Offensivmann Mohamed Baroudi bejubelt in Reutlingen nach dem Elfmeterpfiff für die Stuttgarter Kickers. Foto: Baumann/Alexander Keppler

Eigengewächs Mohamed Baroudi ist der Senkrechtstarter bei Oberligist Stuttgarter Kickers. Der Offensivmann spricht über seinen Bruder, der in Hoffenheim spielt, sein großes Vorbild Mo Salah, Schulstress und seinen am Saisonende auslaufenden Vertrag.

Stuttgart - Fußball-Oberligist Stuttgarter Kickers hat sich vor dem Heimspiel-Doppelpack gegen die TSG Backnang und den SGV Freiberg eine gute Ausgangsposition erarbeitet. Mohamed Baroudi ist daran nicht unwesentlich beteiligt. Im Interview schätzt der 19-Jährige die Lage ein.

 

Herr Baroudi, haben Sie das hitzige Derby beim SSV Reutlingen gut überstanden?

Ja, ich bin heil nach Hause gekommen.

Sie hatten am Kopf geblutet und spielten danach mit einem Turban weiter.

Ja, ich bin bei einem Zweikampf mit SSV-Stürmer Bleart Dautaj zusammengerasselt. Mich hat es hinter dem Ohr erwischt, aber es ist alles okay, ich konnte bis zu meiner Auswechslung ohne große Probleme weiterspielen.

Emotionen kochen über

Sie hatten beim Elfmeter für die Kickers vor dem SSV-Fan-Block ausgelassen gejubelt. Gab es eine Vorgeschichte?

Ach, es sind schon früh Feuerzeuge und Geldstücke aus dem Block geflogen, da sind bei einem jungen Spieler, der ich nun mal bin und der noch nicht oft vor solch einer Kulisse gespielt hat, die Emotionen etwas übergekocht.

Normalerweise war immer Kevin Dicklhuber die Reizfigur der Reutlinger Fans.

Er kennt sich aus und hat nach dem Spiel zu mir gesagt, dass sie mich hassen werden bis ans Lebensende.

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Gab es am Mannschaftsbus noch Vorkommnisse?

Nein, die Polizei hat uns bis zur Bundesstraße begleitet. Wichtig war für mich einfach nur, dass wir mit diesem wichtigen 1:0-Sieg die drei Punkte mitgenommen haben.

Wie beurteilen Sie den bisherigen Saisonverlauf?

Wir haben in der Vorrunde ein paar unnötige Punkte liegen lassen, das sollte uns im weiteren Saisonverlauf nicht mehr passieren. Und ich glaube schon, dass wir auf einem sehr guten Weg sind, die neun Siege in Serie sagen ja im Prinzip alles.

„Nehmen jeden Gegner ernst“

Wie schwer wird es an diesem Samstag (14 Uhr) im Heimspiel gegen die TSG Backnang nicht schon das am Mittwoch (19 Uhr) danach folgende Topduell gegen den SGV Freiberg im Kopf zu haben?

Das muss und wird uns gelingen. Zum einen weiß bei uns jeder, dass auch die TSG eine richtig starke Truppe hat, zum anderen wäre es ein Euphorie-Dämpfer zur Unzeit. Wir nehmen jedenfalls jeden Gegner sehr ernst.

Für Sie selbst läuft es bisher nicht nur wegen Ihrer sieben Saisontore sehr gut. Sind Sie rundum zufrieden?

Ja, es läuft wirklich optimal. Als ich zwölf Jahre alt war und beim Höfleswetzturnier von ADAC und Ihrer Zeitung mitgespielt habe, hat mich Guido Buchwald gefragt, was ich später einmal erreichen will. Da habe ich gesagt, ich will einmal im Kickers-Stadion auflaufen. Genauso ist es gekommen. Dafür bin ich dankbar. Vor allem Chefcoach Mustafa Ünal und Assistent Yannick Dreyer, dass sie mir die Chance gegeben haben, mir diesen Stammplatz zu erkämpfen.

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Sie haben sich durchgesetzt, Ihre letztjährigen U-19-Offensivkollegen noch nicht.

Also Lirim Hoxha ist in Relation zu seinen Einsatzminuten der Top-Torschütze der Oberliga (Anm. d. Red.: Sechs Saisontore in 208 Spielminuten), seine Zeit wird definitiv kommen. Tyron Profis hat sich zum 1. Göppinger SV ausleihen lassen. Er kann vor seiner Haustür nun viel spielen, sich bei einem sehr guten Oberligaclub und einem erfahrenen Trainer persönlich weiterentwickeln und dann gestärkt zu den Kickers zurückkommen.

Ihr Vertrag läuft am Saisonende aus. Wie geht’s weiter?

Viele junge Spieler wollen manchmal zu schnell ganz weit nach oben. Ich möchte mich Schritt für Schritt weiterentwickeln. Die Verhandlungen mit den Kickers laufen.

Vorbild Mo Salah

Als Ihr großes fußballerisches Vorbild gilt der Ägypter Mohamed Salah vom FC Liverpool. Warum?

Er hat nicht nur den gleichen Vornamen wie ich (lacht), er ist auch ein ähnlicher Spielertyp wie ich. Schnell, wendig, mit einem tiefen Körperschwerpunkt. Mit ihm mal das Trikot zu tauschen, das wäre für mich das Größte.

Sie gehen noch zur Schule. Wie stressig ist die Doppelbelastung?

Ich mache ja mein Fachabitur an der Cottaschule. Es ist bei unserem beachtlichen Trainingspensum nicht immer einfach, die richtige Balance zu finden. Denn besonders wenn wir Vormittags trainieren, kann es sein, dass ich schon mal die wichtigen Fächer verpasse. Gehe ich in die Schule, verpasse ich das Training und spiele dann vielleicht nicht.

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Ihr jüngerer Bruder Ayyub wechselte aus der Kickers-Jugend zur U16 der TSG Hoffenheim. Wie ergeht es ihm?

Er spielt als Rechtsverteidiger oder als Sechser und kommt gut klar. Für ihn ist die Vereinbarkeit mit der Schule noch schwieriger als für mich. Ayyub besucht die zehnte Klasse des Wirtemberg-Gymnasiums und pendelt von Zuffenhausen nach Hoffenheim. Er wird von einem Vereinsbus abgeholt und wieder heimgebracht. Es wäre ein Traum, später mal mit ihm zusammenzuspielen. Am liebsten in der Bundesliga, am liebsten mit den Kickers (lacht).