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56-jähriger Frührentner soll in Magstadt und in Hessen zwei Männer hinterrücks erschossen haben.

Stuttgart - Zwei ihm völlig unbekannte Männer soll er aus nächster Nähe erschossen haben. Ein weiterer Mann sei ihm nur knapp entkommen: Von kommenden Montag an muss sich ein 56 Jahre alter Rentner aus Esslingen vor dem Landgericht Stuttgart wegen zweifachen Mordes und Mordversuchs verantworten.

Der grausige Fall ist unter dem Stichwort Parkplatzmorde bekanntgeworden, weil die Opfer auf Parkplätzen in Magstadt im Kreis Böblingen und in Mörfelden-Walldorf in Hessen erschossen worden waren.

Der Prozess gegen den Frührentner sollte bereits Anfang Juni beginnen, musste jedoch auf den 29. August verschoben werden. Grund: Der Angeklagte hatte versucht, sich in der Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstallt Stuttgart-Stammheim das Leben zu nehmen.

Treffs von Homosexuellen

Der ehemalige Postbeamte hatte offenbar Tabletten gehortet und sie kurz vor Prozessbeginn geschluckt. Ein Justizbeamter fand den Häftling gerade noch rechtzeitig.

Staatsanwalt Albrecht Braun wirft dem nicht vorbestraften Mann vor, er habe am 8.Mai vorigen Jahres einen ehemaligen Berufssoldaten auf einem Parkplatz bei Magstadt hinterrücks erschossen. Am 2. Juli 2010 soll er dann einen 70-jährigen Rentner auf einem Parkplatz bei Mörfelden-Walldorf erschossen haben. Beide Tatorte sind als Treffs von Homosexuellen bekannt. Zwischen den Morden war ein belgischer Tourist am 6. Juni in Freudenstadt mit einem Messer attackiert worden. Das Opfer konnte fliehen. Auch diese Attacke wird dem Angeklagten zugeschrieben.

Das Motiv liegt weitgehend im Dunkeln. Allerdings hat der meist schweigsame Mann - er spricht auch nicht mit seinem Verteidiger Peter Mende - bei der Polizei ausgesagt, er habe sich vor Jahren bei einem Urlaub in Kenia mit dem HI-Virus infiziert. Und zwar bei einem Transvestiten, den er für eine Frau gehalten haben will.

Rachemotive gegenüber Homosexuellen?

Das deutet auf Rachemotive gegenüber Homosexuellen hin. Ob der 56-Jährige vor der 1a. Strafkammer des Stuttgarter Landgerichts aussagen wird, ist unklar.

Nach dem Mord an dem 30-Jährigen bei Magstadt hatte die Polizei einen 33 Jahre alten Mann festgenommen. Als jedoch der zweite Mord in Hessen geschah, zerstreute sich der Tatverdacht. Schließlich hatte der 33-Jährige ein perfektes Alibi - er saß in Untersuchungshaft.

Die Polizei fahndete mit Flugblättern, mit einem Phantombild und unter Mithilfe der TV-Sendung "Aktenzeichen XY" nach dem Mörder. Das an den Tatorten gesichtete Auto und die seltene Munition Wadcutter führte schließlich zu dem 56-Jährigen. Eine DNA-Spur brachte ihn dann mit der Tat in Freudenstadt in Verbindung. Im Dezember 2010 nahm die Polizei den Frührentner fest.

Von 29. August bis 22. Dezember hat die Strafkammer unter Vorsitz von Richterin Ute Baisch an 19 Prozesstagen nun Zeit, die Schuld oder Unschuld des Angeklagten festzustellen.

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