Der Gebäudekomplex besteht aus 314 Containern. Foto: Bertrandt

Der Ehninger Automobilzulieferer errichtet in nur acht Wochen im Gewerbepark Heckengäu aus Containern ein provisorisches Entwicklungszentrum. Was derweil mit dem Krannich-Areal geschieht, entscheidet sich wohl Anfang 2013.

Mönsheim - Friolzheim - Der Bertrandt-Konzern aus Ehningen hat eine neue Niederlassung im Gewerbepark Heckengäu, den Mönsheim und Friolzheim gemeinsam betreiben. Dort hat das Unternehmen, das Autos und Flugzeuge effizienter macht, in nur acht Wochen ein neues Entwicklungszentrum aus dem Boden gestampft. Auf einer Fläche von mehr als 5700 Quadratmetern – so groß wie ein Fußballfeld – entstanden zwei Bürokomplexe, in die bis zum Januar kommenden Jahres rund 500 Mitarbeiter einziehen sollen.

Die Anlage im interkommunalen Gewerbegebiet wird zur beruflichen Heimat vorwiegend von Fachingenieuren, Entwicklern und Technikern. Seit Mitte Oktober beziehen sie ihre neuen Arbeitsplätze. „Die Belegschaft kommt hauptsächlich aus unserem Stammwerk in Ehningen, dem dortigen Technikum“, sagt die Firmensprecherin Anja Schauser. So wie dort sei auch im Mönsheimer Komplex die gesamte Entwicklungskette angesiedelt, von der Idee bis hin zur Fertigung. „Die Hardwarethemen wie den Modellbau belassen wir aber doch in Ehningen“, so Schauser.

Der Clou: Die neuen Gebäude bestehen aus genau 314 einzelnen Containern. Beim Bau fügten sie die Arbeiter einer Spezialfirma zu jeweils drei Stockwerke hohen Anlagen zusammen. „Bei einem herkömmlichen Gebäude hätte die Planungs- und Bauphase mindestens zweieinhalb Jahre gedauert“, sagt Michael Walther, der Leiter des Qualitätsmanagements bei Bertrandt. Diese Zeit habe man allerdings nicht gehabt, da die Nachfrage ständig steige. Vor allem im Bereich der umweltfreundlichen Mobilität, beim Komfort und bei der Sicherheit. Ein „dynamisches Projektgeschäft“ nennt es Walther.

Der Standort der neuen Niederlassung liegt nur einen guten Kilometer vom Heimsheimer Autobahnanschluss entfernt. Außerdem wissen die Konzernverantwortlichen die Nähe zu den Großräumen Mühlacker, Pforzheim und Stuttgart zu schätzen. Neben dem Ehninger Hauptsitz und der Niederlassung im Weissacher Gewerbegebiet Neuenbühl ist der neue Komplex auf Mönsheimer Gemarkung der dritte Bertrandt-Standort im nahen Umkreis. Auch in unmittelbarer Nachbarschaft, in Nufringen und Ludwigsburg, produziert der Dienstleister. Insgesamt ist der 1974 gegründete Fahrzeugzulieferer mit mehr als 8600 Mitarbeitern in sieben Ländern präsent, darunter auch die USA, China und Spanien.

„Wir freuen uns über Bertrandt“, sagt der Friolzheimer Bürgermeister Michael Seiß – auch angesichts der Tatsache, dass die Belegung der Flächen im Gewerbegebiet in der Vergangenheit etwas stockte. Zunächst habe das Unternehmen das Areal gepachtet, nun stehe der Kauf an.

„In den kommenden Tagen wird der Vertrag unterzeichnet“, versichert Seiß. Laut dem Friolzheimer Rathauschef liegen die Quadratmeterpreise im Gebiet zwischen 80 und 85 Euro. Bei Bertrandt betont man, dass die Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Pforzheim sowie mit den Gemeinden Mönsheim und Friolzheim ausgesprochen gut funktioniert habe. Planung und Genehmigung nahmen lediglich drei Monate in Anspruch. Danach begannen sofort die Bauarbeiten. Langfristig ist im Gewerbegebiet Heckengäu eine feste Lösung ohne Container geplant. Ein fixer Zeitplan existiert dafür noch nicht. Jedoch geht es laut der Sprecherin Anja Schauser in den provisorischen Büroeinheiten keinesfalls spartanisch zu. Empfangshalle, helle Zimmer, Treppenhäuser, Kantine, alles sei bereits vorhanden.

Dies ist bei dem großen Bereich in der Mitte des Gewerbegebiets noch nicht der Fall. Das Areal gehört der Solarfirma Krannich. Die wiederum hat die Fläche als „Interimsparkplatz“ an Porsche weitervermietet. „Mein letzter Stand ist“, so Michael Seiß, „dass sich Krannich zu diesem Standort bekennt.“ Der Friolzheimer Verwaltungschef habe vor etwas mehr als zwei Wochen allerdings um einen Gesprächstermin mit den Verantwortlichen des Hausener Unternehmens gebeten. Getroffen habe man sich aber noch nicht. „Im ersten Quartal des neuen Jahres soll dann wohl eine Entscheidung fallen“, sagt Seiß.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: