Die Rettungshundestaffel kommt immer dann zum Einsatz, wenn der Hubschrauber vermisste Personen nicht findet. Hier bei einer Übung im Wald bei Mönsheim. Foto: Andreas Gorr

Die Rettungshundestaffel sucht nach vermissten Personen und ist oft für verwirrte Senioren die letzte Hilfe. Dabei gibt es keine öffentlichen Zuschüsse, die Engagierten arbeiten ehrenamtlich und müssen alles aus eigener Tasche bezahlen.

Mönsheim - Ein ganz kleines Näschen und ein großer Wald. Aber für Ayla, die Hundedame mit der kleinen Nase, ist das kein Problem. Schnurstracks spurtet sie quer über die bunten Laubblätter in Richtung Nirgendwo. Ayla ist zwar erst acht Monate alt, schnüffelt aber schon richtig professionell zwischen den Ästen herum.

„Bei Rettungshunden ist es wichtig, dass sie möglichst früh mit der Ausbildung beginnen“, erklärt Heike Rus. Sie ist eine der Ausbilderinnen bei der Rettungshundestaffel Nördlicher Schwarzwald, zu der Hunde in Pforzheim und dem Enzkreis gehören. Und bald vielleicht auch das stolze Riesenschnauzer-Mädchen Ayla, zumindest, wenn sie weiterhin so kräftig trainiert. „Wuff, wuff“, bellt sie da auch schon, irgendwo im Gestrüpp, und wedelt kräftig mit dem Schwänzchen.

Training für die Suche nach vermissten Menschen

Auch Thomas ist zufrieden: „Das hast du fein gemacht“, sagt der Kollege von Heike Rus. Ihn musste Ayla finden zwischen den Bäumen und Ästen finden. Denn das wird einmal zu ihren Hauptaufgaben gehören, wenn sie einmal ein ausgebildeter Rettungshund ist. „Meistens, wenn ältere Menschen aus Altersheimen verschwinden und nicht mehr zurückfinden“, sagt Heike Rus, „dann werden wir gerufen.“

Bis es soweit ist, heißt es: üben, üben, üben. Nicht nur für Ayla, die zufrieden ihr gekochtes Rindfleisch-Stückchen verspeist, das ihr Thomas als Belohnung überreicht hat. Üben müssen auch die fertig ausgebildeten Rettungshunde an diesem sonnigen Samstagmittag, hier irgendwo im Mönsheimer Wald.

„Auch die richtigen Einsätze finden meistens im Wald statt“, erklärt Heike Rus. Denn die Hunde werden gerufen, wenn die Polizeihubschrauber nichts mehr finden. Das ist meist im Wald der Fall.

Durch das Gestrüpp stolpert jetzt auch Hannah. Sie ist mit ihren zehn Jahren eine erfahrene Retterin. Üben muss sie trotzdem noch, zweimal in der Woche ist Frauchen Rebecca Sessler mit ihr unterwegs. Jetzt übt sie zusammen mit Ausbilderin Heike Rus.

„Ihr müsst jetzt in diesem Abschnitt hier drei Menschen finden“, sagt Rus. Für die Hündin Hannah kein Problem. „Wuff, wuff“, bellt die nach wenigen Sekunden. Das Bellen gehört nämlich ebenfalls zum Ausbildungsprogramm, erklärt Heike Rus: „Wenn die Hunde eine Person gefunden haben, müssen sie bellen, damit der Hundeführer die Stelle auch findet.“

So erfolgreich wie bei der heutigen Übung war Hannah schon im richtigen Einsatz. Vor zwei Jahren, mitten im Winter, bei Schnee. „Eine ältere Dame war das“, erinnert sich Frauchen Rebecca Sessler. „Sie ist bei einem Spaziergang hingefallen und kam dann nicht mehr hoch.“

Mitten in der Nacht rief die Polizei die Rettungshundestaffel um Hilfe. Das Team aus dem Nordschwarzwald rückte aus. An der Spitze steht im Einsatz dann eine Zugführerin. „Ich koordiniere den Einsatz dann zusammen mit der Polizei“, erklärt Anke Gareis, im Hauptberuf Notärztin und ausgebildete Hundestaffel-Zugführerin.

Nicht jeder Hund ist für jedes Gelände geeignet

„Wir teilen dann das Gebiet auf die Hunde auf“, sagt sie. Denn nicht jeder Hund kommt für jedes Gelände in Frage. Hannah als ältere Dame bevorzugt da die gemütlicheren Gegenden. Dennoch hat auch sie noch Spaß an der Arbeit, davon ist ihr Frauchen Rebecca Sessler überzeugt.

„Das ist eine sinnvolle Arbeit mit den Hunden“, sagt sie, „besser als nur Pokale zu sammeln wie im Hundesport.“

Sportlich müssen aber auch die Rettungshunde sein. Zum Beispiel Catino, der jetzt an der Reihe ist. Auf einem Jägerstand hat sich Thomas diesmal versteckt, aber das wissen weder der Hund, noch sein Frauchen Heike Rus. „Lauf und helf“, ruft das Frauchen, macht eine geschwungene Handbewegung, und Catino rennt los.

Sechs Jahre ist er alt und hat sogar zwei Ausbildungen hinter sich. Er ist Flächen- und Trümmersuchhund, er kann also nicht nur Waldstücke, sondern auch eingestürzte Häuser nach Überlebenden absuchen.

„Dafür müssen die Hunde und wir Führer jedes Jahr eine Wiederholungsprüfung ablegen“, sagt Heike Rus. Unterstützung vom Staat gibt es dafür keine, die Hundeführer arbeiten ehrenamtlich und bezahlen alles aus eigener Tasche. „Wenn wir was anschaffen wollen, müssen wir mit der Spendenbox durch Fußgängerzonen tingeln“, sagt Anke Gareis. Aber das ist den Hunden egal, Catino ist glücklich, dass er Thomas auf dem Jägerstand gefunden hat. Zur Belohnung gibt es das Lieblingsessen.

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