Die Bürgerinitiativen-Vertreter Ralf Stuible und Silke Wuff (von links) diskutieren über den Bürgerentscheid. Foto: factum/Bach

Sie sind zusammen mit dem Auto zum Redaktionsgespräch gekommen. Die Atmosphäre zwischen Thomas Fritsch und den Vertretern der Bürgerinitiative (BI) ist entspannt. Es wird kontrovers diskutiert, aber menschlich versteht man sich.

Mönsheim – - Sie sind zusammen mit dem Auto zum Redaktionsgespräch gekommen. Die Atmosphäre zwischen Thomas Fritsch und den Vertretern der Bürgerinitiative (BI) ist entspannt. Es wird kontrovers diskutiert, aber menschlich versteht man sich. Alle wollen das Ergebnis des Bürgerentscheids akzeptieren. Die Standpunkte sind klar: Der Bürgermeister hält eine Sanierung der beiden Gebäude für unwirtschaftlich, die Bürgerinitiative sorgt sich um die historische Bausubstanz.
Herr Fritsch, wie kommt man denn zu einem Bürgerentscheid in Mönsheim?
Fritsch: Das ist tatsächlich selten, es ist der erste in der jüngeren Geschichte, vielleicht sogar überhaupt in Mönsheim. Aber wenn die notwendigen Unterschriften beisammen sind und es keine Ausschlussgründe gibt, steht einem solchen Bürgervotum auch nichts entgegen. Jetzt haben die Bürger das letzte Wort.
Frau Wuff, warum wollen Sie die Gebäude Pforzheimer Straße 3 und 5 erhalten?
Wuff: Ich bin ja selbst zugezogen nach Mönsheim. Ich habe keine direkte Beziehung zu den Gebäuden. Aber ich finde es schöner, alte Bausubstanz zu erhalten, als neue Gebäude zu errichten. Der Bürgerentscheid war die einzige Möglichkeit, eine andere Entscheidung zu erreichen.
Herr Stuible, warum sammeln Sie in Ihrer Freizeit Unterschriften?
Stuible: Wir haben uns nach der Entscheidung des Gemeinderates im Bekanntenkreis unterhalten. Ich komme aus Mönsheim und bin hier aufgewachsen. Ich kenne die Gebäude am Marktplatz seit meiner Kindheit. Wir haben uns ein paar Mal getroffen und über Regularien informiert. Dann sind wir Klinkenputzen gegangen.
Warum will der Gemeinderat die beiden Gebäude abreißen und nicht sanieren?
Fritsch: Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass wir sie unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht sanieren können. Im Gemeinderat waren wir uns einig, dass man beide Gebäude zusammen betrachten muss. Wir müssten unheimlich viel Geld reinstecken, um sie für moderne Mietverhältnisse zu sanieren. Es steht ein Betrag von 300 000 Euro im Raum. Außerdem ist uns wichtig, dass das Areal ein einheitliches Gesicht bekommt. Klar ist: Abriss ohne neue Gebäude war nie eine Option.
b>Sind die Gebäude überhaupt sanierbar?
Was macht die beiden alten Häuser so erhaltenswert?
Stuible: Zum Ortskern mit Marktplatz, Rathaus, Kirche und Alter Kelter gehören auch die beiden Gebäude. Sie sind aufgrund ihres Alters historisch. Nummer fünf war mal ein barocker Bau, Nummer drei ein altes Bauernhaus. Klar, die Gebäude haben sicher keinen historischen Wert. Aber es geht uns darum, die Kleinteiligkeit des Marktplatzes zu erhalten. Wir wollen kleine Häuser, die auch zum Ortskern passen, ein größeres Gebäude wäre an der Stelle zu dominant.
Sind sie überhaupt sanierbar?
Wuff: Grundsätzlich auf jeden Fall. Natürlich kostet das Geld. Aber wenn die Gemeinde das Haus renoviert mit all ihren Standards, kostet das deutlich mehr, als wenn es ein Privater machen würde. Was für die Nummer drei mit Joachim Baumgärtner ja gegeben wäre. Und für die Nummer fünf haben wir schon Kostenvoranschläge eingeholt, denen zufolge ein Umbau nicht so teuer werden muss.
Stuible: Es müsste natürlich eine öffentliche Ausschreibung geben. Joachim Baumgärtner hat selbst gesagt: Wenn jemand anderes kommt, tritt er zurück. Die 300 000 Euro wären übrigens der Preis dafür, die beiden Gebäude wieder in den ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen. Wir rechnen nur mit einem Drittel der Kosten.
Fritsch: Wenn wir das Gebäude als Gemeinde vermieten wollen, können wir bestimmte Dinge einfach nicht so lassen. Es gibt in Nummer drei nicht einmal eine Zentralheizung, da wurde das Öl mit Kannen hochgetragen. Teilweise hängen die Decken durch. Wir müssen schon realistisch mit 300 000 Euro rechnen, und das ist viel Geld für eine Wohnfläche von 150 Quadratmetern. Rein betriebswirtschaftlich müssten wir dann eine Miete verlangen, die man in Mönsheim nicht erzielen könnte.
Wie soll denn der Neubau konkret aussehen?
Fritsch: Unser Planer Günther Patzner will dort einen schlanken Neubau errichten. Er versteht es sehr gut, moderne Gebäude in eine historische Umgebung einzufügen. Ein einstöckiger Neubau macht dort keinen Sinn. Aber der Planer lässt dem Marktplatz genügend Raum. Durch die Verbindung zum Alten Rathaus gewinnt man sogar Fläche. Das Gebäude wäre nur einen Meter höher als die bisherigen Häuser, genauso tief und 4,80 Meter breiter. Das ist letztlich wie die Frage: Schmeckt mir das Essen oder nicht?
Um im Bild zu bleiben: Ihnen schmeckt dieses Essen an der Stelle nicht?
Wuff (lacht): Ja. Mir ist das Gebäude zu groß, zu modern. Es stehen dort zwei schöne Häuser, die möchte ich gerne erhalten.
Stuible: Es würde den Marktplatz zu stark verändern. Etwa durch die geplante Tiefgarage, dadurch müssten die alten Bäume auf dem Platz entfernt werden. Auf einer Tiefgarage wächst kein Baum mehr. Ja, der Platz wird größer, aber die kleine, verwinkelte Struktur geht verloren, es wären nur noch Pflanzenkübel möglich.
Fritsch: Mit den Bäumen haben wir ohnehin Probleme, weil sie das Pflaster anheben. Eine schöne, ansprechende Gestaltung wäre trotzdem möglich. Das neue Gebäude würde nicht alles andere in den Schatten stellen, sondern es würde die Bebauung dezent ergänzen.

Wie geht es nach dem Sonntag weiter?

Fürchten Sie generell um die historische Bausubstanz in Mönsheim? Wie ist die Entwicklung aus Ihrer Sicht verlaufen?
Stuible: Die Frage ist immer: Gibt es Alternativen? Man müsste manchmal etwas sensibler sein, auch bei der Auswahl der Architekten. Nicht nur in Mönsheim. Das ist ein genereller Trend, der oft in Richtung Neubau statt Erhalt geht.
Wuff: Es geht mir darum, dass man nicht alles teuer saniert, sondern dass man für die Bewohner einen einfachen, akzeptablen Standard schafft. So könnte man in solchen alten Gebäuden auch bezahlbaren Wohnraum schaffen.
Fritsch: Generell kann ich das Anliegen schon verstehen, die alte Architektur zu erhalten. Das haben wir in Mönsheim auch schon so umgesetzt. Der Gemeinderat geht nicht mit der Abrissbirne durch, man macht sich die Entscheidung nicht leicht. Auch am Marktplatz wurden alle Alternativen durchdiskutiert.
Was machen Sie, wenn die Abstimmung nicht in Ihrem Sinne ausgeht?
Fritsch: Dann werde ich den Beschluss umsetzen, das ist meine Pflicht. So steht es in der Gemeindeordnung, auf die ich meinen Eid geschworen habe. Ich werde mir dann aber erlauben, Sie beide in die Pflicht zu nehmen bei der Umsetzung.
Stuible: Klar, wer A sagt, der muss auch B sagen. Wir bringen uns dann natürlich ein. Damit die beiden Gebäude so entwickelt werden, wie wir es uns vorstellen. Oder wir helfen bei der Investorensuche.
Wuff: Wenn der Bürger entscheidet, dass das neue Gebäude schöner ist, dann akzeptieren wir das natürlich.
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