In seinem neuen Büro fällt dem Bürgermeister die Arbeit Foto: Karin Rebstock

Die Erweiterung des Porsche-Entwicklungszentrums auf Mönsheimer Gemarkung, das interkommunale Gewerbegebiet an der Autobahn und der innerörtliche Verkehr: Der Bürgermeister Thomas Fritsch hat so einige aktuelle Themen auf der Agenda.

Mönsheim wirkt beschaulich – tatsächlich aber ist in der Grenzbachgemeinde einiges im Gange. Die Verkehrsberuhigung im gesamten Ort ist nach wie vor Thema. Nach dem Aus für die Ortsumfahrung sieht Thomas Fritsch das Land in der Pflicht. Von den Erweiterungsplänen des Weissacher Porsche-Entwicklungszentrums profitiere auch seine Gemeinde, sagt der Schultes.
Herr Fritsch, jetzt sind Sie schon einige Monate im neuen Rathaus. Wie hat sich das Arbeiten seitdem verändern?
Ob Sie es glauben oder nicht, es ist wesentlich entspannter. Natürlich ist die Arbeit immer noch die gleiche – und der Ärger, den es hin und wieder gibt, auch. Aber in dieser angenehmen Umgebung fällt mir einiges leichter. . .

Zum Beispiel?
(lacht) Ordnung zu halten. Ich habe die Chance genutzt und meine Akten sortiert. Außerdem versuche ich, so gut es geht, meinen Schreibtisch freizuhalten.

Wie kommt das neue Rathaus bei den Mönsheimer Bürgern an?
Erstaunlich gut, die Resonanz ist positiv. Viele heben Details wie die farbige Wand oder die Treppe hervor, die den Leuten besonders gut gefallen. Während der Bauzeit gab es zum Teil heftige Kritik, das neue Gebäude werde viel zu groß. Tatsächlich ist es aber so, dass inzwischen fast jedes Büro belegt ist.

Kommen wir zum interkommunalen Gewerbegebiet an der Autobahn, das Mönsheim gemeinsam mit Friolzheim betreibt. Wie geht es denn im „Gewerbepark Heckengäu“ voran?
Das Ganze ist etwas indifferent. Ein großer Teil ist inzwischen besetzt. Die Firma Ber­­­­-trandt, ein Dienstleister für Porsche, hat für die kommenden drei Jahre Flächen gepachtet. Darüber sind wir ganz glücklich. Unser Sorgenkind ist aber die große Lücke in der Mitte. Vor drei Jahren hatte die Garbe Group das Gelände erworben. Die Firma hatte einiges vor. . .

Und was ist dann passiert?
Dann kam die Krise. Zwei Jahre lang ging gar nichts. Garbe hat versucht, das Grundstück an uns zurückzudrücken. Letztlich hat Krannich Solar aus Weil der Stadt das Gelände gekauft. Die Firma wollte hier eigentlich ein Bürogebäude und Lagerhallen bauen. Dann haben sie aber die Bremse reingehauen. Sie wissen noch nicht, wann sie mit dem Bau beginnen wollen.

Wie geht es jetzt weiter?
Krannich Solar hat das Grundstück für 24 Monate an die Firma Porsche vermietet, die bekanntlich ein großes Parkplatzpro­blem auf dem Gelände des Entwicklungszentrums hat. Während des Ausbaus des Zentrums nutzt Porsche die Fläche nun für Interimsparkplätze. Wir sind zwar nicht ganz glücklich, aber es ist erst einmal eine Übergangslösung.

Bleiben wir bei Porsche. Der Sportwagenhersteller baut kräftig aus, die Erweiterung des Entwicklungszentrums auf Mönsheimer Gemarkung rückt immer näher. Wie viel bekommen Sie davon mit?
Von den eigentlichen Bautätigkeiten bekommen wir nicht so viel mit. Aber dass da einiges vorangeht, merken wir schon. Im Sommer 2013 möchte Porsche sein Designstudio und das Elektronikzentrum auf unserer Gemarkung eröffnen. Darüber spricht man natürlich hier im Ort.

Es wohnen bereits viele Porschianer hier und die Kooperation in Sachen Kleinkindbetreuung ist beschlossene Sache. Wie verändert Porsche das Gemeindewesen in Mönsheim?
Auch wenn der BUND und andere Naturschützer nicht gerade erfreut sind, Porsche hat hier schon einen großen Stellenwert. Ein herausragender Teil der Leute begrüßt die Entwicklungen. Schließlich sichert Porsche viele tausend Arbeitsplätze und schafft neue. Und mal abgesehen von der Gewerbesteuer, von der die Gemeinde erst dann etwas hat, wenn die Menschen tatsächlich hier arbeiten: die Mönsheimer Firmen und Geschäfte profitieren auch von den Erweiterungen.

Inwiefern?
Zum Beispiel, wenn die Porschemitarbeiter hier ihre Häuser bauen. Da geht sicherlich der eine oder andere Auftrag an die Handwerker aus der Gegend. Ich gehe davon aus, dass die Mönsheimer Bürger zumindest mittelfristig vom Ausbau des Entwicklungszentrums profitieren.

Wie sieht es diesbezüglich in Ihrer Verwaltung aus? Gibt es noch viel zu tun oder hat sich die Lage inzwischen etwas entspannt?
Wir haben ganz schön gerödelt, das muss ich zugeben. Unser Hauptamtsleiter Klaus Arnold hat auch im Moment noch viel zu tun. Die ganze Sache birgt ein gewisses Stresspotenzial für uns. Beispielsweise werden Beschwerden an uns herangetragen, mit denen wir umgehen und auf die wir reagieren müssen. Wir müssen immer informiert und auf dem neuesten Stand sein. Aber was das betrifft, stehen wir mit Porsche in engem Kontakt und bekommen alle wichtigen Informationen.

Nun zum Dauerbrenner innerörtlicher Verkehr. Die Pläne für die Ortsumfahrung sind vorerst vom Tisch, eine Umgehungsstraße ist unter Grün-Rot unwahrscheinlich. Wie stehen die Chancen für mehr Tempo-30-Zonen in Mönsheim?
Das Verkehrsministerium hat eine mobile Verkehrskommission eingerichtet. Am 13. September treffen sich Vertreter des Ministeriums, des Verkehrsamtes im Landratsamt Enzkreis und unser Verkehrsplaner hier bei uns. Wir werden ihnen unser Verkehrskonzept präsentieren.

Was beinhaltet das Konzept?
Wir wollen die innerörtliche Verkehrssituation für alle erträglicher machen. Und dafür brauchen wir mehr Tempo 30. Und das soll nicht nur für die Lastwagen ab 7,5 Tonnen gelten, sondern für alle Autofahrer. Daran halten wir fest. Da wir die Ortsumfahrung nicht bekommen, müssen wir jetzt schauen, was kommt. Vom Landratsamt wurden wir in dieser Sache bisher im Rahmen des Möglichen unterstützt. Aber es bedarf mehr.

An welchen Stellen muss schnell etwas passieren?
Begleitend zu Tempo 30 für alle Fahrzeuge fordern wir eine stationäre Überwachungsanlage in der Leonberger Straße. Der Zebrastreifen an der Bäckerei liegt nicht optimal, aber das können wir nicht ändern. Mit der Überwachungsanlage wollen wir verhindern, dass die Autofahrer an dieser Stelle durch den Ort brettern. Es ist uns egal, ob die Fahrer dann ganz bewusst dort langsam machen, weil sie wissen, da kommt ein Blitzer. Er soll eine abschreckende Wirkung haben. Außerdem können die Leute danach gar nicht mehr so schnell weiterfahren. Denn bis zur Spitzkehre ist es nicht mehr so weit und sie können nicht mehr so viel Schwung holen. Allgemein brauchen wir weitere Zebrastreifen im Ort. Außerdem fordern wir schon vom Friedhof an Tempo 30.

Wie ließe sich das erreichen?
Mit einer Querungshilfe für Fußgänger, auf Höhe der Bushaltestellen. Die Autos müssten automatisch langsamer fahren und wenn dann ein Bus an der Haltestelle steht, müssten sie eben kurz warten. Das wäre eine effektive Lösung und man müsste gar nicht viel machen. Allerdings will sich das Land als zuständige Behörde finanziell nicht an der Querung beteiligen. Dabei würde sie das Land etwa 5000 Euro kosten, ein wesentlich größerer Anteil käme auf die Gemeinde zu. Und wir wären bereit, unseren Anteil zu bezahlen.

Wie geht es jetzt weiter?
Wir hoffen, dass die Kommission möglichst bald eine Entscheidung trifft. Denn wir müssen wissen, wo es hingeht. Ich sehe da auch das Land in der Pflicht, etwas zu tun. Uns wurde die Ortsumgehung verwehrt und jetzt brauchen wir eine andere Lösung, um den innerörtlichen Verkehr in den Griff zu bekommen.

Sie waren diesbezüglich im Gespräch mit dem Grünen-Landtagsabgeordneten Bernd Murschel aus Leonberg. Was ist daraus geworden?
Grundsätzlich begrüßt Herr Murschel die Entscheidung gegen die Ortsdurchfahrt. Er unterstützt uns aber in unseren Plänen, im gesamten Ort Tempo 30 einführen zu wollen. Er hat sich an entsprechenden Stellen auch schon für unsere Forderungen eingesetzt. Leider kann er nicht beim Gespräch mit der Kommission dabei sein. Aber ich hoffe, dass sein Einsatz Wirkung Zeit. Denn ohne Fürsprecher geht es nicht.

Wie geht die Umgestaltung der Ortsmitte voran?
Die Sache ist im Grunde abgeschlossen. Die alte Sparkasse in der Pforzheimer Straße ist abgerissen und die Häuser direkt vor dem neuen Rathaus kommen noch weg. Wir planen, die Parkplätze in der Friolzheimer Straße noch schöner zu gestalten.

Was haben Sie mit dem Wochelehaus vor?
Jetzt haben Sie mich erwischt, dafür haben wir noch keine genauen Pläne. Wir müssen sehen, was wir damit machen.

Die Landesregierung hat kürzlich angekündigt, in den kommenden Jahren rund 12 000 Lehrerstellen zu streichen. Welche Auswirkungen könnte das auf die Grundschule hier im Ort haben?
Ich hoffe gar keine. Aber ehrlich gesagt kann ich das jetzt noch nicht beurteilen. Die Stellenstreichungen könnten sich eher in der Werkrealschule bemerkbar machen. Wir werden natürlich versuchen, den Schulstandort Mönsheim zu erhalten und durch die Kooperation mit den anderen Gemeinden in Form der Heckengäuschule die Zweizügigkeit auch weiterhin zu garantieren.

Es gab die Überlegung, die Jugendarbeit in die Ortsmitte zu holen. Was ist aus den Plänen geworden?
Der Jugendraum ist nach wie vor draußen beim Freibad, wo auch die Jugendarbeit sitzt. Es gibt mittlerweile nur noch einen festen Abend, an dem der Jugendraum geöffnet hat. Mehr wollen die Jugendlichen offensichtlich nicht. Was gut ankommt, sind besondere Aktionen wie zum Beispiel die Keltentage oder Ausflüge. Aber einen Jugendraum, der nur ein Partytreff ist und bei dem auch Alkohol verkauft wird, wollen wir nicht. Diesen Vorschlag hatten einige Jugendliche nämlich gemacht.

Kommen wir zu einem weiteren Sorgenkind, dem Paulinensee. Fachleute hatten den See untersucht und festgestellt, dass er Wasser verliert. Wie ist der Stand heute?
Der See ist abgedichtet, es läuft kein Wasser mehr aus. Das Ingenieurbüro, das wir mit einer Untersuchung beauftragt haben, hat ein umfassendes Ergebnis vorgelegt. Der Damm muss saniert werden. Er ist durchwurzelt und hat nicht die richtige Geometrie, wie die Experten sagen. Der Gemeinderat muss jetzt entscheiden, wie es damit weitergeht. Derzeit gehen wir nicht davon aus, dass er brechen könnte. Aber klar ist, dass etwas gemacht werden muss, bevor etwas passiert. Denn ob er einem enormen Hochwasser standhalten kann, das wissen wir nicht.

Nachdem die Mönsheimer Verwaltung nun hier im neuen Rathaus weilt, was wird denn aus dem alten Rathaus?
Da gibt es schon Ideen. Wir lassen gerade die Bautechnik des alten Gebäudes untersuchen, um festzustellen, wie groß der Sanierungsbedarf ist. Die Mönsheimer Bürger würden dort gerne ein Café drin haben und ich muss sagen, mir gefällt die Idee auch sehr gut. Wenn die Untersuchungen abgeschlossen sind, würden wir gerne einen kleinen Wettbewerb starten und mal schauen, was die Planungsbüros für Vorschläge machen.
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