Die Polizei sperrte den Tatort weiträumig ab. Foto: SDMG

War alles geplant? Im Prozess um einen mutmaßlichen Mord an einer schwangeren Frau in Donzdorf belasten Zeugen den Angeklagten schwer.

Donzdorf - Am zweiten Verhandlungstag zum gewaltsamen Tod einer 25-jährigen schwangeren Frau am 4. April in Donzdorf hat das Ulmer Landgericht am Mittwoch die Befragung von Zeugen fortgesetzt. Angeklagt ist der 37-jährige frühere Lebensgefährte. Das unverheiratete Paar hatte zusammen drei Kinder – der Mann soll, nachdem die Frau ihn wegen andauernder Gewalttätigkeiten vor die Tür gesetzt und einen neuen Freund gefunden hatte, mit dem sie zusammen ein weiteres Kind erwartete, einen heimtückischen Mordplan umgesetzt haben. Das ist die Überzeugung der Staatsanwaltschaft.

Die 25-Jährige wurde mit 21 Messerstichen im Verkaufsraum einer Metzgerei in Donzdorf getötet. Der Angeklagte bestritt die Tat zum Prozessbeginn nicht, erklärte jedoch, er habe am 4. April ursprünglich nur eine Aussprache mit der Ex-Partnerin wegen der gemeinsamen Kinder gesucht. Zuvor habe er Alkohol getrunken. Nachdem er auf der Straße aber wüst beleidigt worden sei, habe er durchgedreht und ein mitgeführtes Messer gezogen.

Der neue Freund erzählt von Todesängsten vor der Tat

Dieser neue Freund berichtete dem Gericht am Mittwoch mit Hilfe einer Türkisch-Dolmetscherin von ständigen Todesdrohungen durch den Angeklagten gegenüber der Getöteten, die meist per SMS verschickt worden seien. Kennengelernt, so der 28-Jährige, habe er die Frau im Februar via Internet. Wenige Wochen nach einem ersten Treffen sei er zu ihr in die Wohnung in Donzdorf gezogen. Es sei Liebe gewesen, so der Zeuge. Die Frau habe ihn eindringlich gebeten, so oft als möglich an ihrer Seite zu bleiben. Seit der Bluttat sei er nur noch „ein lebender Toter“.

Viel Zeit nahm die Anhörung der besten Freundin der Getöteten in Anspruch. „Wie Schwestern“, hätten sie sich nahe gestanden, so die 26-Jährige. Nach ihrer Beobachtung, erzählte sie, sei die Beziehung der Freundin mit ihrem Freund und mutmaßlichen späteren Mörder im Sommer 2015 gekippt. Zuvor sei die dreifache Mutter für zwei Wochen in die Türkei gereist – vorgeblich, um Verwandte zu besuchen, in Wahrheit jedoch, um einen anderen Mann und Heiratskandidaten zu treffen. „Sie wollte unbedingt ein weißes Brautkleid anziehen“, so die Zeugin. Als die Mutter zurück nach Donzdorf gekommen und der wahre Grund ihrer Reise herausgekommen sei, habe schwere Gewalt ins Familienleben Einzug gehalten. „Ab da ging’s los“, sagte die Zeugin.

Zur ersehnten Heirat ist es nie gekommen

Dass es mit dem 37-Jährigen zu keiner Heirat kam, begründete die 26-Jährige im Zeugenstand mit dessen früherer, noch rechtsgültigen Ehe. „Er hat die Gerichtskosten für die Scheidung nicht zahlen wollen.“ Der Angeklagte hatte das unaufgelöste Ehebündnis aus früheren Tagen am ersten Verhandlungstag bestätigt.

Mit dem Kandidaten in der Türkei, so die Freundin weiter, sei es dann doch nichts geworden. Stattdessen sei anfang 2016 der 28-Jährige plötzlich aufgetaucht. „Ich hab gesagt, trenn dich von ihm“, so die Zeugin. Dessen Heimlichtuerei sei ihr verdächtig vorgekommen. Schließlich habe sie herausfinden können, dass der 28-Jährige in Deutschland Asylantrag gestellt hatte. Dennoch sei der neue Freund geblieben. Von Jahresbeginn an bis zum 3. April, einen Tag vor der Bluttat, sei sie selber ihrer Freundin kaum noch von der Seite gewichen, erzählte die Frau. Die Morddrohungen des 37-Jährigen übers Telefon seien noch konkreter geworden, seit er, etwa eine Woche vor der Messerattacke, auf ungeklärte Weise von der Schwangerschaft der Ex-Partnerin erfahren habe.

Ein Polizeigewahrsam ohne Wirkung

Am 3. April, einem Sonntag, habe sie den 37-Jährigen zusammen mit der Freundin bei der Polizei gemeldet, weil er ein vom Amtsgericht Geislingen verhängtes Annäherungsverbot missachtet habe, berichtete die Frau. Die Polizei habe den völlig betrunkenen Angeklagten schließlich in einer Donzdorfer Bar in Gewahrsam genommen, aber nur bis zum Abend. Am Montag Morgen, 9.15 Uhr, habe sie vom Tod ihrer Freundin erfahren und vorübergehend die drei traumatisierten Kinder bei sich aufgenommen, die alles hätten mit ansehen müssen.

Am 5. April guckte die Zeugin auf die Facebook-Seite des mutmaßlichen Täters und fotografierte, was dort auf Türkisch stand. Das Gericht ließ am Mittwoch übersetzen: „Das ist mein letzter Film. Inszeniert habe ich. Gespielt habe ich. Schaut euch das an. Tod, vergib mir.“

Der Prozess wird fortgesetzt.

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