Spurensicherung am Tatort in der Dieselstraße im Gewerbegebiet Echterdingen. Foto: 7aktuell/Heckel

Es ist ein schöner sonniger Nachmittag in einem Gewerbegebiet in Leinfelden-Echterdingen – als auf der Straße vor einem Bordell ein Streit losbricht. Am Ende liegen zwei Tote auf dem Gehweg.

Leinfelden-Echterdingen - Elf Liebesdamen drängen sich an den Fenstern auf verschiedenen Stockwerken des Bordells Paradise. Sie schauen hinüber auf den Gehweg, etwa hundert Meter entfernt, wo Einsatzfahrzeuge der Polizei den Blick auf zwei Leichen versperren, und hantieren mit ihren Smartphones. Es ist offenbar eine der ihren, die dort liegt. Eine Kollegin. Sie liegt im Schatten einer Hofeinfahrt eines Firmenensembles. Der, der sie offenbar getötet hat, ist ebenfalls nicht mehr am Leben.

Der Streit war wohl nicht zu überhören. Das Bordell Paradise in der Dieselstraße liegt mitten in einem Gewerbegebiet, das sonntags menschenleer ist. Ein Sicherheitsunternehmen hat ein paar Fahrzeuge vor dem Haus geparkt. Die umliegenden Firmengebäude sind verschlossen. Nichts, weshalb man sich dort an einem sonnigen Sonntagnachmittag bewegen sollte. Es sei denn, als Besucher des Bordells Paradise.

Die Auseinandersetzung zwischen einem Mann um die 50 und einer jüngeren Frau fällt also auf. Und auch die Dramatik des Geschehens. „Um 16.12 Uhr gingen in der Leitstelle gleich mehrere Notrufe ein“, sagt Polizeisprecher Sven Heinz. Ein Mann und eine Frau in einem heftigen Streit, hieß es, und beide seien jetzt verletzt. Polizei, Rettungsdienst und Notarzt rücken in die Dieselstraße aus. Doch jede Hilfe kommt zu spät. Die beiden, die da stritten, sind tot.

Identitätsermittlungen bis in die Nacht

Absperrung, Spurensicherung, Zeugenbefragungen. Die Kriminalpolizei glaubt die Identitäten der beiden Toten zu kennen. Doch bevor das persönliche Umfeld nicht befragt, die Leichen nicht zweifelsfrei identifiziert seien, „können wir über die Identität vorerst nichts mitteilen“, sagt Polizeisprecher Heinz am Abend. Womöglich stammt der Täter aus Nordrhein-Westfalen. Am Tatort wurden ein Fahrzeug mit Dürener Kennzeichen sichergestellt.

Eine Prostituierte Mitte 20 und ein Mann Mitte 50 – welche Vorgeschichte mag sich darum wohl ranken? Wohl kaum eine Romanze wie bei „Pretty Woman,“ dem Kinoklassiker mit Julia Roberts und Richard Gere. Sondern eher um massiv verletzte Gefühle – die sich in einer Messerattacke entluden. Das alles ist Spekulation: „Ob überhaupt und in welcher Beziehung die Frau zu dem Tatverdächtigen gestanden hat, ist unklar“, sagt Heinz. Hinweise auf eine Tat im Rotlicht- oder Rockermilieu gebe es jedenfalls nicht.

Das hat mit uns nichts zu tun, heißt es im Bordell

Im Bordell gibt man sich wortkarg. Ein Besucher wird von der Empfangsdame zwar freudig reingewinkt. Besucher sind am Sonntag am frühen Abend rar gesät, nachdem die Polizei die beiden Zufahrten der Dieselstraße abgesperrt hat. Und wer rausfahren will, muss mitunter an der Absperrung seinen Kofferraum öffnen. Doch Auskünfte gibt es im Paradise nicht. „Wenn es etwas zu sagen gibt, werden Sie es von der Geschäftsleitung mitgeteilt bekommen“, sagt die Empfangsdame. „Im Grunde hat es ja nichts mit uns zu tun.“

Manche Liebesdame schaut am Abend nicht mehr aus dem Fenster. Eine nähert sich mit Handtäschchen dem Absperrband und schaut zum Tatort. Dass sie hier nicht durchgehen darf, erstaunt sie: „Hier nichts spaziere?“, fragt sie. Nein, bitte andere Richtung, außenrum. Die junge Frau macht kehrt und geht hüftschwingend nach Hause.

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