Eine 38-jährige Mutter aus Mössingen hat am Mittwoch vor Gericht bestritten, ihre 14 Monate alte Tochter ertränkt zu haben. Zugleich gab sie den Mord an ihrer siebenjährigen Tochter zu.

Tübingen/Mössingen - Eine 38-jährige Mutter aus Mössingen (Kreis Tübingen) hat am Mittwoch vor Gericht bestritten, ihre 14 Monate alte Tochter ertränkt zu haben. Zugleich gab sie den Mord an ihrer siebenjährigen Tochter zu. Sie habe die beiden Mädchen im März alleine in der Badewanne gelassen. Dabei sei das Baby ertrunken, sagte die 38-Jährige vor dem Tübinger Landgericht aus. Damit die Familie zumindest im Tod zusammenbleibe, habe sie dann die Siebenjährige ertränkt und versucht, sich selbst das Leben zu nehmen.

Die Staatsanwaltschaft hat anhand der Ermittlungsergebnisse allerdings ein anderes Tatgeschehen rekonstruiert: Demnach hat die Frau den Mädchen zunächst Schlafmittel verabreicht und dann beide Kinder ertränkt. Die Anklage lautet bei der Siebenjährigen auf Mord und bei dem Baby auf Totschlag.

Der Tat, die sich nach Angaben der Angeklagten am 17. März ereignet hat, war ein immer stärker eskalierender Familienstreit vorausgegangen. In Mössingen, wohin die heute 38-Jährige mit ihrem Mann und den beiden Kindern im Jahr 2008 gezogen war, habe sie keine Kontakte zu anderen Menschen aufbauen können. "Ich war sehr isoliert" sagte sie. Dann wuchs in ihr auch noch der Verdacht, ihr Mann könne sie betrügen. "Es ging mir Tag für Tag immer schlimmer. Zum Schluss war ich wirklich nur noch fertig."

In den Tagen vor der Tat seien beide Kinder krank gewesen, vor allem der älteren sei es sehr schlecht gegangen. Als es langsam besser wurde, habe sie die Mädchen in die Badewanne gesetzt. Dann habe sie das Bad verlassen - wie lange, das wisse sie nicht. Erst vom Geschrei der Siebenjährigen alarmiert sei sie zurückgekommen, da habe die Kleine schon mit dem Gesicht nach unten im Wasser gelegen. Der Tod des Babys sei ein Unfall gewesen, beteuerte sie. Die Verantwortung dafür übernahm sie trotzdem: "Ich habe gesagt, dass es meine Schuld ist, weil ich sie alleine gelassen habe."

Lange habe sie dann mit der Siebenjährigen geredet. "Und dann kam mir der Gedanke: Wir können ja alle zusammenbleiben." Deshalb habe sie den Kopf des Mädchens solange in das Wasser der Badewanne gedrückt, bis es sich nicht mehr rührte. Immer wieder versuchte die Frau daraufhin, sich selbst umzubringen. Erst mehrere Tage später vertraute sie sich einer Nachbarin an.

Der Prozess zog sich am Mittwoch in die Länge, weil sich die Aussagen der 38-Jährigen teils deutlich von dem unterschieden, was sie im Vorfeld in polizeilichen Vernehmungen oder im Gespräch mit einem psychiatrischen Gutachter gesagt hatte. Mit dem Zeitplan des auf fünf Verhandlungstage angesetzten Prozesses war das Gericht deshalb deutlich in Verzug. Der Vater der Kinder tritt in dem Prozess als Nebenkläger auf, er wurde aber nur durch seinen Anwalt vertreten.

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