Die Fotovoltaikpaneele versorgen nun das gesamte Dorf mit Strom. Foto: Peter Althoff

Der Möhringer Peter Althoff baute in dem Bergdorf Ho Lu im Vietnam eine Solaranlage. Nun müssen die Bewohner nicht länger 40 Kilometer weit laufen, um ihr Handy aufzuladen. Nicht nur beim Spendensammeln hatte er mit Problemen zu kämpfen.

Möhringen - Bevor Peter Althoff in das im Norden von Vietnam gelegene Dorf Ho Lu gereist ist, haben die Kinder dort im Licht des offenen Feuers gelernt. Durch den Rauch holten sich viele Schüler Augen- und Atemwegserkrankungen. Das einzige elektrische Licht, das wenige der abgelegenen Hütten erhellte, spendeten batteriebetriebene Lampen. Die Batterien aber sind teuer und halten nur eine begrenzte Zeit. Um ihre Mobiltelefone aufzuladen, mussten die Dorfbewohner knapp 40 Kilometer zurücklegen.

Nun brauchen sie einzig den Lichtschalter umlegen, damit die Hütten taghell sind. In die installierten Steckdosen können sie nicht nur die Ladekabel für ihre Handys stecken, sondern auch das Kabel der Gefriertruhe. Zu verdanken haben sie das dem Möhringer Peter Althoff. Er engagiert sich bei den Elektrikern ohne Grenzen.

Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Energieversorgung in den ärmsten Regionen der Welt zu verbessern. In Bergdörfern wie Ho Lu, in denen bisher noch gar kein Strom durch Leitungen fließt, wollen die Mitglieder eine Stromversorgung herstellen. Althoff reiste deshalb im November des vergangenen Jahres nach Vietnam. Begleitet wurde er von Tom, wie er den jungen Mann in seinen Erzählungen nennt, und dem Fotografen Roland.

Das Erreichen des Spendenziels war knapp

Doch noch bevor es auf Reisen ging, hatte Althoff mit den ersten Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Solaranlage, die in Ho Lu gebaut werden sollte, musste finanziert werden. Rund 23 000 Euro sollte es kosten, im Dorf eine elektrische Energieversorgung herzustellen. Einen Teil der Summe sammelte Althoff per Crowdfunding, also die Finanzierung durch viele Menschen. Das Prinzip des Crowdfundings beruht darauf, dass im Internet das Projekt vorgestellt wird und jeder einen Betrag in selbst gewählter Höhe spenden kann. Peter Althoff musste auch ein Spendenziel angeben. Wird dieses innerhalb der Frist verfehlt, geht das Geld an die Spender zurück.

Er bangte, denn wenige Tage vor dem Ablauf der Frist war das Geld noch nicht beisammen. „Das hat mir wirklich schlaflose Nächte bereitet“, sagt der 71-Jährige. Als absehbar war, dass die Spenden das Ziel verfehlen werden, wendete sich Althoff an den Pfarrer seiner Gemeinde. Der sicherte sofort eine Spende zu. So kam der Betrag doch noch zusammen.

Kommunikation mit Händen und Füßen

Im November ging es dann los. Nach 14 Stunden Flug und acht Stunden Autofahrt trafen die drei Reisenden aus Europa in der Provinzhauptstadt Cao Bang ein. Von dort aus ging es weiter nach Bao Lac. Dort ließ Althoff die Masten anfertigen. Die Bestellung hatte er noch von Deutschland aus vorgenommen, sie in Deutschland produzieren zu lassen und zu exportieren, ging nicht. Althoff arbeitet bei seinen Projekten oft mit lokalen Unternehmen zusammen. Bei einer Distanz von mehr als 1000 Kilometern gestaltet sich die Kommunikation schwierig. „Da gehört ein gesundes Gottvertrauen dazu, dass das alles funktioniert“, sagt Althoff. Er selbst hat zwei Jahre lang in Südostasien gelebt und kennt deshalb die Mentalität der Vietnamesen: „Sie sind pünktlich, wissbegierig und zuverlässig. Das ist ein großer Vorteil.“

Die gesamten Materialien mussten ins Dorf getragen werden, da nach Ho Lu keine Straße führt. „Allein die Kabel wogen über 600 Kilogramm. Die mussten ins Gebirge gebuckelt werden, von knapp 600 Höhenmetern auf fast 2700 Höhenmeter rauf. Da war dann das ganze Dorf unterwegs.“ Tragen mussten die Reisenden aus Europa aber nichts. Das übernahmen die Dorfbewohner. Für Peter Althoff war der Weg schon Herausforderung genug. An manchen Stellen war der Trampelpfad nur 50 Zentimeter breit, daneben ging es steil bergab. Und auch die Steigung im Gebirge war nicht ohne. „Wenn du dort hochstapfst, sind alle Arterien wieder frei“, sagt der 71-Jährige.

Im Dorf angekommen verteilte Althoff Kuscheltiere, die er aus Deutschland mitgebracht hatte. Manche Kinder haben die flauschigen Spielzeuge aber erst mal abgelehnt. Sie dachten, die Tiere leben. „Die Kinder sind am misstrauischsten. Wenn du deren Vertrauen gewinnst, hast du auch das der Alten“, sagt Althoff.

Schlafen über Hühnern, Schweinen und Kühen

Insgesamt hielten sich Althoff, Tom und Roland knapp einen Monat in dem Dorf auf, um die Anlage zu installieren. Während der Arbeiten lebten sie in der Hütte des Dorfältesten. Durch die Holzwände drang Licht ein, geschlafen wurde über einem von Hühnern, Kühen und Schweinen bewohnten Stall. „Das Dorf ist arm, aber glücklich“, sagt Althoff.

Trotz der Strapazen wurde täglich gearbeitet. Dabei waren Althoff und seine Begleiter auf die Hilfe der Dorfbewohner angewiesen. Da keiner der drei die Sprache der dort lebenden Minderheit der Dao sprach, kommunizierten sie mit Händen und Füßen. Die ersten Handgriffe führte Althoff immer selbst aus: „Vormachen ist das Stichwort. Wenn die Dorfbewohner es verstanden haben, reißen einem alle die Werkzeuge aus der Hand und machen es selbst.“ Weil das ganze Dorf mithalf, stand die Fotovoltaikanlage einen Tag früher als geplant. „Es ist ein unglaublich gutes Gefühl, helfen zu können“, sagt Althoff.

Die Dorfbewohner feierten die neu gewonnene Stromversorgung mit einem Fest des ersten Lichts. Althoff verabschiedete sich schon während der Feierlichkeiten. Er wollte den langen Weg bergab unbeschadet überstehen. Noch vor der Heimreise nahm der 71-Jährige ein zweites Projekt im Vietnam in Angriff: „Erst wenn ich die Stewardess beim Aussteigen aus dem Flugzeug fragen muss, wo ich bin, höre ich auf.“

Peter Althoff plant schon das nächste Projekt

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