon der Frau gefragt, das sei ihr seltsam vorgekommen.
Der Angeklagte wirkte offenbar angsteinflößend
Zudem wurden die polizeilichen Vernehmungen von zwei Bekannten des Opfers verlesen, in denen beide erklärten, dass die Frau vor dem Angeklagten Angst gehabt habe. Eine Frau erklärte, die 38-Jährige sei normalerweise eine fröhliche Frau gewesen, die bei Feiern als Erste auf der Tanzfläche war und schnell Menschen für sich gewinnen konnte. Als sie einmal mit dem Angeklagten und dessen Partnerin unterwegs waren, sei die Angeklagte „ganz klein“ gewesen. Ihr hätten der Angeklagte und seine Frau auch nicht gefallen. Sie habe auch gesehen, wie die beiden Frauen auf der Toilette Kokain konsumiert hätten.
Die Frau wollte ein Restaurant eröffnen
Ein mongolischer Landsmann der 38-Jährigen hatte gegenüber der Polizei ausgesagt, dass die Frau einmal extra zu ihm in die Nähe von Dortmund gekommen sei, um sich bei ihm auszuweinen. Sie sei angespannt und nervös gewesen und habe erzählt, dass der Angeklagte bei einem Streit mit seiner Partnerin sehr aggressiv geworden sei. Kennen gelernt hätten sie sich, weil die 38-Jährige geplant hatte, ein Restaurant in Deutschland zu eröffnen und er dafür Werbung machen wollte.
Für den Prozess sind in der kommenden Woche drei weitere Verhandlungstage geplant, das Urteil soll am 20. März verkündet werden.