Autos so weit das Auge reicht – der Gewerbepark Heckengäu prosperiert, doch es fehlt an Parkplätzen für die Mitarbeiter. Foto: Hans Jörg Ernst

Die Erweiterung der Firma Bertrandt und die gute Auftragslage bei anderen Unternehmen wie EDAG führt dazu, dass deutlich mehr Jobs geschaffen werden. Die Kehrseite ist, dass die Parkplätze im Gebiet Dieb knapp werden.

Mönsheim/Friolzheim - Damit hatten die beiden Bürgermeister Michael Seiß (Friolzheim) und Thomas Fritsch (Mönsheim) nicht gerechnet. Eigentlich ging es in der Sitzung des gemeinsamen Zweckverbandes für den Gewerbepark Heckengäu nur darum, die Parkplatzfläche im Gebiet Dieb um 5700 Quadratmeter zu erweitern. Die Diskussion darüber verlief aber unerwartet heftig. Die zusätzlich geplanten Stellplätze auf einem angrenzenden Waldstück lösten eine Grundsatzdebatte über die Planung für Verkehr, Parken und Busverkehr in dem Gewerbegebiet aus.

Beginnen wir mit den positiven Nachrichte:. Durch die gute Wirtschaftslage ist die Mitarbeiterzahl in einem Maß angestiegen, das so von niemandem in der Verwaltung vorhergesehen wurde. Der Platz für Parkplätze aber ist begrenzt. Die Straßen im Gewerbegebiet sind bereits mit Autos zugeparkt. Große Parkhäuser sucht man bisher vergeblich. Und bis der Ausbau des Busverkehrs greift wird es noch einige Zeit dauern.

„Wir sind davon ausgegangen, dass Sie sich freuen, wenn es einer Firma bei uns so gut geht und sie deshalb erweitern muss“, sagte der Mönsheimer Schultes Thomas Fritsch. Er war von der Diskussion und den vielen Wortmeldungen völlig überrascht.

Worum geht es genau? Die Firma EDAG Engineering GmbH, die für Daimler und Porsche Forschung betreibt, will ihren Parkplatz für die wachsende Belegschaft von bisher 52 auf bis zu 170 Plätze mehr als verdreifachen. Auf dem bisherigen Grundstück ist das nicht zu machen.

Deshalb soll der Gewerbepark für den neuen Parkplatz um eine kleine Waldfläche erweitert werden. Dafür ist eine Änderung des Bebauungsplans notwendig, darüber musste der Zweckverband beraten. Dort sitzen Gemeinderäte aus den beiden Kommunen Mönsheim und Friolzheim.

„EDAG hat in zunehmendem Maße Probleme mit dem Parken. Die Firma ist auf uns zugekommen. Wir haben nach Lösungsmöglichkeiten gesucht und diese auch gefunden“, erklärte der Friolzheimer Bürgermeister Michael Seiß zunächst. Besitzer des Waldstücks, auf dem der neue Parkplatz angelegt werden soll, ist der Mönsheimer Gemeinderat Norman Freiherr von Gaisberg-Schöckingen (Freie Wähler), der auch in der Zweckverbandssitzung sitzt, aber wegen Befangenheit nicht mit beraten durfte.

Gaisberg habe nach Aussagen von Michael Seiß im Vorfeld deutlich gemacht, dass eine weitere Vergrößerung des Gebietes in Richtung Westen wegen des angrenzenden Golfplatzes vom Stuttgarter Golf-Club Solitude nicht mehr möglich sei.

Heftige Kritik kam von Jürgen Sülzle, dem Fraktionschef der Liste „Wir für Friolzheim“: „Warum braucht die Firma EDAG plötzlich das dreifache an Parkplätzen? Das ist schon eine Marke.“ Jeder der ein Gebäude plane, müsse auch die notwendige Anzahl Parkplätze einplanen.

Seiß verwies darauf, EDAG habe das Firmengebäude von Anfang an so konzipiert, dass es aufgestockt werden könne. „Den Stellplatzschlüssel für einen Betrieb darf man nicht mit dem für ein Privathaus vergleichen“, unterstützte Mönsheims Schultes Thomas Fritsch seinen Amtskollegen. Damit ist die Zahl der notwendigen Parkplätze pro Mitarbeiter gemeint.

Doch die Kritik verstummte nicht: Auch der Fraktionsvorsitzende der Friolzheimer Freien Wähler, Helmut Jentner, schloss sich an. „Das arbeitet bei mir schon im Kopf: 52 Plätze und dann noch 120 dazu. Das ist schon verwunderlich, da ist Kritik durchaus berechtigt“, sagte Jentner. Der Mönsheimer Hans Kuhnle (Bürgerliste) sah das anders: „Wenn eine Firma expandieren muss, müssen wir das angehen.“

Jürgen Sülzle hakte nach: „Was passiert, wenn noch mehr Firmen kommen? Die kündigen zwar alle den Bau von riesigen Parkhäusern an, aber dann reichen diese am Ende doch wieder nicht.“ Schließlich entschieden sich die Vertreter im Zweckverband doch, den Bebauungsplan im Sinne der Firma EDAG zu ändern – also die zusätzlichen Parkplätze zu billigen. Von Mönsheimer Seite einstimmig und von Friolzheimer mit zwei Gegenstimmen von Jürgen Böhmler und Jürgen Sülzle, beide von der Liste „Wir für Friolzheim.“

Ein Konzept für den Busverkehr im Heckengäu will das Landratsamt Enzkreis in den kommenden Wochen vorlegen.

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