Um diese beiden Gebäude in der Pforzheimer Straße geht es – die Gemeinde will sie abreißen, die Bürgerinitiative erhalten und sanieren. Foto: Holger Leicht

Am 6. Dezember stimmen die Mönsheimer ab, ob zwei Gebäude aus dem 19. Jahrhundert abgerissen und durch neue ersetzt werden sollen. Oder ob sie saniert und umgebaut werden können. Bei einer Bürgerinfo in der Alten Kelter kommen über 100 Menschen.

Mönsheim - Erhalten und sanieren oder abreißen und neu bauen – keine leichte Entscheidung, die die Bürger von Mönsheim demnächst treffen müssen. Sie haben es so gewollt: Ein Bürgerbegehren hat dazu geführt, dass am 6. Dezember über zwei Gebäude am Marktplatz entschieden wird. Genau 233 Unterschriften auf der Liste der Bürgerinitiative für den Erhalt der beiden Gebäude haben genügt, um die erforderlichen zehn Prozent für den Urnengang zu erreichen. So werden die rund 2000 Wahlberechtigten Mönsheimer am Nikolaussonntag darüber entscheiden, ob die alten Häuser mit den Nummern 3 und 5 erhalten bleiben sollen. Zuvor kann sich die Bevölkerung von den Positionen selbst ein Bild machen. Gut 100 Interessierte sind in die Alte Kelter gekommen.

Zur Erinnerung: Der Gemeinderat hat im Juli mit sieben zu vier Stimmen entschieden, neue Häuser an der Stelle zu errichten. Und die bestehenden abzureißen, die mit ihrer Rückseite direkt an die Pforzheimer Straße grenzen. Eines der Wohnhäuser steht leer, das andere ist vermietet. Beide gehören der Gemeinde.

Der geplante Neubau sieht nach den Worten des Architekten Günther Patzner einen „schlanken Baukörper mit Satteldach“ vor, der den Marktplatz einfasst und zur Pforzheimer Straße hin abschirmt. Das neue Haus könnte 28 Meter lang und 8,50 Meter breit sein. Mit fast elf Metern ist es einen Meter höher als die alten Gebäude. „Denkbar sind in dem dreistöckigen Neubau etwa barrierefreies Wohnen für Senioren, Büros im Erdgeschoss und weitere Wohnungen darüber“, erklärt der Architekt. Im Untergeschoss auf Höhe der Pforzheimer Straße sind Parkplätze für Autos und Fahrräder angedacht.

Günther Patzner plädiert auch für eine Verbindung zum Alten Rathaus, wodurch eine neue Platzsituation an dieser Stelle entstehen könnte. Sogar über ein Café wird bei der Gemeinde nachgedacht. Dies tun auch die Vertreter der Bürgerinitiative. „Die alten Häuser sowie das Alte Rathaus müssten als Einheit gesehen werden“, sagt Silke Wuff, die mit Ralf Stuible die Bürgerinitiative vertritt. Sie schildern, was sich eine Gruppe von Bürgern wünscht: Die Häuser aus dem 19. Jahrhundert sollen erhalten bleiben und von privaten Investoren saniert werden.

„Dadurch könnten der Charme und die Gemütlichkeit des zentralen Platzes in Mönsheim bewahrt werden“, so Wulff. Ein privater Investor hat sich bereits zu Jahresbeginn mit einem Konzept zu Wort gemeldet – Joachim Baumgärtner, der für die Bürgerliste im Gemeinderat sitzt.

Wuff und Stuible erläutern ebenfalls, was sie mit den Häusern machen wollen: Räume für Musikunterricht oder Praxen, Büros, Schulungen oder weitere Wohnungen. Dazu ein Bürgercafé, eine Kreativwerkstatt, eine Bibliothek oder Hausaufgabenbetreuung im Alten Rathaus.

„Wie sieht es in den alten Gebäuden mit Brandschutz und Barrierefreiheit aus?“, will ein Zuhörer wissen. Der Architekt Patzner antwortet, dass im Gebäude Nummer 5 die Decken durchhingen und die Räume sehr niedrig seien: „Eine öffentliche Nutzung ist nur mit sehr großem Aufwand möglich.“

Auf entsprechende Fragen sagt der Bürgermeister Thomas Fritsch, dass sowohl bei Erhalt als auch bei Neubau Investoren per Ausschreibung gesucht werden. „Wir werden uns vorbehalten, deren Konzepte zu prüfen“, sagt er. Das Argument, künftig auf Wohnungen wegen möglicher Anwohnerbeschwerden zu verzichten, lässt er nicht gelten, genauso wenig wie den Vorschlag, die alten Häuser ersatzlos abzureißen. „Der Platz würde dadurch zu groß und diesen entwerten, ihm sogar den Platzcharakter nehmen“, so Fritsch.

Ein anderer Zuhörer fragt, wann beide Projekte zeitlich umgesetzt werden sollen. Der Bürgermeister appelliert an die Mönsheimer, am 6. Dezember ihre Stimme abzugeben – egal welcher Meinung sie sind. „Sie übernehmen eine große Verantwortung“, sagte er, „das ist direkte Demokratie.“

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