Elisabeth Hübert und David Boyd spielen die Hauptrollen im Musical „Mary Poppins“ in Stuttgart. Foto: Lichtgut - Oliver Willikonsky

Bei der Deutschlandpremiere von „Mary Poppins“ werden am 23. Oktober Elisabeth Hübert als Kindermädchen und David Boyd als Schornsteinfeger Bert zu sehen sein. Im Interview erzählen die Hauptdarsteller über ihre Freundschaft und welche Erfahrungen sie mit Kindermädchen gemacht haben.

Stuttgart - Auf der Bühne steht die Kulisse des nächtlichen Londons: Bei der Deutschlandpremiere von „Mary Poppins“ werden am 23. Oktober Elisabeth Hübert als Kindermädchen und David Boyd als Schornsteinfeger Bert zu sehen sein. Beide spielten schon in Hamburg bei „Tarzan“ gemeinsam.

Sie sind seit Jahren miteinander befreundet. Ein großer Vorteil, wenn man in eine fremde Stadt und an ein neues Theater kommt, oder?
Hübert: Aber ja, ich habe mich riesig gefreut. Natürlich einerseits, weil es toll ist, mit einem guten Freund zu spielen, aber eben auch, weil Daniel ihn schon in Wien als Bert gesehen habe und weiß, wie gut die Rolle zu ihm passt. Daniel ist wie geschaffen dafür! Dass ich jetzt auch noch mitmachen darf, ist umso besser – vor allem, weil es meine bisher größte Rolle ist, und Daniel mir mit seiner entspannten Art total dabei hilft, mit allem zurechtzukommen.
Wie hilft die Freundschaft auf der Bühne?
Boyd: Weil wir uns so gut kennen, haben wir ein sehr gutes komödiantisches Timing. Wir wissen einfach, wie wir miteinander umzugehen haben, können es locker und spontan rüberbringen. Da hilft es, dass wir einen ganz ähnlichen Humor haben.
Herr Boyd, Wann war für Sie klar, dass Sie nach Wien auch in Stuttgart den Bert spielen?
Boyd: Es klärte sich Anfang des Jahres, und wenn ich ehrlich sein soll, war ich anfangs nicht sicher, ob ich es wirklich tun sollte. Ich wohne heute in Hamburg, dort leben auch meine Frau und meine Tochter, die ich nicht schon wieder allein lassen wollte. Doch die Rolle ist irgendwie auch mein Baby, wissen Sie? Ich bin ein ebenso alberner Typ wie Bert, und es macht einfach tierisch Spaß, ihn zu spielen!
Frau Hübert, Sie spielen das berühmteste Kindermädchen der Welt. Hatten Sie in Ihrer Kindheit selbst Erfahrungen mit Kindermädchen?
Hübert: Ich hatte in Hamburg tatsächlich ein Kindermädchen, als mein Vater in Lübeck arbeitete. Das war vor meinem dritten Geburtstag, kann mich also kaum daran erinnern. Danach hatte ich das Glück, dass wir nach Lübeck zogen und meine Mama immer zuhause war. Meine Mutter war meine Mary Poppins. Wenn ich aus der Schule nach Hause kam, war das Mittagessen fertig, sie half mir bei den Hausaufgaben, war immer für mich da. Dafür bin ich sehr dankbar.

Alle Nannys der Welt waren schon durch

Die ganze Welt kennt Ihre Rollen – aus den Vorgänger-Musicals, aber natürlich auch aus dem Disney-Film. Wie findet man die Balance zwischen Wiedererkennungswert und neuen Facetten?
Boyd: Das ist nicht leicht. In den Büchern kommt Bert nicht besonders oft vor, im Film wurde er von Dick van Dyke gespielt, einer unsterblichen Ikone. Natürlich habe ich mir etwas bei ihm abgeschaut, seinen Charme etwa, wollte aber nichts kopieren. Es war ein Findungsprozess, der sich eine Weile hingezogen hat. Es war mir wichtig, da meine eigene Note, meine eigene Interpretation einzubringen. Allerdings hat mich der Regisseur das eine oder andere mal zurückgepfiffen, wenn ich zu weit getrieben habe.
Hübert: Die Bücher, der Film und die bisherigen Bühnenfassungen sind alle unterschiedlich. Die meisten Menschen werden wahrscheinlich nur den Film kennen, und wer dann den ersten Auftritt von Mary Poppins auf der Bühne erlebt, wird vielleicht erstaunt sein, dass sie kühler und strenger ist als im Disney-Film. Das ist schwierig, denn man möchte, dass die Menschen sofort den Film wiedererkennen. Aber man muss Realist sein: Wenn es so ist, dass die verzogenen Kinder in diesem Stück schon alle Nannys dieser Welt durch haben und von wirklich gar nichts gebändigt werden können, kann Mary Poppins als letzter Ausweg kaum eine so lustige, liebenswerte Person sein.
Worum geht es für Sie in diesem Stück?
Hübert: Obwohl das Stück „Mary Poppins“ heißt, geht es eigentlich um die Familie. Eine Familie, in der sich alle lieben, in der aber durch e kleine Probleme, durch die Gesellschaft und durch die ganze Arbeit hohe Mauern entstanden sind. Die Kinder fühlen sich allein gelassen, die Eltern sind verloren. Es könnte so schön sein, so einfach, aber sie bekommen es nicht ohne Hilfe hin. Mein einziger Sinn in dieser Show ist, zu kommen und zu helfen. Das ist wunderschön.
Boyd: Bert zeigt, dass die einfachsten Dinge im Leben die wichtigsten sind – und nicht etwa Geld oder Karriere.
In „Mary Poppins“ sind – für ein Musical – ungewöhnlich viele Kinder zu sehen. Wie läuft die Zusammenarbeit?
Boyd: Sagen wir es mal so: Die Kinder sind alle so schrecklich gut erzogen, dabei müssen sie doch zickige, verzogene Gören spielen! Am Anfang war es fast unmöglich, ihnen Trotz oder grimmige Mienen beizubringen!

Fans der Stuttgarter Markthalle

Mittlerweile wohnen Sie schon eine Weile in Stuttgart. Wo haben Sie sich niedergelassen?
Hübert: Direkt in Möhringen. Wir wohnen sogar gegenüber voneinander! Ich mag es gern ruhig und kann drauf verzichten, morgens von hupenden Autos oder Sirenen geweckt zu werden. Neulich waren wir spazieren, sind eine Stunde über Felder gelaufen. Einfach herrlich!
Und wenn es Sie doch mal nach Stuttgart verschlägt?
Hübert: Gehen wir gern ins Floating Market, ein fantastischer Thailänder!
Boyd: Und auf jeden Fall in die Markthalle. Ein paar Leckereien holen und damit auf den Schlossplatz setzen – genial!
Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: