Das SI-Centrum steht seit bald 20 Jahren in Möhringen – ohne jedoch ein echter ­Bestandteil des Stadtbezirks geworden zu sein. Foto: Steinert

Mit Argwohn betrachteten die Möhringer das SI-Centrum in den 1990er-Jahren. Der hat sich nun gelegt.

Stuttgart-Möhringen - Protestmärsche, Unterschriftenaktionen und Ärger über Lärm und zugeparkte Wohngebiete: Viele Möhringer sahen in den 1990er-Jahren dem Bau des Stuttgarter SI-Centrums mit Sorgen entgegen. Dabei hatte sich die Stadt von dem Vergnügungszentrum doch eigentlich mehr Arbeitsplätze, eine Imageverbesserung und mehr Übernachtungsgäste erhofft – und keine wütenden Bürger. Inzwischen jedoch haben sich die Gemüter weitgehend beruhigt. Und über das eine oder andere Angebot des SI scheinen sich die Möhringer sogar zu freuen. Wirklich im Stadtteil „angekommen“ ist das Freizeitzentrum mit Kinos, Gastronomie, Spielbank, Wellnessbad und Musical-Theatern aber bis heute offenbar nicht.

Jürgen Lohmann, der seit 1989 Bezirksvorsteher des Stadtbezirks ist, erinnert sich noch gut an die Kritik der Anwohner, die sich in den 1990er-Jahren über das verstärkte Verkehrsaufkommen, zugeparkte Flächen und den verkehrsbedingten Lärmpegel beklagten. „In den ersten fünf Jahren des SI-Centrums gab es keinen Tag, an dem in Möhringen nicht über das Freizeitzentrum diskutiert wurde“, erzählt Lohmann. 1995 seien sogar rund 800 Anwohner auf die Straße gegangen und hätten gegen den Bau des zweiten Musical-Theaters, das heutige Stage Palladium, demonstriert.

Nach wie vor, so Lohmann, sei das Parken von SI-Gästen in den Gebieten Salzäcker und Kolbäcker ein Problem für manche Anwohner. Deshalb gebe es bis heute regelmäßige Kontrollen des Ordnungsamtes. Außerdem kümmere sich eine Anwohnerinitiative immer noch um die Ausgabe von Anwohnerparkausweisen. Die Parkplatzsituation sei aber heute der letzte und einzige Stein des Anstoßes. „Insgesamt wird das SI-Centrum positiv aufgenommen“, sagt der Bezirksvorsteher. „Viele Möhringer nutzen beispielsweise das Musicalangebot oder gehen ins Kino.“

Lohmann: „Die Kommunikation könnte schon noch besser sein“

Über die Frage, ob das Freizeitzentrum heute als echter Bestandteil Möhringens wahrgenommen wird, muss Lohmann dennoch kurz nachdenken. „Das SI gehört dazu, aber es wäre wünschenswert, wenn es mehr Kontakte zum Stadtbezirk geben würde“, sagt er. Früher, erklärt Lohmann, sei man vom Zentrumsmanagement beispielsweise über große, überregionale Veranstaltungen im SI-Centrum informiert worden. Heute sei das leider nicht mehr der Fall. „Da könnte die Kommunikation schon noch besser sein.“

Mit dem Freizeitzentrum als Veranstaltungsort sind aber zumindest die Tourismusverantwortlichen absolut zufrieden. So ist der Geschäftsführer der Stuttgart- Marketing und der Regio Stuttgart Marketing und Tourismus GmbH, Armin Dellnitz, von der Bedeutung des SI-Centrums für den Tourismus überzeugt. „Aus touristischer Sicht besonders attraktiv ist ohne Zweifel die Welt der Musicals sowie zwei moderne und komfortable Hotels, die einen hohen Anteil internationaler Gäste beherbergen“, so Dellnitz. In den nächsten Jahren, sagt er, müsse es aber gelingen, den übernachtungsrelevanten Anteil der Musicalbesucher weiter zu steigern. Hierzu lägen bereits konkrete Planungen vor.

Den von der Parksituation genervten Anwohnern wird dies zwar kaum weiterhelfen. Doch laut Bezirksvorsteher Jürgen Lohmann gibt es im SI-Centrum zumindest einmal pro Jahr ein Fest, von dem die Möhringer gerne profitieren. „Wenn es an Silvester das Feuerwerk im SI gibt“, sagt er, „dann freut sich ganz Möhringen.“

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