Fundort der Leiche des kleinen Armani Foto: dpa

Im Fall des getöteten acht Jahre alten Armani haben die Ermittler weiter keine konkrete Spur vom Täter. Die Freiburger Polizei löst seine Sonderkommission „Bach“ trotzdem auf.

Freiburg - Im Fall des getöteten acht Jahre alten Armani haben die Ermittler weiter keine konkrete Spur vom Täter. „Das ist ein vorläufiges Ergebnis, mit dem wir natürlich nicht zufrieden sein können“, sagte der Leiter der Freiburger Kriminalpolizei, Peter Egetemaier, auf einer Pressekonferenz am Freitag. Trotzdem löst die Polizei ihre Sonderkommission (Soko) Bach, die die Umstände von Armanis Tod hatte aufklären wollen, am kommenden Mittwoch auf.

Man könne sich nichts vorwerfen, sagte Kripo-Chef Egetemaier: „Wir sind jedem Hinweis gewissenhaft nachgegangen.“ Das Problem: Keiner hat bisher zum Erfolg geführt. 112 der insgesamt 1280 Spuren und Hinweise sind nach Angaben der Polizei Freiburg noch offen. Eine Ermittlergruppe mit 16 Beamten soll sich nun weiter um den Fall kümmern. Ihr neuer Leiter wird Thomas Schönefeld.

Der bisherige Soko-Chef Peter Grün (44) verlässt das Polizeipräsidium Freiburg. Der Kriminalrat hat ein Angebot der Polizeihochschule Villingen-Schwenningen angenommen und wird dort künftig als Dozent arbeiten. Der Wechsel sei schon längere Zeit geplant gewesen – und habe nichts mit den Ermittlungsergebnissen im Fall Armani zu tun, sagte Polizeisprecherin Laura Riske unserer Zeitung.

Am Abend des 20. Juli 2014 war der kleine Armani zuletzt lebend auf einem Spielplatz gesehen worden. Ein Spaziergänger fand den Jungen am nächsten Morgen tot in einem Bach im Freiburger Stadtteil Betzenhausen. Nach Angaben der Polizei ist der Achtjährige erwürgt worden. Der Fall habe in der Freiburger Bevölkerung, aber auch bei den Beamten eine „große Betroffenheit“ ausgelöst, sagte der Freiburger Oberstaatsanwalt Michael Mächtel. Zu Spitzenzeiten habe die Soko Bach mit bis zu 70 Beamten gearbeitet, auch Spezialisten des Landeskriminalamts, Spürhunde und Hubschrauber seien eingesetzt worden, um den Fall aufzuklären. Gegen acht Personen habe es einen Anfangsverdacht gegeben, erklärte Mächtel, dieser habe sich im Rahmen der Ermittlungen aber in keinem der Fälle erhärtet.

Auch ein Fahndungsaufruf in der ZDF-Fernsehsendung „Aktenzeichen XY – ungelöst“ im vergangenen Sommer war erfolglos geblieben. Im Herbst und Winter befragten die Ermittler noch einmal mehr als 3000 Anwohner rund um den Spielplatz anhand eines standardisierten Fragebogens – ebenfalls ohne Erfolg. Danach reduzierte die Polizei die Sonderkommission von 44 auf 17 Beamte.

Ob der Fall Armani jemals aufgeklärt wird? Die Polizei wirkt ratlos. Es gebe nichts Konkretes, ermittelt werde weiter in alle Richtungen, sagte Egetemaier. Auch bereits bearbeitete Hinweise könnten erneut überprüft werden. Zu Einzelheiten des Falls wollten sich die Ermittler weiter nicht äußern. Anzeichen eines Sexualverbrechens gibt es laut Polizei nicht. Immerhin, eine fremdenfeindliche Tat – Armanis Familie gehört der Volksgruppe der Sinti an – hatten die Beamten bereits ausgeschlossen.

Unterdessen schließt Polizeisprecherin Riske einen DNA-Massentest nicht komplett aus. „Für den Moment ist ein solcher Schritt aber kein Thema“, sagte sie. Die Ermittlergruppe arbeite jetzt erst einmal die restlichen offenen Spuren ab.

Die Belohnung für Hinweise, die zu dem oder den Täter(n) führen, in Höhe von 10 000 Euro bleibt bestehen. Sie werde aufrechterhalten, bis der Fall gelöst sei, sagte Oberstaatsanwalt Mächtel.

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