Montessori-Kinderhaus in Stuttgart-Weilimdorf Viel Platz für den neuen Hexenwald

Von Georg Linsenmann 

Tschüss alte Bleibe – die Kinder verlassen das Montessori-Kinderhaus an der  Landauer Straße und ziehen mit Bollerwagen an die Giebelstraße 6. Foto: Georg Linsenmann
Tschüss alte Bleibe – die Kinder verlassen das Montessori-Kinderhaus an der Landauer Straße und ziehen mit Bollerwagen an die Giebelstraße 6. Foto: Georg Linsenmann

Die Mädchen und Jungs des Montessori-Kinderhauses sind von der Landauer Straße ins neue Gebäude an der Giebelstraße gezogen und hatten dabei viel Spaß.

Weilimdorf - Keine Küche, keine Ganztagsbetreuung! So einfach ist die Sache. Ganztag aber ist jetzt Standard in Kindertagesstätten. Ein Bedarf, der auch beim Montessori-Kinderhaus an der Landauer Straße immer stärker nachgefragt war, was das Haus in die Bredouille brachte: „Wir haben uns hier wohlgefühlt, konnten aber nicht die nötige Küche unterbringen. Deshalb haben wir nach einem anderen Standort gesucht“, sagt Heidi Mitius, die das Kinderhaus seit 13 Jahren leitet. Seit 2008 wurde gesucht, „und wir hatten die Hoffnung fast aufgegeben“, berichtet Mitius.

Nach sechs Jahren Suche aber kam ein Anruf vom städtischen Jugendamt mit dem Angebot, im Erdgeschoss eines Neubaus der Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) in Giebel ein neues Kinderhaus einzurichten. „Die Freude war groß, denn nun können wir auch Krippenkinder aufnehmen“, erklärt die Leiterin. Mit dreimal soviel Fläche wie bisher war auf den 380 Quadratmetern nicht nur Platz für die große Küche für den Ganztagesbetrieb, sondern auch für die Kinderküche, in der die Pädagoginnen mit den Kleinen zusammen weiter backen und kochen können: „Auf gesunde Ernährung legen unsere Eltern großen Wert. Deshalb haben wir auch keinen Caterer, sondern eine Köchin, die jeden Tag frisch vor Ort kocht“, betont Mitius.

Das Abschiednehmen will in eine Form gebracht sein

Nun also steht der Umzug in die neue Bleibe auf dem Programm, wobei sich zeigt: Auch das Abschiednehmen von einem vertrauten Haus will gelernt, will in eine Form gebracht sein. Am Vorabend hatte ein Umzugsunternehmen Tabula rasa gemacht. Nun aber treffen sich die Kinder am frühen Morgen noch einmal in ihrem Kinderhaus, wo der Bollerwagen mit der bemalten Umzugskiste schon bereit steht. „Das ist der schönste Umzugswagen, den ich je gesehen habe!“, lobt eine Mutter. Ein Papa pumpt noch schnell einen schlappen Reifen auf, dann setzen sich die Kinder auf dem Boden zusammen. Der Plan vom neuen Kinderhaus, der an der Wand der Bauecke hing, wird ausgebreitet. Tara weiß genau, wo künftig das Esszimmer ist, „unsere Küche“ fixieren gleich mehrere. Theodor aber will wissen, „wo die Feuerlöscher sind“. Wickelkommode, Maltische, Gummistiefelregal, alles hat schon seinen Platz im neuen Kinderhaus.

Das alte aber gibt es jetzt zum Knabbern, in Gestalt von selbst gebackenen Häuschen-Plätzchen mit grünem Dach. „Da ist Zucker drauf“, sagt Marlene. Klar doch, Abschied soll süß schmecken! Noch einmal greift die Leiterin zum Akkordeon, das gleich in den Umzugskarton gepackt wird. „Wir sind die Kinderhaus-Kinder, gemeinsam packen wir es an“, tönt es wie aus einem Guss, bevor die Kinder noch ein Wunschlied wollen: „Dann ist alles Banane, dann ist alles klar!“ Schnell noch mal aufs stille Örtchen, in die Winterbekleidung geschlüpft – und mit Wums lässt Samuel, „ich bin fast schon fünf!“, die Gartentür ins Schloss fallen und dreht den Schlüssel um.

Der alte Postler wird die Kinder vermissen

Ein Bild für Götter, wie die Kinderschar nun mit dem Bollerwagen von dannen zieht! „Tschüss Kinderhaus!“ – und ab geht es Richtung Stadtbahn-Haltestelle, auch mal quer übers frisch verschneite Grün. Keine Chance hat da der eilige Postbote, der schnell vorbeihasten will. Bis Will Straub begreift, was da vor sich geht. Nun ist großes Hallo angesagt, Händeschütteln, Fototermin. „Ach, ich werde die Kinder vermissen!“, bekennt der Postler, „sie sind mir immer an der Gartentür entgegengekommen und haben mir die Post abgenommen“, sagt der Bote. „Tschüss und alles Gute, Kinder!“ ruft er ihnen hinterher.

Nun trennen die kleinen Montessoris nur noch vier Stationen von ihrem neuen Kinderhaus an der Giebelstraße. Dort darf dann Erik aufschließen – und drinnen geht es fast schon von alleine. Kein Wunder, ist das Mobiliar doch das vertraute alte. Auch die Garderobe mit den Bildern, die Ronjas Vater bereits am Vorabend montiert hatte.

Moritz und Leona spielen Bauernhof, Ronja sucht derweil die Schafe. Und in der Bauecke entsteht schon der neue Hexenwald: Die Kinder sind ganz und gar angekommen.

Redaktion Weilimdorf

Ansprechpartnerin
Leonie Schüler
weilimdorf@stz.zgs.de

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