Monika Weidt hat die nächste Weltmeisterschaft schon im Blick. Foto: privat

Die Esslingerin Monika Weidt hat bei der WM der Transplantierten in Australien Medaillen in Laufdisziplinen und im Tennis gewonnen. Nach einer Lebertransplantation hat sich die 57-Jährige mit Sport zurück ins Leben gekämpft.

Das Metall klappert und scheppert ein wenig, als Monika Weidt die Medaillen auf dem Tisch ausbreitet. Gold hat sie im Tennis Doppel geholt, im 5000-Meter-Lauf gab es Bronze, in der Mannschaftswertung Silber, über die 800-Meter-Distanz ebenfalls Silber und in der 400-Meter-Staffel holte sie mit ihren Mitläuferinnen wiederum Silber. Monika Weidt ist glücklich über ihre Erfolge und stolz auf die Auszeichnungen.

 

Dafür hat die 57-jährige Esslingerin sehr hart trainiert. Sie hat mit einem Tennistrainer an ihren Grundschlägen gearbeitet, sie lief die 5000 Meter mit dem Ziel, unter 30 Minuten zu bleiben, was gelungen ist. Sie trainierte mehrmals in der Woche im Fitnessstudio, um ihre Muskeln aufzubauen.

Eine niederschmetternde Diagnose

Aber das ist nicht die ganze Geschichte. Ihre Medaillen haben auch eine Kehrseite. Und die ist alles andere als glänzend. Im Jahr 2014 musste Monika Weidt ins Krankenhaus eingeliefert werden, weil sie starke Bauchschmerzen hatte, die nicht mehr weggingen. Das Ergebnis der Untersuchungen war völlig unerwartet und niederschmetternd: Eine Genmutation hatte eine Thrombose in der Leber entstehen lassen, die die Blutversorgung des Organs langsam aber sicher abschnürte Die Situation war höchst lebensbedrohlich, nur eine Lebertransplantation konnte sie retten. Monika Weidt bekam im Mai 2015 eine Spenderleber und verbrachte viele Monate im Krankenhaus und in Reha-Kliniken. Der Weg zurück ins normale Leben war schwer: „Ich war schwach, abgemagert, ohne Muskelkraft und Energie“, erzählt sie heute. „Aber mit Sport habe ich mich ins Leben zurückgekämpft.“

Schließlich war Sport immer Teil ihres Lebens gewesen: Sie spielte Tennis, joggte und ging ins Fitnessstudio. Nach der Operation ging alles erst einmal viel langsamer. Walken statt Joggen war angesagt. Tennis zunächst mit dem Trainer, mit Übungen zu Vorhand und Rückhand. In der Reha traf sie eine Transplantierte aus der Region, die ihr von den nationalen und internationalen Meisterschaften erzählte, die der Verein TansDia regelmäßig veranstaltet. Monika Weidt war angefixt. Und den 8. Mai, der Tag ihrer Transplantation, feiert sie als neuen Geburtstag. Die Veranstaltung in Perth war die dritte Weltmeisterschaft der Transplantierten, an der Weidt nach Spielen in Malaga und Newcastle teilgenommen hat.

Große Dankbarkeit

Aber Perth war, wie sie erzählt, die eindrücklichste. Sie und ihr Mann Thorsten haben die Reise nach Australien zum Anlass genommen, einen ausgedehnten Urlaub auf dem Kontinent zu machen. Die WM-Woche in Perth Mitte April bildete den Abschluss. Weidt schwärmt von den internationalen Kontakten, dem herzlichen Verhältnis untereinander: „Ich habe Männer und Frauen aus Japan, Israel, Australien, Neuseeland, Irland und dem Iran kennengelernt“, sagt sie. Sie alle eine, dass sie „für immer Transplantierte“ seien und zudem große Dankbarkeit empfänden, dass ein Mensch oder dessen Angehörige so großherzig waren, ein Organ für einen kranken Menschen freizugeben. Über den Spender ihrer Leber weiß Weidt nichts, außer dass er oder sie ein Jahr jünger war als sie.

Weidt weiß, dass sie privilegiert ist. Dass der Ablauf der Transplantation und die anschließende Rekonvaleszenz optimal gelaufen sind. Für den Rest ihres Lebens muss sie Blutverdünner und Immunsupressiva einnehmen. „Mir geht es sehr gut“, sagt sie. Die nächste WM soll im nächsten Jahr in Dresden stattfinden. Da will sie wieder dabei sein.

Der Verein Trans-Dia

Verein
Trans-Dia wurde in den 1980er Jahren als deutscher Sportverein für Nierentransplantierte gegründet. Seit 2005 widmet sich der Verein Transplantierten von Herz, Leber, Niere, Lunge und Dialysepatienten und deren Angehörigen. Er organisiert die Weltspiele für Organtransplantierte sowie die Europäischen Spiele der Organtransplantierten und Dialysepatienten mit und wirbt für Organspenden.