Im Gewerbegebiet sollen Flüchtlinge vorübergehend eine neue Heimat finden. Foto: Ernst

Im Gewerbegebiet „Langer Graben“ entsteht eine Containersiedlung für 50 Flüchtlinge. Parallel zur Straße sollen zweigeschossige Container mit Wohn-, Sozial- und Technikeinheiten aufgebaut werden.

Mönsheim/Friolzheim - Begeistert sind sie augenscheinlich nicht, die Mönsheimer Gemeinderäte. In der jüngsten Sitzung des Gremiums informierte Thomas Hammen, Sachgebietsleiter des technischen Gebäudemanagements im Landratsamt Enzkreis, das Gremium über eine geplante Wohnanlage für 50 Asylbewerber im Gebiet „Langer Graben“. Parallel zur Straße sollen zweigeschossige Container mit Wohn-, Sozial- und Technikeinheiten aufgebaut werden.

„Mönsheim muss seinen Beitrag bringen, das ist klar.“ Trotzdem fühle er sich getäuscht. „Es war zunächst angedacht, im Langen Graben 30 Asylbewerber unterzubringen. Jetzt sind es 50“, übte Hans Kuhnle (Bürgerliste) Kritik. Mehrere Räte im Gremium befürchten, dass die Aufnahmequote weiter steigt. Bis Jahresende sollen dem Enzkreis bis zu 800 Unterbringungsplätze fehlen, darüber informierte der Friolzheimer Bürgermeister Michael Seiß.

„Wir suchen händeringend“

In Friolzheim ist derzeit keine Containeranlage geplant. Dort setzt die Verwaltung weiter auf eine private Unterbringung der Asylbewerber. „Wir suchen händeringend nach Unterbringungsmöglichkeiten. Wir wollen große Einheiten möglichst verhindern“, betonte Michael Seiß jüngst im Friolzheimer Gemeinderat. Bis zum Jahresende erwarte der Enzkreis rund 1200 Flüchtlinge. Die Unterbringung von 400 sei derzeit gesichert, so Seiß. Dafür baut der Landkreis derzeit sechs Containersiedlungen. Mönsheim hat sich bereit erklärt einen solchen Containerstandort im Gewerbegebiet „Langer Graben“ möglich zu machen. Der Gemeinderat stimmte trotz Bedenken einstimmig dafür.

Für einen Zeitraum von zehn Jahren hat das Landratsamt ein Grundstück im Gewerbegebiet gepachtet. Weil sich das Grundstück im Überschwemmungsbereich des Grenzbachs befindet, müssen die Container über Rampen betreten werden. Üblich ist, dass jedem Asylbewerber 7,5 Quadratmeter zur Verfügung stehen müssen. So ist die Anlage mit insgesamt zehn Wohneinheiten konzipiert.

Viereinhalb Quadratmeter

„Aktuell müssen wir mit 4,5 Quadratmetern belegen. Es gibt keine Flächen mehr. Mit der Genehmigung des Ordnungsamtes sind sieben Menschen pro Container zugelassen“, so Sachgebietsleiter Hammen und fügte an: „Ich gehe davon aus, dass das Ordnungsamt bei der heutigen Situation auch sieben Personen unterbringen wird. Das muss ich ehrlich sagen.“

Damit könnte die Zahl der Asylbewerber in der Anlage auf 70 ansteigen. „Wir sind die kleinste Enzkreisgemeinde. Ein Prozent Aufnahmequote pro Einwohner ist die Richtschnur, das hat der Landrat Karl Röckinger gesagt. Wir sind praktisch mit dieser Anlage schon bei zwei Prozent“, sagte Hans Kuhnle.

In viele Richtungen wurde diskutiert, dabei ging es auch um die Lebensqualität in der Containeranlage. „Ich tue mich da schwer mit der kompakten zweigeschossigen Bauweise, die fast sechs Meter hoch ist und zwischen den Containerreihen diesen schmalen Gang hat. Das ist doch keine Aufenthaltsqualität“, kritisierte Stefanie Haindl (FWG) die Planung. Das seien wirtschaftliche Zwänge, argumentierte Hammen. Bauen in der Fläche sei um einiges teurer.

Die Containersiedlung kostet mit den Stegen und Treppen rund 700 000 Euro. Der Beschluss des Gemeinderates fiel einstimmig für den Bau der Anlage, beinhaltete allerdings den Passus, dass diese mit maximal 50 Asylbewerbern belegt werden darf. Die Anlage soll Ende Oktober geliefert werden und ist dann Mitte November bezugsfertig.

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