In Stuttgart muss sich ein Mann wegen Mordes verantworten. Foto: dpa/Marijan Murat

Ein 36-Jähriger soll seine Lebensgefährtin und deren Tochter brutal ermordet haben. Eine ehemalige Freundin gibt vor dem Landgericht Stuttgart Einblicke in dessen Leben – mit bizarren Details.

Allmersbach im Tal - Sie hielt einen gelben Gummiball in der Hand, um bei Stress Druck damit abbauen zu können. Begleitet von einer professionellen Zeugenbegleiterin sagte die Ex-Freundin eines Angeklagten am Landgericht Stuttgart aus.

 

Verhandelt wird der Fall eines 36 Jahre alten Mannes aus Mundelsheim im Kreis Ludwigsburg. Er hat gestanden, im Juni des vergangenen Jahres in Allmersbach im Tal eine 41-jährige Frau, mit der er ein paar Monate lang liiert war, und deren neunjährige Tochter durch einen Schlag auf den Kopf ermordet zu haben. Danach soll er nach Gaildorf (Kreis Schwäbisch Hall) gefahren sein, um auch seine von ihm getrennt lebende Frau zu töten. Er schaffte es aber nicht, sie zu „erlösen“, wie er in einer per Handy verschickten SMS formulierte.

Ein „pedantischer Egozentriker“

Die in der Verhandlung am Donnerstag gehörte Zeugin war mit dem Beschuldigten von Juni bis Dezember 2018 liiert. Die jetzt 37-Jährige half dem Industriemechaniker, einen Platz in einer psychiatrischen Klinik zu finden. Weil ihr damaliger Freund vor lauter Stress mit der Scheidung von seiner Frau und Unstimmigkeiten mit seinem Chef nicht mehr musste, wo ihm der Kopf stehe, habe sie ihm eine Auszeit empfohlen. Er soll davon gesprochen haben, seinem Vorgesetzten eine Eisenstange „über den Kopf ziehen“ zu wollen. Drei Wochen verbrachte der nun 36-Jährige in einer Klinik in Heilbronn.

Wie schon andere ehemalige Lebensgefährtinnen des Angeklagten im seit Mitte Dezember laufenden Prozess schilderten, charakterisierte auch die 37-Jährige den Mann als pedantischen Egozentriker, der seinen Partnerinnen seine Vorstellungen von Ordnung aufdrängen würde. Sie beschrieb ihn als „lebhaftes Kind“, das bei Kleinigkeiten, die nicht seinem Willen entsprechen, explodiere. So habe der Angeklagte sie wegen der nicht entfernten Schutzfolie eines Nutella-Glases einmal als „behindert“ beschimpft. Er habe sich jedoch meist wieder schnell beruhigt und sie durch Entschuldigungen und Charme beschwichtigt. Außerdem habe der Ex-Freund sie auch mit bizarr anmutenden Aktionen provoziert. So soll er nach dem Duschen seinen Penis gegen den Kopf ihrer Katze geschlagen haben.

Die Situation eskaliert

Auch zu Androhungen von Gewalt wie „Fresse polieren“ kam es demnach. Als sie ihm beim Räumen seines Hauses nach dem Auszug der Noch-Ehefrau und den beiden gemeinsamen Kindern half, trug sie etwa einen Besen zu einer falschen Stelle: Der Angeklagte zerbrach den Besenstiel über seinem Knie und sagte, mit ihr das gleiche machen zu wollen.

Um Weihnachten 2018 eskalierte die Situation. Der Beschuldigte bedrängte die 37-Jährige, da er Sex wollte. Es gelang der Frau, ihn aus der Wohnung zu drängen, wobei er stürzte. Erst als ein Nachbar seine Wohnungstür öffnete, verließ der Angeklagte das Haus. Dennoch hatte die Zeugin keine Angst, den 36-Jährigen im Januar 2019 noch einmal zu treffen, weil er noch Sachen von ihr hatte. Auch hier kam es laut ihrer Schilderung zu einer Auseinandersetzung. Die Frau zeigte sich am Ende ihrer Befragung überrascht, nicht wie befürchtet einen Nervenzusammenbruch bekommen zu haben.