Der Batcorder zeichnet Ultraschall-Rufe auf – und Volker Weiß vom Nabu hat auf den Aufnahmen seltene Mopsfledermäuse identifiziert. Foto: NABU/Christian Dietz

Ein Murrhardter testet einen Ultraschall-Rekorder – prompt sind auf den Aufnahmen die Rufe einer äußerst seltenen Tierart zu hören. Ein bundesweites Projekt soll jetzt einige Rätsel um die Mopsfledermäuse lüften.

Murrhardt - Ein sogenannter Batcorder hat das nächtliche Treiben erstmals an den Tag gebracht: Das Aufnahmegerät, das Rufe im Ultraschallbereich registriert, hatte der Murrhardter Volker Weiß in einen Baum auf seiner Streuobstwiese gehängt. Eigentlich nur, um zu testen, ob das Gerät, das an ein Walkie-Talkie erinnert, wirklich funktioniert. Schließlich soll es im Zuge eines bundesweiten Projekts helfen, die seltene Mopsfledermaus aufzuspüren. Das Gerät funktioniert – und beim Auswerten seiner allerersten Aufnahmen hat Robert Pfeifle, Fledermausexperte beim Naturschutzbund (Nabu) Baden-Württemberg, auch prompt gleich den Ruf einer Mopsfledermaus identifiziert, der ein bisschen wie Kastagnetten klingt.

Link: So klingt der Ruf der Mopsfledermaus

Dass diese wenig verbreitete Waldfledermaus gleich in der zweiten Testnacht in die Tonfalle flatterte, war ein echter Glückstreffer. „Sie gehört in Deutschland zu einer der gefährdetsten Arten und kommt nur sehr inselartig vor“, sagt Robert Pfeifle. Bisher seien in Baden-Württemberg wenige Gebiete als ihre Reviere bekannt: die Alb-Wutach-Region, der Neckar-Odenwald-Kreis, der Schönbuch, der Ostalb- und der Zollernalbkreis.

Im Rems-Murr-Kreis habe hingegen in puncto Mopsfledermausvorkommen ein großes Fragezeichen gestanden, erzählt Robert Pfeifle, der sich freut, dass nun durch einen weiteren Zufallsfund feststeht, dass es im Landkreis nicht nur vereinzelte Vertreter, sondern eine größere Anzahl der Tiere gibt. „Inzwischen haben wir durch einen Hinweis eine Wochenstube bei Murrhardt lokalisiert sowie einen weiteren Quartierverdacht“, erzählt der Fachmann: „Das Gefühl, nach längerer Suche die markanten Ohren und das Gesicht der Mopsfledermäuse mit ihren Jungtieren zu erspähen, war unbeschreiblich.“

Breite Ohren, plattgedrückte Nase: Das ist die Mopsfledermaus

In den Wochenstuben finden sich die Weibchen zu Gesellschaften zusammen, um ihre Jungen zur Welt zu bringen und groß zu ziehen. Der Tipp kam von Ruth und Eberhard Bohn. „Wir hatten schon vor zwei Jahren vier tote Erwachsene und zwei Jungtiere gefunden“, erzählt Ruth Bohn. Insofern sei klar gewesen, dass es in der Nachbarschaft eine Wochenstube geben müsse – was das Ehepaar meldete.

Schwarzes Fell, breite Ohren und eine eingedrückte Nase, der sie ihren Namen verdankt – das sind einige der Merkmale der Mopsfledermaus, die es auf ein Gewicht von etwa sieben bis zehn Gramm bringt. Die Fledermaus ernähre sich unter anderem von Nachtfaltern und nutze stehendes Totholz als Quartier, sagt Pfeifle: „Ansonsten ist der Wissensstand bei der Mopsfledermaus schlecht.“ Wie viele Tiere es überhaupt noch gibt, wo sie leben und ihre Jungen aufziehen und welchen Einfluss der Klimawandel auf diese Art hat – all das wollen die Beteiligten am bundesweiten Projekt „Schutz und Förderung der Mopsfledermaus“ erforschen.

Die auf sechs Jahre ausgelegte Studie sieht vor, dass im kommenden Jahr allein in Baden-Württemberg zehn Batcorder an Bäumen in diversen Erwartungsgebieten – waldreichen, ländlich geprägten Gegenden – aufgehängt werden. „Die Batcorder sollen immer fünf Nächte an einem Standort hängen“, erklärt Robert Pfeifle. Nach Auswertung der Tondateien reisen die wasserdicht in schwarzen Plastikköfferchen verpackten Geräte dann an den nächsten Ort, um dort an einem Baum befestigt zu werden. „Wir werden für diese Aufgabe Nabu-Ehrenamtliche und Forstleute ansprechen“, sagt Pfeifle.

Netze sollen die Fledermäuse fangen – für die Wissenschaft

Außerdem soll es 2020 Fangaktionen geben, bei denen große, sehr feine Netze gespannt werden. Fliegt ein Tier dort hinein, wird es befreit, und – falls es sich um ein säugendes Weibchen handelt – mit einem winzig kleinen Sender versehen und frei gelassen. Etwa 10 Tage fliegt die Mopsfledermaus mit ihrem Sender auf dem Rücken durch die Luft und zeigt den Experten, wo sie nachts herumschwirrt, sich tagsüber verkriecht und ihre Kinder großzieht. Nach spätestens zwei Wochen falle der aufgeklebte Sender ab, erläutert Robert Pfeifle. Auch DNA-Proben würden genommen, denn: „Wir wollen wissen, wie der Genpool der Fledermäuse aussieht.“ Das alles habe das Ziel, herauszufinden, wie man die bestehenden Mopsfledermaus-Bestände erhalten oder die Zahl der Tiere gar vergrößern kann.

Da die Mopsfledermaus den Wald als Jagdrevier und Totholz als Quartier und Kinderstube braucht, ist der Forst ein wichtiger Partner für den Nabu. „Wir müssen gute Lösungen finden und wollen dem Forst nichts diktieren“, betont Robert Pfeifle. Ein Problem sei aber, dass die vom Stamm abstehenden Rindestücke, hinter denen sich die Mopsfledermaus gerne verberge, sehr fragil seien: „Ein Sturm und die fallen ab.“ Deshalb sei es mit wenigen toten Bäumen nicht getan: „Die Fledermaus braucht viel Auswahl.“

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